LKR Bamberg

In Abwärtsspirale gefangen

Am Ende waren es 116 Betrugstaten und 18 Fälle von Urkundenfälschung, die einem 35-jährigen Angeklagten aus dem Landkreis Bamberg vor dem Landgericht zwei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe einbrachten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Aufgrund der Vielzahl von Delikten des Angeklagten häuften sich auf dem Richtertisch die Unterlagen. Foto: Archiv
Aufgrund der Vielzahl von Delikten des Angeklagten häuften sich auf dem Richtertisch die Unterlagen. Foto: Archiv
Bamberg — Der selbstständige Finanzberater hatte zwischen September 2015 und September 2017 seine Freunde, Bekannten und Kunden um mehr als 212 000 Euro erleichtert. Jetzt bekam er vor dem Landgericht Bamberg die Quittung dafür.
Mit fünf verschiedenen "Maschen" brachte der gelernte Bankkaufmann die Geschädigten um ihre Ersparnisse: Erstens kündigte er mit gefälschten Kündigungsschreiben und ohne das Wissen der Betroffenen 17 Spar- und Riesterverträge, um danach die mehr als 80 000 Euro auf ein eigenes Konto umzuleiten. Das lief auf den Mädchennamen seiner früheren Ehefrau. Diese hatte aber keinen Zugriff auf die Gelder.
Zweitens fälschte der Angeklagte einen Überweisungsträger, um damit an rund 8000 Euro eines Mandanten heranzukommen. Sämtliches Geld verwendete der zwischenzeitlich arbeitsunfähige Freiberufler, um damit seinen Lebensunterhalt und den seiner Familie zu bestreiten. Weshalb die Taten vom Vorsitzenden Richter Markus Reznik als "gewerbsmäßig" eingestuft wurden. Der Angeklagte schilderte einige "private Schicksalsschläge", wie eine schwere psychische Erkrankung aus Burnout und Depressionen, mehrere Operationen an der Wirbelsäule, den Tod des Vaters und wirtschaftliche Probleme als Finanzberater, die ihn "auf den falschen Weg" gebracht hätten.
Drittens bot er im Ebay-Kleinanzeigenmarkt und bei weiteren Online-Verkaufsplattformen Gold- und Silbermünzen, Tank-Gutscheine, Smartphones und Konzertkarten an, die er gar nicht hatte. Dadurch verloren 75 Käufer rund 25 000 Euro. Während die meisten Geschädigten erst durch die Kriminalpolizei Bamberg davon erfuhren, einem Betrüger aufgesessen zu sein und "völlig verzweifelt" waren, wie es eine Polizeibeamtin schilderte, kam diese Vorgehensweise wegen fehlender Lieferungen ziemlich schnell ans Licht. "Und es trudeln immer noch Anzeigen aus dem ganzen Bundesgebiet ein."
Den größten Schaden mit knapp 120 000 Euro richtete er mit erfundenen Online-Test-Krediten an. Dabei gaukelte er mit selbst fabrizierten Formblättern seinen acht Opfern vor, er betreibe Marktforschung im Namen eines großen Finanzvertriebes. Als Testkunden sollten sie bei verschiedenen Anbietern Online-Kredite abschließen, um deren Kundenservice und das Kreditvergabeverhalten zu prüfen. Als Belohnung gab es üppige Provisionen. Die Verträge und die baren Summen heimste der Angeklagte ein, während seine Versuchskaninchen noch jahrelang auf den Zins- und Tilgungszahlungen aus den Krediten sitzen blieben. Dabei nutzte der Angeklagte das besondere Vertrauensverhältnis aus, das er sich in 15 Jahren als Versicherungskaufmann hart erarbeitet hatte, um nicht nur Kunden, sondern auch Freunde und einen Trauzeugen aufs Kreuz zu legen. "Sie schöpften keinen Verdacht."
Schließlich riet er vor allem befreundeten Ehepaaren, das bisher angelegte Geld anders anzulegen, um höhere Zinserträge zu erhalten. Freilich gab es diese Angebote gar nicht, und die Summe von rund 53 000 Euro verschwand. Wie so viel anderes Geld, der Angeklagte sprach selbst von rund 300 000 Euro, sei es bei Online-Sportwetten auf Fuß-, Hand- und Basketball-Ergebnisse verspielt worden.


Umfassendes Geständnis

Er habe immer gehofft, mit Gewinnen aus der finanziellen Abwärtsspirale bis hin zur Insolvenz ausbrechen zu können. Stattdessen sei es immer schlimmer geworden. Am Ende hätte ihn seine Frau mit den beiden kleinen Kindern verlassen. Nur Schulden von noch einmal etwa 150 000 Euro seien zurückgeblieben. Diese zurückzuzahlen nannte sein Verteidiger Rechtsanwalt Oliver Teichmann (Bamberg) eine "sportliche Herausforderung", zumal der Angeklagte derzeit hinter Gittern nur etwa 200 Euro monatlich verdient. Zugunsten des Angeklagten wertete Staatsanwältin Kerstin Harpf dessen vollumfängliches Geständnis, mit dem er neben den bereits ermittelten Straftaten noch eine Vielzahl weiterer Delikte aufgedeckt hätte. Er sei bei der Verhaftung im September 2017 sogar froh gewesen, dass die Sache damit ein Ende gehabt habe. Seither saß er in der JVA Bamberg, wo er zuletzt einem Zellennachbarn mit Herzstillstand durch Wiederbelebungsmaßnahmen das Leben rettete.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren