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Herzogenaurach

"Ich kann das nicht vergessen"

Zum Holocaustgedenktag standen am Gymnasium Herzogenaurach die Zwangsarbeiter in der Region im Fokus. Auch der Zeitzeuge Emil Gawronski kam zu Wort.
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Das Interview mit dem Zeitzeugen Emil Gawronski wurde auf einer Großleinwand gezeigt. Fotos: Manfred Welker
Das Interview mit dem Zeitzeugen Emil Gawronski wurde auf einer Großleinwand gezeigt. Fotos: Manfred Welker
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Das Thema "Zwangsarbeit in der NS-Zeit mit besonderem Schwerpunkt auf Herzogenaurach und Umgebung" stand im Mittelpunkt der Feierstunde zum Holocaustgedenktag in der Aula des Gymnasiums Herzogenaurach. Dazu gehörten die Befragung eines Zeitzeugen und Recherchen zu einem Lager in Hagenbüchach.

Die Einführung in die Thematik gestaltete Christian Hoyer vom Stadtmuseum. Ihm zufolge gab es rund 20 Millionen Frauen und Männer als Zwangsarbeiter im Deutschen Reich. 1944 waren ein Viertel der Beschäftigten Fremdarbeiter, die Organisation hatte die SS übernommen. Ab 1944 wurden auch KZ-Häftlinge eingesetzt, um etwa in Happurg Stollen in den Berg zu treiben, in denen Vergeltungswaffen produziert werden sollten.

In Herzogenaurach waren Ostarbeiter in Ziegeleien, am Fliegerhorst, bei der Reichsbahn in einer Weberei und in Schuhfabriken eingesetzt. Auch die Stadt beschäftigte Zwangsarbeiter. Im April 1940 wurden aus dem Lager Stalag 13-D in Nürnberg-Langwasser polnische Gefangene zum Arbeitseinsatz in Herzogenaurach angefordert und im Gefängnis im Schloss untergebracht.

Später kamen Franzosen dazu. Eingesetzt wurden sie für den Bau der Kanalisation, der Eisenbahnbrücke, die im Juli 1941 durch das Hochwasser zerstört worden war, in der Landwirtschaft und in Industriebetrieben. Das "Russenlager" wurde ab Oktober/November 1941 am Goldberganger eingerichtet, nachdem der Krieg mit der Sowjetunion begonnen hatte. Von den Gefangenen sind vier in Herzogenaurach verstorben. Die meisten Zwangsarbeiter gingen nach Kriegsende in ihre Heimat zurück.

Zwei Schüler des Wahlkurses "Zeitgeschichte und Politik" beschäftigten sich mit diesem Thema und stießen auf Bertram Schacher aus Puschendorf und sein Buch "Das Jakoberhaus - Die Deportation Kärntner Slowenen in das Lager Hagenbüchach", in dem er deren Einsatz als Zwangsarbeiter thematisierte. Zu seinem Buch befragte Simon Roller von der Klasse 10d den Autor, der durch Zufall auf Kärntner Slowenen in Hagenbüchach gestoßen war.

Auf Ablehnung gestoßen

Bei seinen Nachforschungen stieß er zunächst auf Ablehnung, "Ich bin gegen eine Wand gelaufen", so Schacher. Der ganze Ort Hagenbüchach schien an Amnesie zu leiden - obwohl im Jakoberhaus zum Teil 140 Menschen lebten, die zum Arbeiten eingesetzt wurden.

Für seine Recherche benötigte er etwa eineinhalb Jahre. Er war zu Nachforschungen in Kärnten und befragte fünf Personen, die nach ihrem Aufenthalt in Hagenbüchach wieder in ihre Heimat zurückgekehrt waren. Um die Männer zu würdigen, verfasste er einen Roman. "Alles belegbare Fakten", darauf legt Schacher großen Wert. "Ich kann als Deutscher etwas tun, um diesen Menschen einen Namen zu geben und an sie zu erinnern", so Schacher.

Ein noch lebender Zeitzeuge ist Emil Gawronski aus Herzogenaurach. Mit einem aufgezeichneten Interview gab er über sein Schicksal als Zwangsarbeiter in Deutschland Auskunft. Gawronski stammt aus Kalisch, sein Vater verstarb früh. 1940 verschleppte man Gawronski nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen zum Arbeitsdienst nach Deutschland. Vom zentralen Lager in Dortmund kam er nach Mönninghausen, wo er bis Kriegsende arbeitete.

Eingesetzt wurde er in einer Bäckerei, die zusätzlich eine Landwirtschaft betrieb und außerdem mit Kohlen und Dünger handelte. Ab 4 Uhr morgens musste er in der Bäckerei arbeiten, danach drei Kühe melken und vier Schweine versorgen. Außerdem war er tagsüber für das Abwiegen und Verkaufen von Kohle und Dünger zuständig. "Die Zwangsarbeit war schwer, ich kann das nicht vergessen", so Gawronski. So wurde er verprügelt, weil er seinen Aufnäher "P" (für Pole) an der Kleidung nicht richtig befestigt hatte. Die polnischen Zwangsarbeiter wurden streng beaufsichtigt, sie konnten sich daher nicht untereinander austauschen.

Wachdienst an der Herzo-Base

Nach Kriegsende blieb er in Deutschland. Er kam mit anderen in ein Lager in der Nähe von Darmstadt, wo Wachpersonal für die US-Armee gesucht wurde. Gawronski meldete sich mit einigen Kollegen für diesen Einsatz. Die Ausbildung zum Wachdienst erhielten die Kandidaten dann in Mannheim. Mit einer Kompanie kam er nach Wiesbaden, wo sie den Postendienst im Lager übernahmen. Nach dessen Auflösung gelangten sie nach Coburg und von dort nach Herzogenaurach zum Wachdienst an der Herzo-Base.

Das Areal der ehemaligen Kaserne der Luftwaffe war immer noch eingezäunt, um die Antennenanlage für die Funker der US-Amerikaner vor Neugierigen oder Sabotage zu schützen. Den Wachdienst versahen die Polen dort bis 1951. Durch Heirat blieb er in Herzogenaurach, gründete eine Familie und baute sich ein Haus.

Bürgermeister German Hacker dankte allen Beteiligten am Gedenktag für ihr Engagement.