Bamberg

Ihre Freude am Leben steckte an

Als eine beliebte Persönlichkeit mit einem großen Herzen wird Aja Söldner den Bambergern in Erinnerung bleiben.
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Aja Söldner inmitten ihrer geliebten Zinnien Foto: Ronald Rinklef
Aja Söldner inmitten ihrer geliebten Zinnien Foto: Ronald Rinklef
Sie war nicht nur bloße Zeitzeugin. Mit Aja Söldner schlief in der Nacht zum Dienstag kurz nach ihrem 88. Geburtstag in der Palliativstation des Bamberger Klinikums friedlich eine Persönlichkeit ein, die das Bamberger Leben der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mitgeprägt und wärmer gemacht hat mit ihrem großen Herzen, das am Ende zunehmend schwächer wurde.
Als Anna Maria kannte sie kein Mensch. Alle nennen sie einfach Aja. Und es sind derer viele in Bamberg und weit über die Stadtgrenzen hinaus, die sie kennen, mögen und schätzen. Wer einmal das Glück hatte, sich an einem lauen Sommerabend im üppigen Garten ihres Familienanwesens in der Lorbersgasse mit Blick auf die Altenburg wiederzufinden im Kreise meist junger Leute, nicht nur Studenten an der Bamberger Uni, die vielleicht gerade gut gelaunt Sirtaki tanzten, der wusste sofort: Aja Söldner vermittelte nicht nur leichten Schrittes sportliches Wissen, sondern sie hatte die Gabe, ihre stets unerschütterlich gute Laune in Nullkommanix auf ihre Umwelt zu übertragen. Schlecht zu reden über ihre Mitmenschen war ihr fremd, Zuhören ihre Gabe.
In Bamberg war es in den letzten Dekaden des vergangenen Jahrhunderts ein geflügeltes Wort: "Bei der Aja habe ich auch schon getanzt." Oder geturnt oder geschwommen. Trotz oder gerade wegen der Kindheit und Jugend in Nazi-Diktatur und Zweitem Weltkrieg hat sich ihre Warmherzigkeit entwickelt. Als Tochter des Bamberger Sportlehrers Georg Müller besuchte sie schon als vierjährige Tanzelevin die Tanz- und Gymnastikschule Anni Rössert-Hahn. Seit dem Tode ihrer Lehrerin im Jahr 1978 leitete Aja Söldner Jazzdance- und Gymnastikkurse an der Volkshochschule, später auch unzählige Wassergymnastikstunden im Aufseesianum.
Rund zwei Jahrzehnte lang war Aja Söldner Dozentin für Tanz und Gymnastik an der Bamberger Universität. Unvergessen sind die ersten Uni-Altstadtfeste im Hof des Alten Pennals gleich hinter der Martinskirche, die ihre Studenten mit ihren Tanz- und Gymnastik-Auftritten bereicherten. Zudem war sie als beliebte Sportlehrerin am damaligen Englischen Institut, am Franz-Ludwig- und Kaiser-Heinrich-Gymnasium tätig.
Die dreifache Mutter Aja Söldner, die mit wachen Augen durchs Leben ging, ihre Meinungen fundiert und fest vertrat, hat als gute Hirtin viele Jahre die Schafherde ihres Mannes Klemens, des Bamberger Originals und Zauberers "Clementino", im Teufelsgraben betreut und bei vielen Lammungen mitgeholfen. 2013 wurde die Diamantene Hochzeit gefeiert. Gemeinsam mit ihrem Mann brachte sie auch die heute nach wie vor beliebten Rosenmontagsbälle auf den Weg.
Ihr Gemüse- und Blumengarten war noch lange ihre Freude. Sie wurde zur versierten Züchterin von Zinnien, an deren Farbenpracht sich auch die Lokalredaktion erfreuen durfte. Am kommenden Dienstag (12.15 Uhr, Aussegnungshalle des Friedhofs) wird Aja Söldner zu Grabe getragen. mis
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