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Lichtenfels

Im Rausch schlägt er unkontrolliert zu

40-jähriger Lichtenfelser muss drei Jahre hinter Gitter. Seinen täglichen Drogenbedarf empfindet das Gericht als erschreckend.
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Zu drei Jahren Haft bei gleichzeitigem Drogenentzug wurde ein 40-jähriger Lichtenfelser verurteilt. Foto: Ferdinand Merzbach
Zu drei Jahren Haft bei gleichzeitigem Drogenentzug wurde ein 40-jähriger Lichtenfelser verurteilt. Foto: Ferdinand Merzbach

Wegen gefährlicher Körperverletzung sowie mehreren Diebstählen wurde am Mittwoch ein 40-jähriger Lichtenfelser zu drei Jahren Haft bei Drogenentzug verurteilt. In der Schöffengerichtssitzung konnte wegen der Geständigkeit des Angeklagten auf einige Zeugenvernehmungen verzichtet werden.

Angeschlagen wirkte der Angeklagte, der in Fußfesseln den Saal 14 des Amtsgerichts betrat. Alkohol, Crystal und sogar Heroin haben ihm die Gesundheit ramponiert. Mehr noch: "Seine Urteils- und Kritikfähigkeit ist nahezu erloschen", sollte ihm während des von Richterin Ulrike Barausch geleiteten Prozesses ein psychiatrisches Gutachten attestieren.

Chance auf einen Therapieplatz?

Es stand viel für den Beschuldigten auf dem Spiel - würde er noch einmal eine Chance auf einen Therapieplatz erhalten? Gleich zwei Anklageschriften verlas Staatsanwältin Claudia Schellhorn kurz nach Prozesseröffnung um 9 Uhr. Beide beinhalteten Körperverletzungen, in dem Fall vom 26. Mai 2017 sogar gefährliche Körperverletzung. An diesem Tag verletzte der 40-Jährige einen ihm Bekannten in der Lichtenfelser Innenstadt, indem er ihm mit der Faust ins Gesicht schlug und, als der Mann sich wieder erhob, den Schlag wiederholte.

Im September hielt sich der Angeklagte sogar in der Wohnung des Geschädigten auf und, da dieser krankheitsbedingt seine Wohnung nicht verlassen konnte, sicherte diesem zu, die Einkäufe zu erledigen. Dazu bekam er die EC-Karte samt PIN ausgehändigt und betrieb Missbrauch damit. 400 Euro hob er ungefragt ab, Einkäufe wurden nicht getätigt. Ein klarer Fall von Betrug, zu dem noch vier zwischen August und September 2017 begangene Diebstähle kamen. In Supermärkten ließ er zumeist Wodka und Gin mitgehen. Neuerlich körperliche Gewalt übte der Lichtenfelser am vergangenen 11. November aus, als er um 2.30 Uhr einen ihm anderweitig bekannten Mann mit der Faust auf die linke Gesichtshälfte schlug.

Schon einmal begab sich der Angeklagte in Therapie, brach sie aber ab. Allein die Mengen an Alkohol oder Crystal, von denen er als Tageskonsum sprach, waren erschreckend. So habe er eigenen Angaben zufolge dann und wann ein Gramm Crystal am Tag eingenommen. Kein billiger Spaß, liegt der Preis dafür doch bei rund 120 Euro. "Wie finanzieren Sie das?", erkundigte sich Barausch und schob nach: "Stehlen Sie?" Kopfnicken beim Angeklagten, der auch von Mischkonsum zu sprechen begann und davon, dass er an manchen Tagen sogar zwei Flaschen Wodka zu sich genommen habe.

Selbst bei seiner Aufnahme ins Gefängnis wies er drei Promille auf. Zu den Tatvorwürfen hielt sich der Mann, der von Rechtsanwalt Albrecht Freiherr von Imhoff vertreten wurde, relativ knapp. "Ich habe ihm ein paar mal gesagt, er soll weggehen und mich in Ruhe lassen", so das benannte Motiv für seine Faustschläge im Mai. Damals sei er betrunken gewesen und habe auch Crystal intus gehabt.

Zwei Flaschen Wodka am Tag

"Werden Sie eigentlich auch mal nüchtern?", erkundigte sich Ulrike Barausch darauf. Tatsächlich, glaubt man dem Angeklagten, kenne der auch nüchterne Tage, mitunter sogar mehrere in Folge. Als einziger Zeuge trat der Mann auf, der im Mai die Faustschläge einstecken musste. In Handschellen wurde er in den Saal geführt und während seiner Vernehmung wurden diese gelöst. "Da habe ich keine Erinnerung daran - war besoffen", erklärte der derzeit ebenfalls in einer JVA einsitzende Mann zu zurückliegenden Vorfällen. Auf die zwei Tage Krankenhausaufenthalt entsann er sich aber, und er nahm auch die Entschuldigung seines damaligen Peinigers an.

Dann war das Verfahren im Grunde gelaufen und Zeit für die Plädoyers. Auf "fifty-fifty" wurde der Erfolg einer nochmaligen Drogentherapie eingeschätzt. Genug, um auf eine Sicherungsverwahrung in Maßregelvollzug samt Therapie zu entscheiden?

Staatsanwältin Claudia Schellhorn befürwortete dies, wenngleich sie insgesamt von drei Jahren Verbüßung unter diesen Bedingungen sprach. Nach 45 Minuten Bedenkzeit fiel das Urteil, welches laut Barausch "Kopfzerbrechen gemacht" habe. Eben deshalb, weil man mit freien Therapieplätzen nicht sorglos umgehen dürfe und ein aussichtsloser Fall einem aussichtsreichen nicht vorgezogen werden dürfe. Doch Aussicht sah das Gericht: Für zwei Jahre und sieben Monate wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

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