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Forchheim
Unser Thema der Woche // Natur

Hinein in den Oesdorfer Wald

Menschen brauchen und schätzen den Wald als Erholungsraum. Ein Spaziergang mit dem Oesdorfer Revierförster Erich Daum.
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Ein Häuschen mitten im Wald, fast so wie bei "Hänsel und Gretel".  Foto: Michaela Hofmann
Ein Häuschen mitten im Wald, fast so wie bei "Hänsel und Gretel". Foto: Michaela Hofmann
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"Der Wald ist für alle da," erklärt Förster Erich Daum. Seit 1991 ist er Leiter des Reviers Oesdorf. Sein Arbeitgeber sind die Bayerischen Staatsforsten und seine Begeisterung für den Wald ist ansteckend. "Ich möchte vermitteln, wie schön es bei uns ist und dass wir Urlaub direkt vor unserer Haustüre machen können."

Das Forsthaus in Oesdorf, das Daum bewohnt, dient bereits seit 17 Generationen diesem Zweck. Seit mehr als 200 Jahren hegen und pflegen seine Vorgänger und er eine Fläche von rund 2000 Hektar. Etwa 90 Kilometer Forststraße durchziehen das Gelände, sieben Wanderparkplätze laden als Ausgangspunkte ein, den Alltag unter dem Blätterdach hinter sich zu lassen und mit allen Sinnen in die grüne Welt einzutauchen.

Wissenswertes über den Wald

Für das Revier, das Daum wie die sprichwörtliche Westentasche kennt, trägt er die volle Verantwortung: Er ist zuständig für die Holzernte, den Naturschutz, die Jagd und die Öffentlichkeitsarbeit. So bringt er Mensch und Baum zusammen, indem er für das Wesen das Waldes Verständnis weckt, aber auch das Bewusstsein für Probleme, wie Klimawandel und Umweltschäden schärft. Seit Jahren weiht er Kindergartengruppen und Schulklassen in die Geheimnisse der Flora und Fauna rund um Fichte, Buche und ihre Artgenossen ein.

"Es handelt sich um einen Wirtschaftswald," so Daum. Etwa 20 Baumsorten seien vorhanden, darunter Eiche und Kiefer, aAber auch türkische Hasel und Mammutbäume. Eine Douglasie mit 47 Metern ist der höchste Baum in meinem Revier," erklärt er. Neben Esskastanie und Robinie seien diese in der Hoffnung gepflanzt worden, dass sie der zunehmenden Trockenheit besser gewachsen seien als heimische Arten. "Doch ob unsere heutigen Maßnahmen richtig sind, werden erst unsere Nachkommen in 40, 50 Jahren feststellen," mutmaßt der Hüter des Waldes.

Dass Holz ein wertvolles Wirtschaftsgut verkörpert, belegen Zahlen: "Die Bayerischen Staatsforsten schlagen circa fünf Millionen Festmeter ein." Gefällt wird auch im Oesdorfer Gehölz, die Stämme werden gekennzeichnet: "Die Zahl 8 steht für die Reviernummer Oesdorf, die 90 für die kaufende Firma, die 14 weist eine Fichte mit vier Metern Länge aus, die 20 steht für das laufende Jahr, die 22 bezieht sich auf den Forstbetrieb Forchheim und die 12 verweist nochmals mal das Revier.

Seit Kurzem krabbeln nicht nur Eremiten und Nashornkäfer durch Moos und über Wurzeln in Daums Forst, sondern vereinzelt auch wieder Hirschkäfer. "Weil sie ihre Eier an abgestorbenen Eichen ablegen, habe ich mit einem speziellen Gerät künstliche Hochstümpfe an mehreren Stellen im Wald anfertigen lassen", erklärt Daum.

Sehenswertes im Wald

Auf den Wanderwegen durch das Oesdorfer Gelände begleiten der Ruf des Kuckuck und das Rauschen der Blätter alle, die sich nach Abwechslung, Bewegung, Einkehr, Natur und Ruhe sehnen. Nach den ersten tiefen Zügen frischer Luft und den ersten Metern auf weichem Boden, beginnt sich die beruhigende Wirkung der wogenden Wipfel und des lauen Windes auf das Gemüt zu übertragen. Die Augen ändern ihren Fokus, der Blick richtet sich auf die Besonderheiten der Natur.

"Dieser Baum hier wurde in seiner Vergangenheit geharzt," erklärt Daum. "Das Kambium wurde senkrecht und fischgrätartig eingeschnitten, das aus dem Baum fließende Harz eingesammelt und von der chemischen Industrie verwendet, um zum Beispiel Arzneimittel herzustellen." Der einstige Steinbruch am Rabensberg stellt eine geologische Besonderheit dar und erinnert an den Beginn der Jurazeit.

"Zu sehen ist hier Küstensand, der sich plattenmäßig abgelagert hat. Die Wege des Revieres wurden angelegt, indem die Platten herausgesprengt und dann wie Karteikarten geschachtelt wurden," informiert der Förster.

Einen malerischen Blick auf das Walberla und den Rodenstein in der Ferne sowie die Forchheimer Martinskirche im Tal bietet eine bequeme Liege aus Holz, die Daum als den "derzeit touristischen Höhepunkt" in seinem Forst bezeichnet. Direkt daneben lädt eine Bank unter der "Petersbuche" zum Verweilen ein. "So heißt dieser Baum seit über 200 Jahren, doch niemand weiß, warum." Eine weitere Sehenswürdigkeit bietet die "Spröde Marter". Dabei handelt es sich wohl um den ältesten Heiligenstock rund um Forchheim, der um 1470 entstand.

Zur Ruhe kommen, die Seele baumeln lassen - dazu eignet sich hervorragend der "Teufelsbrunnen". Und da frische Luft nicht nur die Lebensgeister, sondern auch den Hunger weckt, lädt der Aischgrund nach einer Tour zu Fuß oder mit dem Rad wie gerufen zur fränkisch-kulinarischen Stärkung ein: "Nach dem letzten Baum kommen gleich die Bierkeller," macht Daum einen Ausflug in den Oesdorfer Wald besonders schmackhaft.