Kulmbach
café clatsch

Hochleistungskühe mögen keine Blühwiesen

Das Thema Natur- und Artenschutz aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, war in den letzten drei Monaten Ziel verschiedener Vorträge im Café Clatsch. Zwischen 50 und 80 Besucher zeugten von groß...
Artikel drucken Artikel einbetten

Das Thema Natur- und Artenschutz aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, war in den letzten drei Monaten Ziel verschiedener Vorträge im Café Clatsch. Zwischen 50 und 80 Besucher zeugten von großem Interesse an der Thematik.

Als Vertreter des Bayerischen Bauernverbands informierten Harald Köppel und Harald Peetz über die BBV-Aktion "Blühstreifen am Ackerrand". Sie wehrten sich dagegen, die Landwirtschaft als Hauptverursacher des Artensterbens an den Pranger zu stellen, und beschrieben die Zwänge, denen moderne Landwirte ausgesetzt seien. Dem Argument, dass es früher viel mehr blühende Wiesen gab, weil nicht so oft gemäht wurde, setzten sie entgegen, dass der Eiweißgehalt von Gras immer mehr sinke, je länger es am Halm stehe.

Eine blühende Wiese sei als Futter nicht mehr viel wert - zumindest nicht für die "Hochleistungskühe", die immer mehr Milch geben müssten, wie die Zuhörer in einem späteren Vortrag von Tom Konopka, oberfränkischer Regionalreferent des Bunds Naturschutz, erfuhren.

Gregor Aas, Direktor des ökologisch-botanischen Gartens Bayreuth, widmete sich dem Thema "Waldkontroversen: Waldökologie und Nutzung im Widerstreit der Interessen". Wald liefert Holz, ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, dient der Erholung, sichert das Trinkwasser und stabilisiert das Klima. Die Ansprüche an den Wald divergieren aber immer stärker, die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen darüber, welche Waldfunktionen vorrangig sind, werden schärfer.

Was gehört in den Wald?

Der Vortrag ging der Frage nach, ob in den Wäldern der Region mehr Laubbäume und weniger Nadelbäume wachsen sollten, ob wir mehr oder weniger Holz nutzen sollten, ob wir zu viele Rehe und zu wenig Luchse haben und mehr Schutzgebiete im Wald brauchen.

Zum Thema "Bayerns Schönheit bewahren - Flächenverbrauch reduzieren, auch in und um Kulmbach" sprach Tom Konopka. Der Flächenverbrauch in Bayern entwickle sich zu einem unserer großen ungelösten Umweltprobleme. Als besonders augenfällige Beispiele im Landkreis Kulmbach nannte er die Ortsumfahrung Melkendorf, die im Bau befindliche Umfahrung von Untersteinach ("das wird ein Los-Angeles-Kreisel") oder den bevorstehenden Bau der Umfahrung von Stadtsteinach.

Zahlreiche weitere Planungen für Bundes- und Staatsstraßen seien im Gange, "obwohl außer Verkehrsminister Andreas Scheuer alle wissen, dass der Straßenverkehr eher reduziert werden muss, schon aus Klimaschutzgründen".

Kritisch setzte sich der Kreisfachberater für Gartenbau, Friedhelm Haun, auseinander mit dem Thema Kiesgärten, die dem dramatischen Rückgang der Insekten zusätzlich Vorschub leisten. red

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren