Kulmbach
Urteil

Immer, wenn er Uniformen sah

Wegen Beleidigung, Widerstands gegen die Staatsgewalt, vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung in mehreren Fällen musste sich ein 28-jähriger Kulmbacher am Donnerstagnachmittag vor dem Kulmbacher...
Artikel drucken Artikel einbetten

Wegen Beleidigung, Widerstands gegen die Staatsgewalt, vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung in mehreren Fällen musste sich ein 28-jähriger Kulmbacher am Donnerstagnachmittag vor dem Kulmbacher Amtsgericht verantworten. Eine Anklage wegen Betrugs wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft fallen gelassen.

In der Nacht des 9. März 2017 wurde der Angeklagte im Bereich vor dem Fritz-Einkaufszentrum mit blutender Nase neben einem Fahrrad auf dem Boden liegend von einer Passantin aufgefunden. Die von ihr alarmierten Polizeibeamten wollten sich nach dem Wohlbefinden des Angeklagten erkundigen, der jedoch sogleich in Kampfstellung ging und die Polizisten attackieren wollte. "Wir mussten ihn daraufhin zu Boden bringen, mit Handfesseln sichern und mit aufs Polizeirevier nehmen", sagte der erste Zeuge, ein Polizeibeamter, aus.

Alkohol und Drogen

Bis er in der Haftzelle war , habe sich der Angeklagte nicht mehr beruhigen lassen, er erging sich in wüsten Beschimpfungen, trat um sich und bespuckte die Polizeibeamten. Einen verletzte er sogar mit einem Faustschlag ins Gesicht, als dieser die Zellentür schließen wollte.

Das Gutachten eines Arztes ergab zum Tatzeitpunkt einen hoch gerechneten Blutalkoholspiegel von etwa 2,6 Promille, darüber hinaus konnten Cannabinoide im Blut nachgewiesen werden.

Am 26. November 2017 gegen vier Uhr früh war der Angeklagte in eine Auseinandersetzung vor einem Lokal in der Oberen Stadt verwickelt. Er hatte einem anderen Mann zwei Schläge mit der flachen Hand ins Gesicht versetzt, wovon dieser eine blutende Nase davontrug. Die hinzugerufene Polizei forderte den Angeklagten auf, sich auszuweisen. Als dieser einfach gehen wollte, wurde er von einem der Polizisten an der Kapuze festgehalten.

Daraufhin sah der Angeklagte rot, wehrte sich mit Händen und Füßen, weswegen er von den Beamten auf dem Boden fixiert wurde. Auf dem Boden liegend trat er einen der Beamten zwei Mal gegen die Schulter und sparte nicht an Beleidigungen. Die beiden Polizeibeamten mussten einen zweiten Streifenwagen hinzurufen, um des Mannes habhaft zu werden. Auf der Fahrt zur Polizeiwache trat der Angeklagte vom Rücksitz aus dem Fahrer des Polizeiwagens gegen die Schulter, ohne ihn jedoch zu verletzen.

Der vom Gutachter auf den Tatzeitpunkt zurückgerechnete Blutalkoholwert betrug etwa 2,5 Promille. Eine sonstige Beeinträchtigung des Angeklagten konnte er bei seiner forensisch-psychiatrischen Untersuchung nicht feststellen.

Der Angeklagte konnte sich vor Gericht nicht an alle Einzelheiten erinnern, bestritt aber die Vorwürfe nicht. "Ich weiß auch nicht, was da mit mir passiert", erklärte er, "so aggressiv werde ich nur, wenn ich etwas getrunken habe und wenn ich Polizeiuniformen sehe, dann hakt es bei mir aus." Deswegen habe er jetzt schon seit längerer Zeit keinen Alkohol mehr konsumiert.

22 Monate ohne Bewährung

Richterin Tettmann riet dem Angeklagten, künftig andere Wege zu finden: "Sie müssen das in den Griff bekommen." Aus dem Vorstrafenregister verlas die vorsitzende Richterin elf Einträge, darunter Delikte wie gemeinschaftlicher Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis, gemeinschaftliche Sachbeschädigungen, Urkundenfälschung, Leistungserschleichung, gefährliche Körperverletzung - wegen Verstoßes gegen Auflagen hatte der Angeklagte auch bereits einmal vier Wochen Jugendarrest abgesessen.

Auch jetzt wird er wieder ins Gefängnis gehen müssen, denn die Richterin verurteilte ihn unter Einbeziehung vorheriger Urteile zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren