Bamberg

"Ich habe viel Quatsch im Blut"

Lachen und Denken schließen sich nicht aus, betont Christian Springer. Der Kabarettist, der mit der Figur des grantelnden "Fonsi" bekannt wurde, kommt heute in den Kulturboden Hallstadt. Noch vor vier Tagen war er auf einer Hilfsmission im Libanon.
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Foto: Chantal Alexandra Pilsl
Foto: Chantal Alexandra Pilsl
Von Beirut nach Hallstadt: Christian Springer will als Kabarettist nicht nur mit Worten etwas bewirken, sondern er versucht auch aktiv, mit seinem Verein "Orienthelfer" etwas zu ändern. So fahren er selbst und sein Freiwilligenteam seit gut sechs Jahren regelmäßig in den Libanon und nach Jordanien, um Flüchtlingen und Einheimischen zu helfen. Erst vor vier Tagen kehrte er von einer Reise in den Libanon zurück - gerade rechtzeitig, um vor seinem Auftritt am heutigen Samstag um 20 Uhr im Hallstadter Kulturboden (Karten noch an der Abendkasse) unsere Fragen zu seinem Programm "Trotzdem" und seinem sozialen Engagement zu beantworten.

Inwieweit gehen Sie bei Ihrem Auftritt auf die Flüchtlingsthematik ein?
Christian Springer: Ich drücke nicht auf die Tränendrüse, aber das Thema Flüchtlinge ist seit Jahren groß in unseren Nachrichten. Deshalb ist es auch ein Thema fürs Kabarett. Und ich spüre, wie sehr die Leute das interessiert, weil ich selbst vor Ort bin. Erst gerade bin ich wieder aus dem Libanon zurückgekehrt.

Die Bamberger Groß-Asylunterkunft ist vor Ort heftig umstritten. In den Sondierungsgesprächen verständigten sich gleichwohl Union und SPD darauf, noch mehr Flüchtlinge in solchen Ankunfts-, Entscheidungs- und Rückführungszentren unterzubringen. Wie bewerten Sie solche Einrichtungen?
Es gibt Untersuchungen zu Flüchtlingen, die sind schon 30, 40 Jahre alt. Und was kam raus? Zentrale Unterbringung nur im Notfall. Integration klappt dezentral besser und schneller. Das ist heute noch gültig. Rückführungszentren dienen nur zur Beruhigung von aufgebrachten Wählern und bringen menschlich und gesellschaftlich null.

Wie wichtig ist Haltung für Ihre Arbeit als politischer Kabarettist?
Haltung ist das letzte Wort in meinem Programm. Und viele Menschen kommen zu mir und bedanken sich hinterher für den Abend. Das freut mich sehr, denn es zeigt, dass das Publikum im Kabarett sehr wohl Lust hat, sein Hirn einzuschalten. Bei mir müssen keine schwierigen Matheaufgaben gelöst werden, aber wenn ich das Publikum nur unterhalten will, dann hätte ich auch Alleinunterhalter mit Hammondorgel werden können. Oder ich stelle einen Lachsack auf die Bühne.

Aber das Publikum soll auch lachen dürfen?
Das tut es auch. Und wie! Ich finde es wahnsinnig schade, dass viele denken, das Lachen und das Denken schließen sich aus. Das ist ein dummes Missverständnis. Außerdem komme ich aus einer Familie, in der gern und viel gelacht wird. Ich kann mich gut erinnern, wie einmal der lustigste Abend des ganzen Jahres am sonst so "staaden" Heiligen Abend war. Ich habe sicher viel Quatsch im Blut.

An wem testen Sie als Erstes die Wirkung eines neuen Programm?
Gute Frage. Aber es ist so, dass ich beim Schreiben eines neuen Programms viele Vorpremieren vor der echten Premiere habe. Das weiß das Publikum und arbeitet quasi an der Entstehung mit. Das sind schöne Abende.

Mit ihrem gemeinnützigen Verein "Orienthelfer" versuchen Sie, Flüchtlingen zu helfen. Was war der Auslöser?
Zwei Dinge. Ich war über 30 Mal in Syrien, bevor dort der Krieg ausbrach. Ich kenne das Land und die Leute extrem gut und habe Freunde dort. Und ich spreche ein wenig Arabisch. Das zweite ist aber wichtiger, denn von meinen Eltern habe ich Folgendes gelernt: "Wenn jemand hingefallen ist, geh hin und hilf ihm auf." Es kann so einfach sein. Und das Beste: Helfen macht Freude und ist eine Bereicherung fürs Leben.

Die Fragen stellte
Michael Memmel.



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