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Erlangen

Hunde treten nicht nach

Drei Männer verprügeln einen Mann, weil der eine Zigarette verweigerte. Ein Helfer wird ebenfalls zu Boden gebracht und Polizisten werden beleidigt. Mit sozialem Verhalten hatte das Vorgehen der Drei nichts zu tun.
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Hunde sind in ihrem Verhalten menschlicher als der Mensch, sie kennen eben die sozialen Regeln, die so manchen Kampf vermeiden. Foto: tverkhovinets/Adobe Stock
Hunde sind in ihrem Verhalten menschlicher als der Mensch, sie kennen eben die sozialen Regeln, die so manchen Kampf vermeiden. Foto: tverkhovinets/Adobe Stock

Michael Busch Es war weniger ein Plädoyer für den Angeklagten, als dessen Pflichtverteidiger Thomas Skapczyk eigentlich im Sinne seines Mandanten am Erlanger Amtsgericht loslegte. Es war vielmehr eine grundsätzliche Darstellung von immer wiederkehrenden Problemen in der Gesellschaft.

"Es war eine typische Nacht von Samstag auf Sonntag", erklärte der Anwalt. Sein Mandant hatte, wie soviel andere Menschen zuvor auch, offensichtlich zu viel getrunken und hatte im Juli 2019 eben von einem Samstag auf einen Sonntag nachts um 3 Uhr andere Menschen verprügelt. "Ich schaue nach dem Wochenende in die Zeitung und weiß, dass ich wieder Mandanten gefunden habe, die ich zu verteidigen habe."

Es sei ein Standard, was da mittlerweile am Wochenende passiere. "Ab 0,6 Promille geht es los. Grund? Nichts Großes!" Skapczyk versucht, in seinem Plädoyer nicht herunterzuspielen, was sein Zögling und die beiden anderen Mitangeklagten in jener Nacht gemacht haben. Wegen einer Zigarette, die sie schnorren wollten und nicht bekommen haben, seien die drei Endzwanziger ausgeflippt und haben den Verweigerer der Zigarette ebenso verprügelt wie einen Menschen, der dem Opfer zur Seite springen wollte.

Die Situation sei sogar soweit eskaliert, dass beim Heranrücken der Polizei ein weiterer Passant durch einen der drei Angeklagten durch einen Faustschlag von den Beinen geholt wurde. Die Beleidigungen einer der drei Angeklagten bei der Vernehmung durch die Polizei gegenüber den Beamten sei ebenso unverständlich. Gefährliche Körperverletzung, Körperverletzung und Beleidigung wurden vor dem Amtsgericht verhandelt.

"Es ist wie bei den Hunden", erklärte Skapczyk. Dort beobachte er immer wieder, dass es manchmal dazu komme, dass diese friedlich aneinander vorbeilaufen, wenn aber einer das Bellen anfinge, gehe es rund.

Auch wenn er an dieser Stelle bedauerte, dass er nicht verstehe, wie es zu diesen Aggressionen komme, musste er sich bei der Urteilsbegründung durch Richterin Birgit Griem gefallen lassen, dass der "Hundevergleich" nicht ganz passe. Sie argumentierte: "Wenn ein Hund am Boden liegt und sich nicht mehr wehrt, tritt beim Angreifer eine Beißhemmung ein." Und das sei der große Unterschied zum Menschen und zu den drei Angeklagten.

Keine Chance gegen die Angreifer

Der lapidare Grund, dass ein Angefragter keine Zigarette für die Schnorrer parat hatte, reichte aus, dass dieser einen Faustschlag erhielt, es reichte aus, dass der Aggressor zwei Kumpels auf seine Seite zog, um weiter gegen diesen Mann vorzugehen. "Dieser liegt am Boden und es setzt keine Beißhemmung ein, es wird gemeinschaftlich auf den Mann eingetreten." Ein weiterer Helfer wird ebenso traktiert und auch in diesem Fall geht der Angriff weiter, obwohl der Mann am Boden liege.

Zumal die beiden Opfer eher "schmalbrüstig" gewesen seien und gegen das körperliche Übergewicht der Angreifer eh' keine echten Chancen gehabt hätten. Warum einer der Angeklagten, ein Lokalbesitzer aus Erlangen, letztlich auch noch einen Polizisten beleidigte und ihm den gestreckten Mittelfinger vor das Gesicht hielt, habe dann auch mit einer spontanen, zufälligen Tat nichts zu tun, führte die Richterin aus.

Sie schloss sich weitgehend den Forderungen des Staatsanwaltes an. Der hatte zweimal ein Jahr und neun Monate gefordert, einmal ein Jahr und drei Monate für den Angreifer, der im Gegensatz zu den anderen beiden noch gar keinen Eintrag im Bundeszentralregister hatte. Geldauflagen zwischen 2500 und 3500 Euro waren ebenfalls gefordert.

Bewährung für alle Drei

Letztlich ersparte die Richterin jedem der Angeklagten einen Monat Gefängnis und verringerte die Geldauflage in einem Fall.

Spannend war die Frage, ob es Bewährung geben kann. Die Richterin folgte da den Anträgen aller beteiligten Anwälte. Sie erklärte: "Das Geständnis war sehr hilfreich, wir hätten sonst über Gefängnisstrafen ohne Bewährung gesprochen." Die Einsicht der Angeklagten und deren Bekenntnis zur Tat hätten dafür gesorgt, dass eine aufwendige Zeugenbefragung entfallen konnte.

Alle Beteiligten stimmten dem Urteil zu, womit dieses rechtskräftig ist.

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