Bad Kissingen

Hoffnung für alle im Funkloch

Ein Vertreter der Telekom geht auf weiße Flecken im Mobilfunk-Netz ein. Ein neues Förderprogramm könnte dort helfen, wo der Ausbau unwirtschaftlich ist - wie in Heiligkreuz.
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Mitten in Heiligkreuz gibt es zwar einen offiziellen Rettungstreffpunkt (Schild hinten), aber keinen Handy-Empfang: Feuerwehr-Kommandant Armin Henning (links) hat mit dem Digitalfunkgerät Empfang, während Daniel Niebusch (rechts), Vorsitzender der Wehr, mit dem Handy Pech hat. Foto: Ralf Ruppert/Archiv
Mitten in Heiligkreuz gibt es zwar einen offiziellen Rettungstreffpunkt (Schild hinten), aber keinen Handy-Empfang: Feuerwehr-Kommandant Armin Henning (links) hat mit dem Digitalfunkgerät Empfang, während Daniel Niebusch (rechts), Vorsitzender der Wehr, mit dem Handy Pech hat. Foto: Ralf Ruppert/Archiv

Stralsbach, Oehrberg, Reith, Volkershausen oder Schönderling: Jede Menge Funklöcher hat das Landratsamt geortet. Nirgendwo aber ist es so schlimm wie im Wartmannsrother Gemeindeteil Heiligkreuz: Tief unten im Schondratal gibt es überhaupt kein Handy-Netz, während in den meisten anderen Orten im Landkreis der Empfang vom Anbieter abhängt. "Für 60 Leute kann man halt keine Basisstation wirtschaftlich betreiben", stellte auch Erwin Walch von der "Deutsche Telekom Technik" klar. Allerdings gebe es seit einer Woche ein Förderprogramm, das genau solche kompletten Funk-Löcher schließen könnte.

Die Mobilfunk-Versorgung im Landkreis sei "durchaus gut", fasste Landrat Thomas Bold die Abdeckung zusammen. Trotzdem gebe es weiße Flecken, deshalb setzte Bold das Thema auf die Agenda des Landratsamtes. Erwin Walch kam extra aus München, um sich die Sorgen der Bürgermeister einmal anzuhören. "Das Manko ist der fehlende Kontakt zu den Kommunen", kritisierte Oberthulbas Bürgermeister Gotthard Schlereth die Zusammenarbeit mit der Telekom. Es sei fast unmöglich, Ansprechpartner zu bekommen, die auch Entscheidungen treffen dürften. Bei einem Straßenausbau sei es vorgekommen, dass die Telekom fünf Mal aufgegraben habe. Schlereth attestierte der Telekom eine "miserable Kommunikation".

Walch bat um Verständnis, dass er als Mobilfunk-Experte nichts zum Festnetz-Ausbau sagen könne. Wichtig war ihm auch die klare Trennung: Es gebe zwar Hybrid-Router, die die fehlende Bandbreite im Festnetz über Mobilfunk ausgleichen, aber: "Alle Nutzer teilen sich alle Bandbreite, wenn viele an einer Basisstation hängen, wird es langsamer." Deshalb suche die Telekom immer schon nach neuen Standorten, wenn eine Station zu mehr als 70 Prozent ausgelastet sei, damit es später nicht zu Engpässen kommt. Das stoße oft auf Unverständnis bei der Bevölkerung.

Widerstände in der Bevölkerung

Auch sonst sei die Suche nach Standorten für die Mobilfunk-Antennen mühselig. Bürger hätten oft Sorge vor Strahlung, obwohl eine Basisstation viel weniger Leistung abstrahle wie das Handy direkt am Ohr oder Wlan-Geräte. Und: "Wenn es keiner nutzt, dann funkt das Ding auch nicht." Anders als etwa Fernsehsender würden Mobilfunk-Stationen ihre Leistung ständig an den Bedarf anpassen.

"Früher wurde nur telefoniert, heute nutzen wir Mobilfunk ganz anders", ging Walch auf steigende Datenvolumen ein. Deshalb müsse auch das Funknetz immer enger geknüpft werden. Neben Technik und Topographie stehe dabei natürlich auch die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Allerdings verwies Walch darauf, dass die Telekom immer wieder auch eigentlich unwirtschaftliche Gebiete erschließt, um eine hohe Netzabdeckung zu erreichen.

Frühzeitige Beteiligung

Walch rief die Bürgermeister zu Vorschlägen auf und sagte zu, dass Ideen der Kommunen für Standorte vorrangig behandelt würden. Wichtig sei eine rechtzeitige Beteiligung, denn: "Jeder Mast wird individuell gefertigt", verwies der Experte darauf, dass Planungsänderungen später schwierig und teuer werden. "Wir versuchen, jede Funklücke zu schließen", versprach Walch, die Telekom investiere jedes Jahr Milliarden Euro in den Netz-Ausbau.

Hoffnung machte Walch sogar dem Wartmannsrother Bürgermeister Jürgen Karle: "Es gibt ein neues Förderprogramm für Regionen völlig ohne Empfang, aber das ist erst eine Woche raus." Karle hat schon mehrfach Absagen von Mobilfunk-Betreibern erhalten, obwohl es in der Nähe von Heiligkreuz einen neuen Mast für den Behörden-Funk gibt. "Der wurde sogar schon so ertüchtigt, dass Mobilfunk mit drauf könnte", gab er Walch mit auf den Weg. Der versprach, dran zu bleiben.



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