Ebermannstadt

Hochstamm darf nicht aussterben

Der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber startet mit dem Forchheimer Landschaftspflegeverband und den Kommunen eine Initiative zum Erhalt der Streuobstwiesen im Landkreis.
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Foto: Archiv
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Josef Hofbauer Gemeinsam mit Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE), Landrat Hermann Ulm (CSU) und Claus Schwarzmann, Vorsitzender des Forchheimer Landschaftspflegeverbandes (LPV), pflanzte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW) vor dem Landratsamtsgebäude in Ebermannstadt drei Hochstamm-Apfelbäume. Die Aktion war der offizielle Auftakt des Projektes "Streuobstlandschaften im Landkreis Forchheim". Dafür händigte Glauber an Schwarzmann einen Förderbescheid über 230 000 Euro aus.

Der Vorsitzende des Landschaftspflegeverbandes unterstrich den Dreiklang zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Kommunalpolitik. Nur gemeinsam könne das Projekt erfolgreich sein. Als Ziel nannte er den langfristigen Erhalt der für den Landkreis so typischen Obstbaumbestände. Realisiert werden soll dies durch die Pflege von Streuobstwiesen und die Verwertung des Obstes.

Riesiger Genpool

"Ich bin in einer Streuobstwiese groß geworden" bekannte Umweltminister Thorsten Glauber. Er nannte Streuobstwiesen "eines der artenreichsten Biotope Mitteleuropas". Ihre Stockwerke von der Krone über den Stamm bis zur Wiese böten einen abwechslungsreichen Lebensraum für bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten. Viele davon seien in ihrem Bestand gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht.

Streuobstwiesen, so Glauber, gelten aber auch als Genpool für alte Obstsorten. Es gehe um den Erhalt von 1200 Apfel-, 1000 Birnen-, 400 Kirsch- und 320 Zwetschgen-Sorten. Gäste aus ganz Europa kämen in die Fränkische Schweiz, um diese einzigartige Vielfalt zu erleben.

Jeder der dazu beitrage, diese Vielfalt zu erhalten, werde unterstützt, versprach der Bayerische Umweltminister. So setze das Artenschutzprogramm ein Signal für die Bedeutung dieser Thematik. Der Minister, der den Landschaftspflegeverband im Landkreis Forchheim als beispielgebend für den ganzen Freistaat würdigte, zeigte sich vom Erfolg des Projektes überzeugt.

Obstbau in der Region verankert

Bürgermeisterin Christiane Meyer bekannte, dass die schönste Jahreszeit in der Fränkischen Schweiz dann gekommen sei, wenn die Obstbäume blühten. Rings um Ebermannstadt seien Streuobstwiesen fester Bestandteil der Kulturlandschaft.

Die Obstwiesen im Debert seien allerdings verschwunden. Ebenso die Obstdarre, die auf dem Areal des jetzigen Rathauses stand. Als die Obstdarren, die auch die Einwohner der umliegenden Ortschaften nutzten, abgerissen wurden, seien die Bürger auf die Barrikaden gegangen, zitierte Bürgermeisterin Christiane Meyer aus der Historie.

Wie sehr das Thema Obstanbau in Ebermannstadt verankert sei, zeige sich auch an der künstlerischen Darstellung des Marienbrunnens. Die Muttergottes trage nicht nur das Jesuskind auf dem Arm sondern auch eine goldene Kirsche. Lehrer und Pfarrer aus der Region hätten über Jahrhunderte hinweg in den Obstgärten robustere und weniger anfällige Obstsorten gezüchtet. Insbesondere das Kloster Weißenohe machte sich um die Versorgung der Bevölkerung mit gesundem Obst verdient.

Der Erhalt der Streuobstwiesen allein könne aber nur ein Anfang sein. "Es braucht auch die Bürger, die bereit sind, das heimische Obst zu konsumieren", betonte Meyer.

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