Bamberg
Mundart

"Ich gradälieä dich zu dein Dooch, dassd' long lebst und gsund bläbst!"

"Geburtsdooch hot jeda Kuh", sagten früher die Häcker auf dem Kaulberg, denn was hier gefeiert wurde, war der Namenstag. Die Heiligenfeste der gängigen Namen kannte jeder, und so wurde an Josefi, Geor...
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"Geburtsdooch hot jeda Kuh", sagten früher die Häcker auf dem Kaulberg, denn was hier gefeiert wurde, war der Namenstag. Die Heiligenfeste der gängigen Namen kannte jeder, und so wurde an Josefi, Georgi, Heinrich, Kunigunda, Anna, Margareta, Michael, Katharina, Barbara den Namensträgern gratuliert, auch von Nachbarn und Bekannten. Manchmal rief man sich auch über die Straße beim Grüßen zu: "Ich gradälieä dich zu dein Dooch, dassd' long lebst und gsund bläbst!"
Aber es ist auch vorgekommen, dass nach den ehrerbietigen Glückwünschen beispielsweise zum Kunigundentag der Gratulant sich im Weitergehen nochmals umgedreht und gemurmelt hat: "Kunigund, dei Orsch is rund!" Noch viel kräftigere Aussprüche gäbs ja zu Käthl und Marcharet - obä die trau i miä net nei die Zeitung zä schreibn. Die konn ich Ihnäna höchstns mol nein Ohr flüstern!
Die meisten Vornamen waren ja mundartlich verändert: Karla und Paula (naa, fei nix mitn "Dritten Geschlecht"!) einfach von Karl und Paul abgeleitet, Franzä, Heinä, Seppä und Kaschpä, Goobä (von Gabriel) und Pangä (Pankraz). Für die Mädchen war die Wahl: Marri, Kuni, Käthl, Marcharet oder Rettl, Babett (von Barbara) nach dem französischen "Babette", aber auf der ersten Silbe betont. Aus Dorothea wurde die Dorl und aus Ursula die Orschl.


Der Adl hinter dem Kamin

Ja, und do fällt mä nuch so a Nomensgschichtla ei, des hot mei Onkl immä gern erzählt. Er, der Adl is gor net gern nei die Schul ganga. Er war alles andere als dumm - obä die Schul woä halt so longweilich! Jeden Früh ging der Zehnjährige pünktlich mit seinem Schulsack aus dem Haus, kam aber bald darauf heimlich zurück und hot sich västecklt.
Seine Mutter hatte auf dem großen Grundstück viel zu tun - auch mit Hühnern und Schweinen und hat nichts gemerkt. Als der Adl am nächsten Tag wieder nicht in der Schule erschien, wurde der "Hausmastä" der Kaulbergschule, der Balthes, zu seinem Elternhaus geschickt, in die kleine Gasse am Fuß der Altenburgerstraße, um den Schulschwänzer zu holen.
Seine Mutter rief ahnungslos: "Wos! Des gibts doch net! Eä is doch heut früh pünktlich fortganga! Do is eä net - Sie könna sich ja selbä umschaua!" Der Balthes suchte in dem weitläufigen Grundstück, im Stall, im Garten und im Keller - aber der Adl war nicht zu finden. Kein Wunder, der war nämlich auf das Dach des einstöckigen Hauses geklettert und hatte sich hinter dem Kamin versteckt.
Als der Hausmastä unverrichteter Dinge die Gasse wieder zurückging, war eine laute Stimme zu hören: "Schmier-Balthes, Schmier-Balthes!" Der hat sich umgedreht und scharf herumgeguckt - obä do woä ka Mensch zä sähng! Der Adl hat sich nämlich blitzschnell hinter den Schlot zurückgezogen.
So gings noch ein paar Mal: "Schmier-Balthes, Schmier-Balthes!" Sollte er nochmal zurückgehen und weitersuchen? "Ich loß mi doch net veräppln!", dachte er wütend. In der Kaulbergschule konnte er dem Oberlehrer nur melden, dass der Schüler einfach nicht aufzufinden war.
Und weil der Adl damals seine "Heldentat" nicht erzählen konnte, hat ers als Fünfzigjähriger umso lieber getan: "Brudä, des worn dä so Zeitn!"


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