Kaltenreuth

Hitze macht auch Material mürbe

Der Modellflugplatz gleicht am Sonntag mit Temperaturen von weit über 30 Grad einem Glutofen.
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Christian Beer aus Wunsiedel steuert seinen Doppeldecker "Challenger" mit eingebautem Rauchgasgenerator.  Fotos: Stephan Stöckel.
Christian Beer aus Wunsiedel steuert seinen Doppeldecker "Challenger" mit eingebautem Rauchgasgenerator. Fotos: Stephan Stöckel.
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Die Burgkunstadter Hochebene mit ihrem Modellflugplatz gleicht am Sonntagnachmittag mit Temperaturen von weit über 30 Grad einem Glutofen, in dem nicht nur die Menschen, sondern auch die Maschinen gehörig in Schwitzen geraten. Wie so viele Piloten schützt auch Georg Werner aus Knetzgau von der Modellsportgruppe Hassberge sein mit Benzin angetriebenes Propellerflugzeug "Pilatus PC 6" mit einem Handtuch vor der prallen Sonne.

"Der Rumpf meines Flugzeuges kann sich an einem heißen Tag wie diesem auf 60 bis 70 Grad aufheizen. Der Empfänger, der sich darin befindet, verträgt aber nur bis zu 50 Grad", sagt der Fachmann. 21 Piloten mit insgesamt 25 Modellen haben sich trotz der brütenden Hitze zum Schauflugtag der Segelfluggruppe "Kordigast" eingefunden.

Lieber ins Freibad

Auf den Zuschauerbänken bleibt so mancher Platz leer. Das hochsommerliche Wetter lockt an diesem Tag eher ins Freibad statt auf den Modellflugplatz. Die, die gekommen sind, erleben Modellflug auf hohem Niveau. Zur Begrüßung saust ein Propellerflieger mit dem Banner "Herzlich willkommen" durch die Lüfte, den Pilot Rudolf Mager aus Weismain steuert. Erik Fischer aus Rothwind lässt seinen Flieger derart durch die Lüfte wirbeln, dass den Zuschauern schon beim Blick Richtung Himmel schwindelig wird. Der 18-Jährige von der Segelfluggruppe "Kordigast" zeigt Kunstflug par excellence. Immer wieder wippt sein Helikopter "Goblin 700" von Sab in Schräglage auf und ab, was man in der Fachsprache "Tic Toc" nennt. Das Landemanöver hingegen missglückt: Fischer schaltet den Motor aus und will seinen Hubschrauber im Segelflugmodus landen lassen. Dieser sackt ein und landet recht unsanft auf dem Boden. "Ich hatte die Entfernung falsch eingeschätzt. Die Winde sind heute unberechenbar und bei der Hitze trägt die Luft nicht so sehr, weil es an Thermik mangelt", erklärte der aufstrebende Jungpilot das Malheur.

Der Hubschrauber von Dierk Schumann ist für solch akrobatische Flugmanöver, wie sie Erik Fischer vorführt, nicht ausgelegt. Der Altenkunstadter lässt seinen elf Kilogramm schweren Helikopter mit Elektromotor Drehungen vollführen, die auch im normalen Flugbetrieb vorkommen, oder leise über den Boden schweben. Bei seinem Modell handelt es sich um den Nachbau des amerikanischen Militärhubschraubers AH 1F Kobra, der im Vietnamkrieg zur Unterstützung der Bodentruppen zum Einsatz gekommen war. "Bis auf den Rumpf ist alles Marke Eigenbau: angefangen vom Landefahrwerk über die Bordkanone bis hin zur Mechanik. Das Cockpit mit seinen zwei Piloten habe ich mit Hilfe eines selbstgebauten Drei-D-Druckers konstruiert", erzählt der Pilot über sein Flugzeug.

Es "regnet" Bonbons

Ungeduldig warten die kleinen Besucher auf das Eintreffen der Bonbonbomber. Als diese dann ihre süße Fracht über das Gelände abwerfen, gibt es für sie kein Halten mehr. Vorsitzender Werner Hahn kommentiert fachkundig und souverän das Fluggeschehen. Dierk Schumann weist auf ein Problem hin, mit dem vor allem die Besitzer von benzingetriebenen Modellen an diesem heißen Tag zu kämpfen haben. "Je kühler die Luft, desto mehr Sauerstoff habe ich und desto größer ist auch der Wirkungsgrad der Verbrennung."

Doch an kühler Luft mangelt es an diesem Tag. Das bekommt auch Rudolf Mager aus Weismain zu spüren. Behände lässt er seinen 19 Kilo schweren und selbstgebauten Hochdecker "Bellanca" über die Hochebene fliegen. "Beim Steigflug geht es aufgrund der heißen Luft nicht so zügig nach oben wie sonst, schließlich hat er im Unterschied zu einem Auto keinen Kühler", erklärt der Pilot von der Segelfluggruppe "Kordigast".

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