Burgkunstadt

Im Cockpit sitzt er nicht so gerne

Willi Jakob hält der Segelfluggruppe "Kordigast" Burgkunstadt seit 60 Jahren die Treue.
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Seit 60 Jahren ist Willi Jakob Mitglied bei der Segelfluggruppe "Kordigast" Burgkunstadt. Stolz blickt er auf einen selbst gebauten Segelflieger aus Balsa-Holz mit einer Spannweite von 2,40 Metern. Fotos: Stephan Stöckel
Seit 60 Jahren ist Willi Jakob Mitglied bei der Segelfluggruppe "Kordigast" Burgkunstadt. Stolz blickt er auf einen selbst gebauten Segelflieger aus Balsa-Holz mit einer Spannweite von 2,40 Metern. Fotos: Stephan Stöckel
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Draußen stürmt es, drinnen in der warmen Stube prasseln die Erinnerungen wie ein Wasserfall aus dem Gedächtnis von Willi Jakob. "Von meiner Altersklasse gibt es nicht mehr viele", sagt der 82-Jährige. Der Burgkunstadter zählt zu den Männern der ersten Stunde bei der Segelfluggruppe "Kordigast" Burgkunstadt, der er seit 60 Jahren die Treue hält.

Er hat die Gründerzeit des Vereins miterlebt. Damals waren - anders als heute - Segelflieger über Burgkunstadt geschwebt, in denen noch Männer saßen. Am Freitagabend wird er bei der Jahreshauptversammlung des Vereins im Hotel "Drei Kronen" mit einer Urkunde und einem Präsent geehrt. Die Treuequote bei den Modellfliegern ist hoch: Von den 27 Jubilaren gehören 26 seit mehr als 40 Jahren dem Verein an.

Jähes Ende nach Unfall

Szenenwechsel. Ein paar Tage zuvor kramt der Jubilar im trauten Heim in seinen Erinnerungen. "Schon als Jugendlicher ließ ich selbst gebaute Flieger aus Hartpappdeckel den Marktplatzberg hinuntergleiten. Beim Basteln von Flugzeugen schaltete ich ab und tankte Energie für den privaten und beruflichen Alltag." Bereits vor seinem offiziellen Vereinseintritt war Jakob aktiv mit dabei. Der junge Mann durfte, wenn die Segelflieger mit einer Seilwinde in die Luft befördert wurden, einen Flügel halten und mitlaufen. Ein Unfall am 31. August 1958 bereitete der manntragenden Fliegerei in Burgkunstadt ein jähes Ende. Pilot Hans Barnickel stürzte beim Landeanflug auf den Kaltenreuther Flugplatz aus 15 bis 20 Metern Höhe mit der KA 1 ab und musste schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Es folgte die Wende hin zum Modellflug.

Zu Hause bastelte Jakob fleißig Modelle, doch als Pilot stand er nie in vorderster Front. Sein Wirken als Zweiter Vorsitzender war nur eine kurze Episode in der Vereinsgeschichte gewesen. Ob beim Bau des Vereinsheimes oder beim Schottern des Weges, der zum Flugplatz führt - Jakob brachte sich lieber mit seinen handwerklichen Fähigkeiten ein. Zudem liebte er das gesellige Leben. Im urigen Vereinsheim fand bei Bier, Brotzeit und Gesang so manch lustiger Abend statt. "Wir waren ein zusammengeschweißter Haufen", blickt er mit Wehmut auf die 1960er, 70er und 80er Jahre zurück. Für ihn ist es die "Blütezeit des Vereins" gewesen, in der sich die Langläufer im Winter bei einem Gaudi-Rennen auf dem Flugplatz verausgabten. Zur Borkuschter Kerwa im September fanden damals Rundflüge in Segelfliegern statt. "Eine solches Gefährt zu steuern, davor hatte ich Bammel. Aber als Passagier durch die Lüfte zu schweben - das war schon ein wunderbares und erhabenes Gefühl", macht Jakob aus seinem Herzen keine Mördergrube.

"Ohne euch kann der Verein nicht leben", lobt Vorsitzender Werner Hahn bei der Versammlung das uneigennützige Engagement der Jubilare. Bürgermeisterin Christine Frieß bezeichnet die Modellflieger mit ihrem exotischen Hobby und ihren sportlichen Erfolgen als Botschafter Burgkunstadts.

Zu ihnen zählt das Vater-Sohn-Gespann Harald und Heiko Koch, das seit Jahren in der Klasse F5B-J die oberfränkischen Meisterschaften dominiert. Heiko aus dem Küpser Ortsteil Schmölz (1. Platz) und sein Vater Harald aus Kronach (3. Platz) erhalten Pokale. Werner Hahn aus Altenkunstadt und Rudolf Mager aus Weismain hatten oberfrankenweit einen hervorragenden fünften bzw. sechsten Platz belegt. Für Wolf Fickenscher, den mehrfachen deutschen, Europa- und Weltmeister aus Neuses am Main reichte es bei der Deutschen Meisterschaft in der Klasse F5B der Elektroflieger nur zum undankbaren vierten Platz. Auf dem Kaltenreuther Flugplatz wurde 2018 wegen der Hitzewelle nur an 136 Tagen (2017: 178 Tage) geflogen, wie Hahn erläutert. Erfreulich: Es gab keine meldepflichtigen Schadensereignisse und keine Beschwerden. Schatzmeister Detlef Thorwesten beziffert die Zahl der Mitglieder auf derzeit 72. Am 30. Juni zeigen beim Flugtag auf der Kaltenreuther Höhe Piloten aus nah und fern ihr Können. Am 19. Mai findet dort ein Wettbewerb der Klasse F5B-J für jedermann statt.



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