Herzogenaurach
KOMMENTAR von Michael Busch

Höhnisch, zynisch und daneben

Wir dürfen keine Anreize geben, diese Menschen zur Flucht zu animieren. Konrad Körner hatte bei seinen Ausführungen zur Problematik des Antrages zugegeben, dass das, was er sage, sehr zynisch klinge. ...
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Wir dürfen keine Anreize geben, diese Menschen zur Flucht zu animieren. Konrad Körner hatte bei seinen Ausführungen zur Problematik des Antrages zugegeben, dass das, was er sage, sehr zynisch klinge. Ja, diese Auffassung ist sicher richtig, zynisch ist fast zu harmlos diese Art der Argumentation zu bewerten. Sie ist daneben und eines demokratischen Mandatsträgers nicht würdig. Und selbst mit der Selbsterkenntnis gehören solche Auffassungen in keine Diskussion.

Dabei war die Auseinandersetzung in vielen Punkten hochspannend und interessant. Denn tatsächlich gibt es Forderungen in dem Antrag, die nur schwerlich getragen werden können, das steht außer Frage. Aber die immer wieder kehrende Phrase, dass "man keinen Anreiz zur Flucht geben dürfe", ist unsäglich.

Die wenigsten Menschen fliehen wegen Anreizen von außen. Sie fliehen, weil sie Angst um ihr Leben haben, weil sie Angst um ihre Familien haben, weil sie nicht mehr sicher sind. Ich glaube, dass nicht einmal der Ärmste seine Heimat verlässt, wenn er nicht seine Existenz bedroht sieht. Wie höhnisch muss es für diese Flüchtlinge sein, wenn sie erklärt bekommen, dass sie Anreizen, wie zum Beispiel einer möglichen organisierten Rettung im Mittelmeer erliegen, um die Heimat zu verlassen?

By the way: Was noch ein wenig erschreckender war, ist die Tatsache, dass der Stadtrat Herzogenaurach an dieser Stelle nicht interveniert hat. Bis auf Müller-Schimmel hat jeder die Ausführungen schweigend hingenommen und nicht widersprochen. Die Behandlung des Antrages hätte eine Sternstunde im Rat werden können - auch bei einer Ablehnung, die Diskussion war in vielen Zügen gut und notwendig. Aber diese unwidersprochene Ausführung lässt tief blicken und fordert zum Nachdenken auf.

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