Heiligenstadt
heiligensstadt.inFranken.de  Ein Team des Missionsvereins "Lasst uns gehen" Heiligenstadt brachte Hilfsgüter nach Moldawien und Rumänien.

Hilfe mit etwas Geld und Gebeten

Der Missionsverein "Lasst uns gehen" Heiligenstadt hat mit dem ehemaligen Bücherbus des Landkreises Bamberg fünf Tonnen Hilfsgüter ins ärmste Land Europas, nach Moldawien, gebracht. Noch kurz vor der ...
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Die Mutter von vier Kindern mit ihrem kranken Sohn vor dem vom Missionsverein im letzten Jahr gekauften Haus Foto: Friedrich Dorsch
Die Mutter von vier Kindern mit ihrem kranken Sohn vor dem vom Missionsverein im letzten Jahr gekauften Haus Foto: Friedrich Dorsch
Der Missionsverein "Lasst uns gehen" Heiligenstadt hat mit dem ehemaligen Bücherbus des Landkreises Bamberg fünf Tonnen Hilfsgüter ins ärmste Land Europas, nach Moldawien, gebracht.
Noch kurz vor der Abfahrt musste das Team an dem mittlerweile 26 Jahre alten Transporter unvorhergesehene Reparaturen vornehmen. Durch die verspätete Abfahrt versuchten die drei Fahrer (H. Herlitz, A. Ruß, F. Dorsch) durch längere Fahrtzeiten den Zeitplan wieder etwas aufzuholen.
Am übernächsten Tag wurde dann die moldawische Grenze erreicht. Erste vorgesehene Station war eine Schule in Riscani, für die eine größere Menge Schulmöbel von der Realschule Herzogenaurach dabei war. Die Rektorin und die Lehrerinnen bedankten sich für die sehr schönen Tische und Stühle. Das ist auch verständlich, wenn man ihre alten Möbel sieht.
Am nächsten Morgen besichtigte die Gruppe mit dem dort seit 20 Jahren lebenden dänischen Missionar Johannes den Kirchen- und Gemeindehausumbau. In demselben Gebäude ist der Ausbau eines Mädcheninternats geplant, das einmal zwölf bis 15 arme Mädchen beherbergen soll. Für den Innenausbau und die Ausstattung der Räume fehlt Geld.
Anschließend wurde ein Teil der Hilfsgüter, die teilweise von der Kirchengemeinde Königsfeld stammten, ausgeladen. Danach fuhr das Team in eine kleine Gemeinde, um dort bei einer Kirche die stabilen und sehr gut erhaltenen Holzbänke, die von der Baptistengemeinde Hof gespendet wurden, auszuladen.


Elfjähriger Sohn schwer erkrankt

In dem Ort wurde eine junge Frau mit vier Kindern und ihrer schwerkranken Mutter, die sich im letzten Jahr durch eine Spende des Missionsvereins ein Haus mit einen Garten kaufen konnte, besucht. Ihr ehemaliges Haus war baufällig und unbewohnbar. Die Frau hatte durch einen außergewöhnlichen Schicksalsschlag Vater und Ehemann kurz hintereinander verloren. Dann erzählte sie noch, dass seit dem Frühjahr ihr elfjähriger Sohn schwer krank ist: Er wurde zwar untersucht, aber die verordneten Medikamente und die Behandlung in der Klinik können sie sich nicht leisten. Als sie erzählte, dass ihr monatliches Einkommen 110 Euro beträgt (Rente der Mutter, Kindergeld für vier Kinder und etwas Sozialhilfe), waren die Helfer aus Deutschland schockiert. Etwas Geld, ein Lebensmittelpaket und Gebete waren das einzige, was sie der so sehr geschlagenen Familie geben konnten.
Danach besuchte das Team noch die Feuerwehr in Riscani, um zu sehen, ob die von der Heiligenstadter Feuerwehr vor einigen Jahren gegebene Rettungsschere noch funktioniert. Das Gerät bestand schon mehrere Einsätze.

Weiter ging es in ein Altenheim, um dort eine größere Menge von Hilfsmitteln zu übergeben. Vier bis fünf Personen liegen hier dicht nebeneinander in einem muffigen Zimmer in alten Betten, ohne einen Platz für das Persönliche zu haben, vom Zustand des Gebäudes und der sanitären Räume ganz zu schweigen.
Am Abend belud die Gruppe noch den Transporter von Missionar Johannes mit Hilfsgütern, um diese zu einem armen evangelischen Pfarrerehepaar in die 180 Kilometer entfernte Hauptstadt zu bringen. Es besitzt im Untergeschoss eines alten Hauses einen kleinen Gottesdienstraum, weil ihre Kirche dem Präsidentenpalast Platz machen musste. Beide betreuen noch zwei kleine Gemeinden im Umkreis von 80 Kilometern, weil er der einzige evangelische Pfarrer von Moldawien ist.
Unterstützung von kirchlicher Seite bekommen sie keine, und von den wenigen armen, alten Gemeindemitgliedern könnten sie nicht leben. Deshalb sind sie von der Hilfe und Spenden aus dem Ausland abhängig. "Ein Rentner bekommt in Moldawien circa 50 Euro, die Lebensmittelpreise haben aber fast unser Niveau", berichtet Friedrich Dorsch vom Missionsverein aus Heiligenstadt, "Strom und Gas ist für viele Alte dann nicht mehr bezahlbar und viele müssen deshalb im Winter frieren."
Nach der Rückkehr aus Chisinau wurden noch die restlichen Hilfsgüter ausgeladen, unter anderem Krankenhausartikel, die dort immer dringend gebraucht werden. Ein Arzt verdient hier circa 200 Euro, deshalb versuchten, wie man erzählte, fast eine Million Leute im Ausland ein besseres Einkommen zu erzielen. Das aber gehe in vielen Fällen schief, worunter vor allem die Kinder und Familien leiden würden.

Am nächsten Morgen trat der Hilfstransport die Fahrt Richtung Rumänien an. Nahe Oradea traf man sich mit Benjamin, dem leitenden Arzt der dortigen Hospizarbeit. Dabei unterhielt man sich darüber, wie es mit dem vor über drei Jahren begonnenen Projekt Hospizgebäude weitergehen soll. Seit dem Konkurs der Baufirma ruht die Baustelle aus Geldmangel. Der Arzt betonte, wie wichtig dieses Gebäude wäre, denn sie müssten sich um die vom Krankenhaus entlassenen Patienten bis zu ihrem Tod zu Hause kümmern, was aus medizinischer und persönlicher Sicht in vielen Fällen nicht einfach sei.
Nach neun Tagen traten die Helfer mit der Genugtuung, einigen Leuten eine Hilfe gebracht zu haben, die Rückreise an. Nach über 4200 Kilometern kam das Team unfallfrei zu Hause an. red


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