Unterlauter

Ihre Verbindung ist kein Zufall

Hildegard und Rudi Reißmann sind zusammen zur Schule gegangen. Vor 70 Jahren haben sie geheiratet.
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Schreiten seit 70 Jahren gemeinsam durchs Leben: Hildegard und Rudi Reißmann. Am Dienstag nach Pfingsten können sie das seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern.  Foto: Martin Rebhan
Schreiten seit 70 Jahren gemeinsam durchs Leben: Hildegard und Rudi Reißmann. Am Dienstag nach Pfingsten können sie das seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern. Foto: Martin Rebhan
Es ist Samstag, der 22. Mai 1948. In der Trinitatiskirche Unterlauter läuteten die Hochzeitsglocken. Vor den Traualtar traten Hildegard Fischer und Rudi Reißmann aus Dörfles-Esbach, um sich das Ja-Wort zu geben. Heute, 70 Jahre später, genießt das Ehepaar in seinem schmucken Häuschen seine Zweisamkeit und freut sich, das sehr seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern zu können.
Dass sich die beiden über den Weg gelaufen sind, war kein Zufall. "Wir sind zusammen in die Schule gegangen", erzählt die Jubilarin, die 1923 das Licht der Welt in Dörfles erblickte. Rudi Reißmann war zu diesem Zeitpunkt schon über zwei Jahre Bürger der Gemeinde. Dem Jubilar ging es wie vielen jungen Männern seines Jahrganges. Nach Schule und Berufsausbildung - er wurde zum Kunstglaser ausgebildet - rief ihn der damalige Arbeitsdienst, Rudi musse seine Arbeitskleidung mit einer Uniform tauschen. Mit einem Lächeln erinnert sich Hildegard Reißmann, dass es einem Fronturlaub zu verdanken war, dass sie ein Paar wurden.
Eine schlimme Zeit mussten die jung Verliebten überstehen, als er in russischer Kriegsgefangenschaft war und sie nicht wusste, was aus ihrem Liebsten geworden ist. Im Jahr 1947 hatte der schlimme Spuk ein Ende. Rudi Reißmann kam zwar abgemagert, aber sonst wohlbehalten zurück in seine Heimatgemeinde. Ein Jahr später wurde dann Hochzeit gefeiert.
Lang blieb das Paar nicht alleine. Im selben Jahr bekam es Tochter Elke. Aus dem Trio wurde 1957 ein Quartett, als Tochter Petra das Licht der Welt erblickte. Ihre Dörfleser Wurzeln gruben die Jubilare 1953 noch tiefer ein, als sie zu "Häuslebauern" wurden. Bis heute genießen sie das Leben in ihren eigenen vier Wänden.
Seine berufliche Heimat fand der Jubilar bei den Coburger Justizbehörden, denen er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1985 treu blieb. Hildegard Reißmann liebte ihren Beruf als Schuhverkäuferin. "Den habe ich von der Pike auf gelernt", erzählt die Jubilarin und erinnert sich gern daran, dass die Herzogin Adelheid zu ihren Kundinnen gehört habe.
Die Reißmanns liebten ihre Urlaubsaufenthalte in Südtirol. "Wir haben keine Gondel gebaucht, um auf die Berge zu kommen", berichtet Hildegard Reißmann mit leuchtenden Augen. "Getrennte Wege" beschreitet das Paar allerdings, wenn es um die Frage des Fernsehprogramms geht. Eines haben sie aber gemeinsam: die Tageszeitung. "Die wird von A bis Z gelesen", lässt Rudi Reißmann wissen. Auch am gesellschaftlichen Leben nehmen beide noch rege teil. Während Hildegard Reißmann gern zu den Seniorennachmittagen geht, besucht Rudi Reißmann jeden Freitagnachmittag das Schützenhaus in Dörfles.
Mit ihrem Leben sind die beiden sehr zufrieden. "Uns geht es gut, auch wenn die Beine nicht mehr so richtig wollen", beschreibt die Jubilarin ihrer beider Situation.
Wer Hildegard und Rudi Reißmann am 22. Mai seine Glückwünsche persönlich übermitteln möchte, ist ab 11 Uhr im Schützenhaus in Dörfles gern gesehen. Anstelle von Geschenken wünscht sich das Paar Geldspenden, die sie dann an ein soziales Projekt weiterleiten werden.
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