Wermerichshausen

Hohe Punktzahl für den Neuling

Wermerichshausen hat beim Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" auf Landkreisebene gut abgeschnitten. Nun kann sich das Dorf auf Bezirksebene bewerben.
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Mitte Juli sah sich die Jury in Wermerichshausen um. Jetzt kam das Ergebnis: 74 von 100 Punkten. Im nächsten Jahr geht es auf Bezirksebene weiter.  Foto: Thomas Malz
Mitte Juli sah sich die Jury in Wermerichshausen um. Jetzt kam das Ergebnis: 74 von 100 Punkten. Im nächsten Jahr geht es auf Bezirksebene weiter. Foto: Thomas Malz

Nicht immer ist es positive Post, die im Briefkasten des Rathauses landet. Über den Brief von Dieter Büttner aber haben sich Bürgermeister Helmut Blank (CSU) und Wermerichshausens Ortssprecherin Ulla Müller sehr gefreut: "Mit einer beachtlichen Gesamtleistung erreichte der Ort 74 Punkte von möglichen 100 Punkten. Zu diesem Erfolg möchte ich allen Beteiligen gratulieren", schreibt der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege, der die Bewertungsjury beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" geleitet hat. Wermerichshausen hatte erstmals an diesem Wettbewerb teilgenommen.

Die Steinpforten und schmucken Hausgärten sowie eine relativ große Zahl an denkmalgeschützten Häusern, Bildstöcken, Heiligenhäuschen und Steinkreuzen werden in der Bewertung hervorgehoben. "Eine Besonderheit des Dorfes ist aufgrund der umliegenden Steinbrüche der Beruf des Steinhauers, den im Ort um 1900 bis zu 50 Arbeiter und Aushilfskräfte nachgingen. Diese Steinhauer- und Steinmetzzunft vor Ort fand ihren Ausdruck auch in einer ungewöhnlich reichen Ausstattung des Ortes und der dazugehörigen Flur mit bildhauerischen Steindenkmälern aller Art im grünen Sandstein", heißt es in dem Schreiben.

Aktiv mitgearbeitet

Die Bewertungsjury erfuhr, dass viele Ortsbürger aktiv an der Gestaltung ihres Ortes mitwirken. "Dies wurde auch beim Rundgang durch die hohe Bürgerbeteiligung spürbar", schreibt Dieter Büttner. In fünf Themenbereichen wurde der Ort bewertet. Dabei habe sich die hohe Motivation und das ehrenamtliche Engagement der Bürger gezeigt. "Besonders beeindruckend fanden die Jurymitglieder, dass die Vereine immer wieder zusammen Feste organisieren und den Erlös daraus in einen Fonds geben, aus dem dem die Sanierung solcher Denkmäler unterstützt wird."

Gewürdigt hat die Jury den langen und harten Kampf um die Sanierung des Pfarrhauses, der 20 Jahre gedauert hat. Doch es habe sich gelohnt, das Haus konnte erhalten werden. "Dies war nur möglich durch den Einsatz der Dorfgemeinschaft, die sämtliche vorbereitende Arbeiten in Eigenleistung unter großer Opferbereitschaft erbracht hat." Aufgefallen sind beim Rundgang die vielen hübsch hergerichteten Fachwerkhäuser und die Hoftore aus Sandstein. Der Leerstand hält sich in Grenzen. Gut angekommen sind auch die Ausstellung im Dachgeschoss der ehemaligen Schule und die neu gestaltete Ortsdurchfahrt.

Wermerichshausen habe sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. "Ich möchte alle ermuntern, auch in Zukunft an dem schönen Ortsbild der Gemeinde weiter zu arbeiten und so die Attraktivität für die Bürger in Zukunft noch weiter zu steigern und somit einem Rückgang der Einwohnerzahl entgegen zu wirken", so der Juryleiter. Er verweist auf den Wettbewerb auf Bezirksebene im nächsten Jahr und hat auch gleich ein Anmeldeformular angehängt.

 

Fünf Themenschwerpunkte

Mitgeliefert wurden positive Aspekte und Empfehlungen zur Weiterentwicklung - aufgeteilt in fünf Themenschwerpunkt, bei denen es jeweils bis zu 20 Punkte gab. In den Bereichen "Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen" sowie "Baugestaltung und Entwicklung" wurden jeweils 17 erreicht. In allen Punkten werden auch Anregungen gegeben. Und genau dafür ist der Wettbewerb da, hatte Dieter Büttner beim Rundgang gegenüber dieser Zeitung gesagt. Es komme häufig vor, dass Orte solche Anregungen aufnehmen, etwas ändern und sich dann wieder bewerben.

Aber jetzt geht es erst einmal zum Bezirksentscheid. Ortssprecherin Ulla Müller ist noch ein klein wenig skeptisch: "Wermerichshausen wird im nächsten Jahr kein wesentlich anderer Ort sein", sagt sie. "Muss er auch nicht", ist Helmut Blank überzeugt. Ein Gespräch mit Dieter Büttner und ein eintägiger Vorbereitungskurs in Klosterlangheim sollen zur Vorbereitung dienen.

"Für mich ist das ein sehr positiver Bescheid", sagt Helmut Blank zu dem Schreiben. "Ich sehe das als Chance. Ulla Müller und der Bürgermeister haben sich schon zusammengesetzt und geschaut, was sich aus den Anregungen schnell umsetzen lässt. "Einen Antrag auf ein Neubaugebiet habe ich ja schon vor längerer Zeit gestellt", sagt Ulla Müller. Es sollen geeignete Flächen gefunden und diese dann dem Stadtrat und den Bürgern vorgestellt werden. Die Begrünung des Friedhofs und des Dorfplatzes sind zwei weitere Punkte. Da ist es gut, wenn man im Ort einen rührigen Obst- und Gartenbauverein hat. Mit deren Mitgliedern will Ulla Müller das besprechen.

Langfristig gesehen soll auch die Vermarktungsstrategie verbessert werden.Angedacht ist bereits ein Kulturweg entlang der Bildstöcke und Feldkreuze. Helmut Blank will mit den jeweiligen Referenten und den Bürgern ein Grobkonzept erarbeiten, wo man noch etwas verbessern kann. "Das ist das, was für mich zählt: Was wollen die Wermerichshäuser, wo setzen sie Schwerpunkte", sagt er.

"Ich freue mich sehr, dass wir so gut abgeschnitten haben", meint Ulla Müller. "Wir wollten nach außen tragen, was die Leute Großartiges leisten." Erst seit 2010 lebt Ulla Müller in Wermerichshausen. "Ich fühle mich hier wohl, es ist meine zweite Heimat geworden."

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