Lichtenfels

"Himmlisch": Musik der Engel und Hirten

Das traditionelle Musikgeschenk der Stadt an die Bevölkerung brachte das Stadtschloss zweimal zum Bersten.
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Das Instrumental-Collegium unter der Leitung von Heinz Wilk, der Zeitlos-Chor unter der Leitung von Ulrike Bauer-Trolp und mehrere Solisten, hier der Bariton Bernd Legal, beeindruckten beim Weihnachtskonzert der Stadt die zahlreichen Besucher.  Fotos: Alfred Thieret
Das Instrumental-Collegium unter der Leitung von Heinz Wilk, der Zeitlos-Chor unter der Leitung von Ulrike Bauer-Trolp und mehrere Solisten, hier der Bariton Bernd Legal, beeindruckten beim Weihnachtskonzert der Stadt die zahlreichen Besucher. Fotos: Alfred Thieret
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Das festliche Weihnachtskonzert der Stadt, das traditionell in zweifacher Auflage am Samstag und Sonntag stattfindet, wurde auch in diesem Jahr im voll besetzten Stadtschloss vom Instrumental-Collegium Lichtenfels unter Leitung von Heinz Wilk und den Lichtenfelser Blechbläsern unter der Leitung von Alfred Förner sowie zusätzlich vom Zeitlos-Chor des Gesangvereins Schney unter der Leitung von Ulrike Bauer-Trolp und von mehreren Solisten bestritten.

Bernd Legal, der wie immer als Moderator fachkundig über die einzelnen Werke kurz informierte und auch als Gesangssolist in Erscheinung trat, kündigte vielversprechend Musik aus vier Jahrhunderten entsprechend dem Motto "Weihnachten - sechsmal anders" von barock über besinnlich, klassisch, romantisch und aus aller Welt bis fröhlich an.

Festliche Stimmung

Die Lichtenfelser Blechbläser sorgten gleich zum Auftakt in der Besetzung Alfred Förner (Leiter, Posaune), Ulrich Förner (Trompete), Bernd Fischer (Trompete), Isabella Pflaum (Horn) und Achim Stamm (Tuba) mit zwei weihnachtlichen Stücken für Blechbläserquintette für festliche Stimmung. Dem berühmten Rondeau aus der ersten Suite des französischen Barockmusikers Jean-Joseph Mouret, das den Glanz des Lebens am Hof von Versailles widerspigelte, folgte mit Aria und Bourree ein Tanzsatz des deutschen Zeitgenossen Johann Caspar Fischer.

Aus einem unter Opus 3 zusammengefassten Zyklus von zwölf Konzerten des italienischen Komponisten Antonio Vivaldi (1678-1741) interpretierte das Instrumental-Collegium unter der Leitung von Heinz Wilk mit dem fünfsätzigen Concerto grosso d-Moll Nr. 11 wohl das bekannteste, bei dem die beiden Soloviolinen und das Cello mit dem Streichorchester wetteifern. Weihnachtliche Gefühle vermittelte der langsame Satz mit dem wiegenden Rhythmus der Soloviolinen, der symbolisch die Musik der Hirten an der Wiege des Jesuskindes zum Ausdruck bringt.

Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist wohl die berühmteste Weihnachtsmusik, die um die Weihnachtszeit überall in Kirchen und Konzertsälen aufgeführt wird. Das sechsteilige Oratorium wurde ursprünglich in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem 1. Weihnachtsfeiertag und Epiphanias aufgeführt. Es thematisiert die Geburt Jesu Christi im Stall zu Bethlehem, die Anbetung durch die Hirten und der drei Weisen aus dem Morgenland.

Das Instrumental-Collegium und der Zeitlos-Chor des Gesangvereins Schney brachten mit "Weihnacht der Hirten" einen Auszug aus der 2. Kantate zu Gehör. In der Einleitung des Orchesters war wieder nach Art einer Pastorale der wiegende Rhythmus zu hören, wobei die Streicher eine himmlische Engelsmusik und die Bläser eine volkstümliche Hirtenmusik symbolisierten.

"Schlafe, mein Liebster"

In den Rezitativen erzählte Bernd Legal mit seiner Baritonstimme das biblische Geschehen, der Chor antwortete mit den Chorälen "Brich an, o schönes Morgenlicht" und "Schaut hin, dort liegt im finstern Stall". Dann sangen die beiden Mezzosopranistinnen Ulrike Bauer-Trolp und Claudia Koch sehr eindrucksvoll das Schlaflied für das Neugeborene "Schlafe, mein Liebster". Dem vom Chor gesungenen abschließendem Choral "Wir singen dir in deinem Heer" lag die Melodie des bekannten Luther-Liedes "Vom Himmel hoch" zugrunde.

Das Instrumental-Collegium erfreute die Zuhörer mit einem Ausschnitt aus dem Soundtrack des 1984 erschienenen amerikanischen Films "Amadeus" mit der Originalmusik von Mozart, wobei die Höhepunkte aus dem Klavierkonzert Es-Dur stammen. Der französische Komponist Adolphe Adam (1803-1856), der vor allem durch seine Oper "Der Postillon von Lonjumeau" einen großen Erfolg hatte, schuf das bekannte Weihnachtslied "Cantique de Noel", das auch in der englischen Version "O holy night" sehr bekannt wurde. Auch in der Orchesterfassung brachte das Instrumental-Collegium die Erhabenheit des Geschehens der Heiligen Nacht sehr schön zum Ausdruck.

Die drei Weihnachtslieder "Die Hirten", Die Könige" und "Christkind", die Bernd Legal unter Begleitung des Instrumental-Collegiums aus dem berühmten Weihnachtsliederzyklus des romantischen Komponisten Peter Cornelius (1824-1874) zu Gehör brachte, verdeutlichten die idyllische Vorstellung vom bürgerlichen Weihnachten des 19. Jahrhunderts.

Den zweiten Teil des Weihnachtskonzerts eröffneten die Lichtenfelser Blechbläser gleich mit fünf stimmungsvollen Weihnachtsliedern aus dem englischen und französischen Sprachraum. Das bereits 1878 vertonte Lied "Après un rêve" des französischen Spätromantikers Gabriel Fauré, das das Erwachen nach einem tiefen Schlaf und angenehmen Träumen schildert, entfaltete auch in der Instrumentalversion für Violine (Frithjof Greiner) und Streicher seinen melancholischen Charme.

Nicht fehlen durfte das wohl bekannteste Weihnachtslied aus dem englischen Sprachraum, das von Irving Berlin komponierte "White Christmas" in der Orchesterfassung mit der markanten Baritonstimme von Bernd Legal und dem Chor im Hintergrund. Die fröhliche Atmosphäre steigerten noch die beiden anderen amerikanischen Weihnachtslieder "Let it snow" und "A jolly, merry Christmas" mit dem Instrumental-Collegium, ehe die Weihnachtsstimmung mit dem gemeinsam gesungenen "O du fröhliche" ihren Höhepunkt fand.

Spenden für Lichtenfelser Tafel

Alle Interpreten der beiden Weihnachtskonzerte, das Instrumental-Collegium mit seinem Leiter Heinz Wilk, die Lichtenfelser Blechbläser unter der Leitung von Alfred Förner, der Zeitlos-Chor unter der Leitung von Ulrike Bauer-Trolp, die Gesangssolisten Bernd Legal, Ulrike Bauer-Trolp und Claudia Koch sowie die Instrumentalsolisten bescherten mit Unterstützung der Stadt den an beiden Tagen zahlreich erschienenen Besuchern, die voller Begeisterung waren, einen musikalischen Hochgenuss und stimmten sie damit auf das Weihnachtsfest ein. Bürgermeister Andreas Hügerich betonte, dass die Stadt mit den Weihnachtskonzerten den Bürgern eine Freude machen wolle. Sein besonderer Dank galt deshalb auch den beteiligten Musikern.

Zum Schluss waren die Konzertbesucher zu einer Spende zugunsten der Lichtenfelser Tafel aufgerufen.

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