Lichtenfels
Infrastruktur

IHK-Gremium fordert S-Bahn-Strecke bis Lichtenfels

"Neid muss man sich erarbeiten", fasste Landrat Christian Meißner die aktuelle positive Entwicklung im Landkreis zusammen bei einer Diskussion mit Vertretern des IHK-Gremiums Lichtenfels im Ristorante...
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"Neid muss man sich erarbeiten", fasste Landrat Christian Meißner die aktuelle positive Entwicklung im Landkreis zusammen bei einer Diskussion mit Vertretern des IHK-Gremiums Lichtenfels im Ristorante "Rossini". Dort standen auch die Forderungen nach einer S-Bahn oder eine Bereinigung der unbefriedigenden Verkehrssituation zwischen der Pietät-Kreuzung und dem Klinikum Lichtenfels auf der Agenda.

Wilhelm Wasikowski, Vorsitzender des IHK-Gremiums, skizzierte die aktuellen wirtschaftlichen Rahmendaten. Trotz des Strukturwandels in der Keramik- und Polstermöbelindustrie sei die Beschäftigtenzahl im Landkreis stetig gestiegen, alleine um 3656 auf über 28 000 in den vergangenen zehn Jahren. Das sei auch auf die positive Entwicklung der Industrie zurückzuführen, die im dritten Quartal 2018 ein Umsatzplus von 14 Prozent zu verzeichnen hatte. Was die weitere Konjunkturentwicklung angeht, herrscht bei den Lichtenfelser Unternehmen allerdings Zurückhaltung. Wasikowski: "Wenn ich an Trump, Brexit, Italien, China und den Fachkräftemangel denke, überrascht mich das Ergebnis allerdings nicht!"

Aktuelle Verkehrsthemen standen im Mittelpunkt des Gedankenaustausches. Meilenstein sei der Ausbau der B 173, so der Landrat, für die es nun Baurecht gebe. Auf die Frage von Wasikowski, was mit der "Soda-Brücke" bei Michelau passiere, bestätigte er, dass diese in die Bauplanung einbezogen werde. Die Bauzeit für den Neubau der B 173 zwischen Michelau und Zettlitz werde, so Meißner, auf rund sechs Jahre geschätzt. Er hoffe, dass das Planfeststellungsverfahren für die Ortsumgehung in Mainroth zügig durchgeführt werden könne, so dass ab 2021 mit einem Baubeginn gerechnet werden könne. Der Regionalplan Oberfranken West fordert, dass nach einem Bau der ortsnahen Umfahrung von Weismain der Lkw-Verkehr in Richtung Süden und der A 70 aus Naturschutzgründen nicht mehr über das Kleinziegenfelder Tal erfolge, weshalb die Kreisstraße LIF 12 ausgebaut werden solle. Die Chancen für einen weiteren Autobahnanschluss schätzt der Landrat mittelfristig nicht allzu hoch ein.

Judengasse nicht zumutbar

Meißner machte deutlich, dass die immer wieder ins Gespräch gebrachte Variante über die Judengasse aus seiner Sicht planerisch durchaus eine Alternative sei. Dass sie nicht weiter verfolgt werde, sei vor allem darauf zurückzuführen, dass eine Realisierung 20 bis 30 Jahre dauern würde, da es sich um den Neubau einer Staatsstraße handele. "Und in diesen 20 bis 30 Jahren fahren dann die Lkw mitten durch Modschiedel und Wunkendorf. Das kann man den Menschen nicht zumuten!"

"Den Wegfall des IC-Haltes in Lichtenfels haben wir alle noch nicht ganz verschmerzt", sagte der Landrat. Inzwischen sei beim Bahnfahrplan nachgebessert worden. Meißner sprach sich für einen weiteren Haltepunkt "Lichtenfels-West" aus. Den Gedanken griff Wasikowski auf und bekräftigte seine Forderung nach einer Verlängerung der S-Bahn-Strecke über Forchheim und Bamberg hinaus bis Lichtenfels. Wasikowski: "Wichtig wäre hier auch eine Verbesserung der Nachtanbindung in Richtung Bamberg." Dies habe er auf seiner Liste, bekräftigte Meißner.

Er machte auch deutlich, dass der ÖPNV im Landkreis neu aufgestellt werde mit Busanbindungen an die Bahnhöfe, ein integraler Taktfahrplan. Die ersten neuen Busverbindungen starteten am 1. September. Die unbefriedigende Verkehrs-Gemengelage zwischen der Pietät-Kreuzung und dem Klinikum sprach Raimund Stark an. Meißner pflichtete ihm bei, dass der Status quo unbefriedigend sei, sowohl für die Autofahrer, die von den Nebenstraßen in die Staatsstraße einbiegen wollten, als auch für Fußgänger oder Radfahrer. Auch der aktuelle Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Lichtenfels befasse sich mit diesem Abschnitt. Dieses Thema hätte er bei seinem nächsten Gespräch mit Bürgermeister Andreas Hügerich auf der Agenda, gemeinsam soll die Verkehrssituation mit dem Staatlichen Bauamt diskutiert werden, um Lösungen voranzubringen.

"Einen Lauf bei Investitionen"

"Wir haben derzeit einen guten Lauf, was Investitionen angeht, hierfür danke ich auch unserer heimischen Wirtschaft", so Meißner. Er nannte hier Investitionen von Unternehmen, aber auch beim Klinik-Neubau oder der Großküche des Klinikverbundes. Für eine nachhaltige Entwicklung sei es aber auch notwendig, dass Grundstücke und Wohnungen im Angebot seien. Meißner stimmte Wolfgang Schubert-Raab zu, dass die Ausweisung von Baugebieten ein immer größeres Problem werde. Er beneide die Bürgermeister nicht, da es für die Kommunen immer schwieriger werde, bezahlbare Baugrundstücke auszuweisen, vor allem weil immer weniger Grundstückseigentümer bereit seien, Flächen zu verkaufen. red

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