Bamberg

"Humor hilft immer"

Anne Rothäuser und Thieß Neubert präsentieren in Bamberg den "Postillon".
Artikel drucken Artikel einbetten
Anne Rothäuser und Thieß Neubert führen durchs Programm. Foto: privat
Anne Rothäuser und Thieß Neubert führen durchs Programm. Foto: privat

Mit ihren Beiträgen im Nachrichtenstil hat die preisgekrönte Satire-Website "Der Postillon" seit 2008 vor allem in sozialen Medien immer wieder für Verwirrung und Aufregung gesorgt. Ob es die Einführung einer europäischen Fußball-Nationalmannschaft war oder die Meldung, dass Angela Merkel die AfD gegründet habe - auf die Satire-Botschaften fielen selbst Politiker, Medien und Leser herein. Seit 2014 werden die Postillon-Nachrichten vom Moderatoren-Duo Thieß Neubert und Anne Rothäuser in einer eigenen Fernsehsendung präsentiert, zudem gibt es eine Radio-Show. Seit Ende vergangenen Jahres sind die beiden Moderatoren nun mit der "Der Postillon - Live Deutschlandtour" unterwegs. Am 14. September kommen sie nach Bamberg. Im Interview verraten die beiden, warum Satire zur Allgemeinbildung beiträgt und es mitunter frustrierend sein kann, wenn Nachrichtenbeiträge nicht ernst genommen werden. Was kann Satire im Idealfall für politische, gesellschaftliche, kulturelle Diskussionen leisten? Anne Rothäuser: Sie trägt auf alle Fälle zur Allgemeinbildung bei, denn sie bringt tagesaktuelle Themen unter die Leute, die unter Umständen erst durch uns davon erfahren. Satire bremst also die vielfach beklagte Verblödung der Massen.

Thieß Neubert: Satire kann im besten Falle auf Missstände hinweisen, manchmal aber darf sie auch einfach nur schlicht die Menschen unterhalten.

"Der Postillon" scherzte zuletzt darüber, kläglich gescheitert zu sein, eine Nummer über die Berufung eines Investmentbankers von Goldman Sachs als Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium zu machen. Kann Satire nicht alles?

Thieß Neubert: Manchmal - ich gebe zu, in letzter Zeit immer häufiger - ist die Realität einfach satirischer als die Satire. Das müssen wir neidlos anerkennen. So gesehen ist die größte Konkurrenz des "Postillon" die Realität.

Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten, ein Diktator Kim Jong-un, der zum "Friedens-Aktivisten" mutiert und die Fußball-WM in Russland ... derzeit herrschen für Kabarettisten und Satiriker geradezu paradiesische Zustände, oder?

Thieß Neubert: Ach, das täuscht. So außergewöhnlich ist die Lage gar nicht. Früher gab es ja auch schon so viel, was man sich nicht ausdenken konnte: Berlusconi zum Beispiel. Anne Rothäuser: Trotzdem, da muss man aufpassen. Es nimmt überhand. Wenn das so weiter geht, haben wir bald keinen Job mehr und die Leute lachen nur über das, was sie täglich in den Nachrichten sehen.

Macht Ihnen die derzeitige Entwicklung der Weltlage privat manchmal Angst und ist Satire ein gutes Mittel, um damit umzugehen? Anne Rothäuser: Verglichen mit den 70ern finde ich die Weltlage heute eigentlich ganz dufte.

Außerdem: Humor hilft immer. Gerade in schwierigen Zeiten.

Fällt es Ihnen nicht schwer, ernst zu bleiben, wenn Sie Ihre "Nachrichten" vorlesen? Thieß Neubert: Nein, wir sind mittlerweile professionell genug, bei den Nachrichten ernst zu bleiben. Die Striemen und Narben auf unserem Rücken sind uns eine Lehre. Anne Rothäuser: Ich stelle mir in solchen Fällen Thieß einfach nackig vor. Spätestens dann vergeht mir das Gefühl, jetzt lachen zu müssen.

Wie geht man beim "Postillon" damit um, wenn der ein oder andere Beitrag etwas zu ernst genommen wurde?

Thieß Neubert: Die Frage muss eher lauten: Wie gehen wir damit um, wenn ein Beitrag mal nicht ernst genommen wird? Das sind die wahren Ärgernisse!

Anne Rothäuser: Das stimmt. Wir präsentieren ehrliche Nachrichten. Können Sie sich vorstellen, wie frustrierend es ist, wenn dann plötzlich unter einem Artikel Kommentare auftauchen mit Smileys und Sätzen wie "HAHAHA, ich lach mich tot!" ? Die Fragen stellten sich Anne Rothäuser und Thieß Neubert selbst.



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren