Herzogenaurach

Hörgenuss aus der Glanzzeit des Barock

Das Kammerorchester "Concertino Ducale" begeisterte in der evangelischen Kirche seine Zuhörer.
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Gerald Fink leitete die Streicher vom Cembalo aus. Foto: Manfred Welker
Gerald Fink leitete die Streicher vom Cembalo aus. Foto: Manfred Welker

Das Kammerorchester Herzogenaurach "Concertino Ducale" gab in der evangelischen Kirche von Herzogenaurach ein Konzert mit dem Titel "Streicherklang und Tastenzauber". Das Beste kam zum Schluss, das Concerto Nr. 3 in D-Dur für Cembalo und Streicher von Johann Sebastian Bach. Die Moderation hatte Gerald Fink, er leitete außerdem die Streicher vom Cembalo aus, wie es auch im Barock üblich war. Mit dem Basso Continuo hielt in dieser Zeit der Cembalist das Musikstück zusammen. Ungewohnt war auch, dass die Streicher bei jedem Stück anders gruppiert waren. "Ich bin stolz, dass jeder Solistenqualitäten hat", so Fink in der Würdigung der Mitglieder des Kammerorchesters.

Auf dem Programm standen Werke aus dem Barock, die nur rund 20 Jahre auseinanderlagen und auf dem Höhepunkt dieser Stilrichtung entstanden. In der Musik ist unter anderem die Hochzeit der Streicherkultur damit verbunden.

Sanfte Soli

Der Komponist Evaristo Felice Dall'Abaco hatte sein Concerto all'unisono in A-Dur seinem Landesherrn, dem bayerischen Kurfürsten Max Emanuel gewidmet. In seiner Komposition spielen die ersten und die zweiten Violinen in einigen Passagen eigenständig.

Arcangelo Corelli hat mit seinem Opus 6 die mustergültige Form des Concerto Grosso in Druck gegeben. Da er sehr selbstkritisch war, hat er nur wenige Musikschriften publiziert. Mit seinen sanften Soli ist Corelli ohnehin quasi der "Hausgott" für die Violinisten.

Obwohl Georg Friedrich Händel Italien besuchte, hatte er den eleganten französischen Stil verinnerlicht. Von den einzelnen Sätzen seines Concerto Grosso in F-Dur, op. 6, Nr. 9, verglich Moderator Fink das Largo mit einem wunderbaren Daunenbett, das sehr gut federt, das Allegro klingt für ihn wie eine muntere Kissenschlacht, das Larghetto ist wie ein langsam in den Schlaf sinken. Das Allegro gleicht dem Traum von einem Feentanz, das Menuett ist wie der geruhsame Schlaf und die Gigue am Schluss stellt das entspannte Erwachen dar.

An den Abschluss des Konzerts hatte Fink zwei Stücke von Johann Sebastian Bach gestellt. Sein Präludium und Fuge XV aus dem "Wohltemperierten Klavier" spielte Fink als Solist am Cembalo. Den Schluss- und Höhepunkt setzte das Concerto Nr. 3 in D-Dur für Cembalo und Streicher BWV 1054. Wohl merke man Bach und seinen Kompositionen die Herkunft aus dem Barock an, darüber hinaus habe es aber einen überzeitlichen "Touch" und spreche Menschen zu allen Zeiten an, so Fink in seiner Würdigung des Stücks.

Den anwesenden Zuhörern hat das Konzert auf jeden Fall gefallen, wie der Applaus bewies. Auf das nächste Konzert müssen sich die Liebhaber allerdings bis zum Dezember gedulden.

Nachfolge des Stadtorchesters

Ein Stadtorchester wurde bereits im Jahr 1950 durch Ferdinand Schaffer gegründet. Es war mit zehn Violinen, mit Viola, Violoncello, Kontrabass, Trompeten, Klarinette, Flöte, Posaune und Schlaginstrument besetzt. Zu den Mitgliedern zählten unter anderem Apotheker Hans Costa, Ruth Schech und Rudi Hetzler. Bis zum Tod von Schaffer wurde bei einem wöchentlichen Treffen im Übungsraum des Dachgeschosses der damaligen Berufsschule an der Erlanger Straße geprobt. Das Stadtorchester belebte mit regelmäßigen Konzerten im Vereinshaussaal und mit Beiträgen zur Gestaltung öffentlicher Feiern das Kulturgeschehen in Herzogenaurach. Der plötzliche Tod von Ferdinand Schaffer im Jahr 1959 zeitigte das Aus für das Stadtorchester. Als Kammerorchester Herzogenaurach wurde es von Gerald Fink 2012 wiederbelebt.

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