Bamberg
Tourismusbranche 

Immer weniger sichere Ziele

Viele beliebte Urlaubsregionen werden durch Terror und Gewalt zu Krisengebieten. Die Bamberger Reisebüros sprechen von "genereller Zurückhaltung" bei den Buchungen für Ägypten und die Türkei.
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Wohin im Urlaub bei Fernweh? Angesichts der vielen Krisenherde auf der Welt fällt die Entscheidung in diesem Jahr nicht leicht. Foto: Stella Madlener
Wohin im Urlaub bei Fernweh? Angesichts der vielen Krisenherde auf der Welt fällt die Entscheidung in diesem Jahr nicht leicht. Foto: Stella Madlener
Bamberg — Ihre Ferien haben Bamberger - wie viele Bundesbürger - gerne in der Türkei oder in Ägypten verbracht - auf Bildungsreisen oder am Strand. Das wird sich wohl ändern: Politische Unruhen und Anschläge in beliebten Touristenregionen lassen die Urlauber bei den Buchungen zögern.
In allen Bamberger Reisebüros ist die Lage weitgehend gleich: Übereinstimmend wird von einer "generellen Zurückhaltung" gesprochen. "Wir werden sogar oft gefragt, was wir an der Stelle der Kunden machen würden", sagt Maria Kariun aus dem Reisebüro Stöcklein-Herrmann. "Eine Absage gab es bisher aber nur von einem älteren Ehepaar, das im letzten Jahr seine Reise widerrufen hat."


Dem Terror nicht nachgeben

Besonders jetzt, da im ägyptischen Hurghada ein Anschlag in einem Hotel verübt wurde, glaubt Christiane Och aus dem Reisebüro First, bald Rückgänge für das Land am Nil verzeichnen zu müssen: "Gegenwärtige Gefahr an dem Ort, an dem man eigentlich in Sicherheit sein sollte, beunruhigt Touristen verständlicherweise extrem."
Das Urlaubsziel Istanbul sei allerdings nach wie vor gefragt. "Der Deutsche will zeigen, dass er dem Terror nicht nachgibt und sich nicht abschrecken lässt."


Abbruch wegen "höherer Gewalt"

Rein rechtlich gesehen gibt es klare Regelungen, was das Stornieren von Reisen angeht: Grundsätzlich kann jeder vor Beginn seines Urlaubs von der gebuchten Reise zurücktreten. Um das zu tun, muss man keinen Grund nennen.
Allerdings verlangen die Reiseveranstalter üblicherweise Stornierungskosten, die bis zu 50 Prozent des Reisepreises erreichen können. Letztendlich gibt es also nur einen Teil des gezahlten Preises zurück.
Es gibt das Kündigungsrecht aufgrund "höherer Gewalt". Dieses besondere Recht erlaubt dem Reisenden in Extremfällen vom Urlaub zurückzutreten, ohne eine Stornierungsgebühr zahlen zu müssen. Er erhält den vollen Geldbetrag zurück.
Als "höhere Gewalt" gelten Epidemien, Naturkatastrophen, aber auch Terror oder Krieg im betroffenen Land. Das Recht tritt nur in Kraft, wenn eine offizielle Reise-Warnung des Auswärtigen Amtes besteht.
Bisher liegt für Ägypten und die Türkei nur ein sogenannter Reise-Hinweis vor. "Im Moment kann man als Reisender nur den Aufenthalt stornieren und die Gebühr in Kauf nehmen", sagt die Rechtsanwältin Franziska Winkler.
Das Auswärtige Amt rät zurzeit von Reisen in die Grenzgebiete der Türkei zu Syrien und dem Irak ab. Dringend empfohlen wird, Menschenansammlungen und typisch touristische Sehenswürdigkeiten und Attraktionen zu meiden. Ob sich dann das Verreisen überhaupt noch lohnt, muss jeder für sich entscheiden.


Größerer Informationsbedarf

Auch die Kunden des Diözesanpilgerbüros in Bamberg sind verunsichert und haben größeren Informationsbedarf als früher. Absagen gibt es jedoch noch nicht. Die klassischen Pilgerziele wie Portugal, der Jakobsweg oder die Herzegowina sind nicht betroffen, bei Reisen nach Israel ist mancher aber unsicher.
Mitarbeiterin Yvonne Hipp erinnert sich an einen Vorfall vom vergangenen Jahr in Jerusalem: "Bei einem Zwischenfall auf dem Tempelberg war eine unserer Gruppen dort, jedoch bekam niemand etwas von den Messerattacken mit. Erst als besorgte Angehörige angerufen haben, erfuhren die Pilger davon. Wir achten bei unseren Reisen weiterhin darauf, große Menschenansammlungen zu meiden."

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