Neukenroth
neukenroth.inFranken.de  Die 50-Jahr-Feier der WBV Kronach-Rothenkirchen fand in der Zecherhalle in Neukenroth statt.

Im Wald der Zukunft stehen Tannen

Der Frankenwald der Zukunft wird nach Meinung von Olaf Schmidt von Tanne und Douglasie geprägt sein. Aber auch eine Reihe von Laubbaumarten soll für einen stabilen Mischwald sorgen. Der gebürtige Tett...
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Die Kronacher Jagdhornbläser umrahmten die Feier in der Neukenrother Zecherhalle musikalisch.  Fotos: Friedwald Schedel
Die Kronacher Jagdhornbläser umrahmten die Feier in der Neukenrother Zecherhalle musikalisch. Fotos: Friedwald Schedel
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Der Frankenwald der Zukunft wird nach Meinung von Olaf Schmidt von Tanne und Douglasie geprägt sein. Aber auch eine Reihe von Laubbaumarten soll für einen stabilen Mischwald sorgen. Der gebürtige Tettauer Schmidt ist Präsident der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Bei der 50-Jahr-Feier der Waldbesitzervereinigung (WBV) Kronach-Rothenkirchen hielt er am Sonntag in der Zecherhalle die Festrede.

Präsident Schmidt meinte, der Wald sehe heute anders aus als vor 200 Jahren und werde in einigen Hundert Jahren auch anders sein. Wegen der steinigen Böden sei der Untergrund nicht sehr wasserhaltefähig. Der natürliche Wald im Frankenwald wäre ein Buchenwald, denn dieser Laubbaum sei bis 1000 Jahre nach Christus die dominierende Baumart gewesen. An den Steilhängen hätten Edellaubhölzer gestanden, die Fichte sei damals eine Minderbaumart gewesen.

Spiegelbild der Nutzung

Der wichtigste Begleiter der Buche sei die Eiche gewesen. Um 1100 sei der Frankenwald wenig besiedelt, Buche, Tanne, Eibe und Eiche seien die dominierenden Baumarten gewesen. "Der Wald ist ein Spiegelbild der Nutzung durch den Menschen. Brennholz, Bauholz, Flößerei, Köhlerei, Harznutzung, Streunutzung kennzeichnen dies. Die Vorfahren haben ums Überleben gekämpft und mussten den Wald nutzen. Das Nadelholz ließ sich gut flößen, die Buche war zu schwer, um sie flößen zu können. Deshalb gab es den Umschwung vom Laubwald zum Nadelwald, weil die Tanne zum Flößen angepflanzt wurde." Die Buche sei ausgerottet worden, weil sie auch für die Pottasche zur Glasschmelze in den Glashütten gebraucht wurde. "Jahrhundertelang war die Tanne die führende Baumart, weil sie wuchskräftig ist", verdeutlichte Präsident Schmidt.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts habe die Fichte ihren Siegeszug angetreten, weil nicht mehr einzelstammweise genutzt wurde, sondern Kahlschlag erfolgte. "Die Kahlschlagswirtschaft ist der Tanne nicht förderlich. Die Fichte ist unkompliziert in der Bestandsgründung und liefert ein vielseitiges Holz. Innerhalb von 80 Jahren ging der Tannenanteil von einem Viertel auf unter zwei Prozent zurück. Im Klimawandel ist die Tanne vielleicht eine Baumart, die uns hilft", gab Olaf Schmidt einen Hinweis für den Waldumbau im Frankenwald.

Beim Waldumbau brauche man eine differenzierte Betrachtung für heimische und nichtheimische Baumarten, solle nicht einfach nur auf Tanne und Douglasie setzen. Der Wald sei für die gesamte Gesellschaft sehr wichtig. Deshalb brauchen die Waldbesitzer die Unterstützung der Gesellschaft. "Wir werden uns auch künftig mit Waldschutzproblemen auseinandersetzen müssen. Der Wald der Zukunft muss gemischt sein. Sie können den Wald der Zukunft mitgestalten. Der Wald wird auch künftig wertorientiert bleiben. Der Waldbesucher freut sich über abwechslungsreiche Waldbilder." WBV-Vorsitzender Georg Konrad dankte dem Festredner mit Lauensteiner Pralinen.

Nach einem Dankgottesdienst in der Neukenrother Kirche St. Katharina begrüßte Vorsitzender Georg Konrad zum Festakt in der Zecherhalle in Neukenroth viele Ehrengäste und Mitglieder und blickte auf die Gründung der WBV Kronach-Rothenkirchen am 7. November 1969 durch 36 Waldbesitzer zurück. Aus der kleinen Gruppe ist eine Organisation mit über 1500 Mitgliedern geworden.

Den Reigen der Grußworte eröffnete Staatsministerin Michaela Kaniber per Videobotschaft. Sie dankte der WBV für ihre Leistung und versprach, dass die Politik die Waldbesitzer nicht alleine lasse. Die Waldbesitzervereinigungen würden auch finanziell unterstützt, damit man einen klimaresistenten Wald habe. Stockheims Bürgermeister Rainer Detsch dankte Präsident Schmidt, der sich in München für die Belange der Waldbesitzer einsetze. Ein großer Teil der Wälder befinde sich in Privateigentum und werde von Tausenden von Familien bewirtschaftet. Das Kapital in Wald und Flur solle vermehrt und an künftige Generationen weitergegeben werden.

Landrat Klaus Löffler lobte, die WBV sei nicht nur die größte im Kreis Kronach, sie habe in den vergangenen 50 Jahren einen wesentlichen Beitrag geleistet. Die 547 Millionen Euro des Bundes für den Waldumbau in den nächsten vier Jahren werden nicht reichen. MdB Hans Michelbach wolle sich dafür einsetzen, dass das Paket noch einmal aufgeschnürt und erweitert werde.

Holzpreise im Keller

FVO-Vorsitzender Wolfgang Schultheiß verwies auf die derzeit niedrigen Holzpreise, die nicht einmal die Erntekosten decken. Viele Waldbesitzer in Franken hätten im kleinstrukturierten Privatwald schon aufgegeben. Das sicherste sei, einen Mischwald zu pflanzen. Schultheiß brachte noch einmal eine Prämie für die Räumung von Schadflächen ins Gespräch. Man werde eine höhere Förderung für die Schadflächen in Bayern auflegen, damit die Leute etwas pflanzen und die Naturverjüngung voranbringen. Dies gehe wegen bürokratischer Hemmnisse viel zu langsam.

Michael Schmidt, Leiter der Forstbehörde in Stadtsteinach, bezeichnete die WBV als einen professionell aufgestellten Dienstleister. In Bayern sei man froh, dass man die WBVen habe. Forstwirtschaft sei immer mit großen Schadereignissen im Frankenwald verbunden gewesen. Die Altvorderen seien rausgegangen, hätten aufgearbeitet und neu aufgeforstet. Man sei in einer schwierigen Situation, aber nicht in einer unmöglichen. Er überreichte ein kleines Pflänzchen, das einmal ein Riesenmammutbaum werden solle.

Vorsitzender Georg Konrad ehrte Geschäftsführer Wolfgang Schirmer für 20-jährige und Manuela Jung für 15-jährige Tätigkeit für die WBV.

Zweiter WBV-Vorsitzender Markus Wich blickte in die Zukunft, die große Herausforderungen bringe. Den Waldumbau müsse man vorantreiben und klimatolerante Baumarten anbauen. Private, kirchliche und kommunale Wälder wolle man weiterhin betreuen und ein attraktiver Verein für die Mitglieder sein. Friedwald Schedel

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