Ebermannstadt

Hier klappt es mit der Ökumene

Caritas und Diakonie gehen im Landkreis Forchheim gemeinsame Wege, um Ehrenamtliche in der Integrationsarbeit bestmöglich zu unterstützen.
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Diana Könitzer (l.) und Natalie Uschold, beide evangelisch, leben mit dem Katholiken Daniel Sauer die Ökumene und arbeiten auch gern mit ihm zusammen. Umgekehrt gilt das Gleiche. Foto: Carmen Schwind
Diana Könitzer (l.) und Natalie Uschold, beide evangelisch, leben mit dem Katholiken Daniel Sauer die Ökumene und arbeiten auch gern mit ihm zusammen. Umgekehrt gilt das Gleiche. Foto: Carmen Schwind

"Was willst denn du Katholischer, du", zieht Diana Könitzer den neuen hauptamtlichen Integrationslotsen der Caritas Forchheim, Daniel Sauer, auf. Der antwortet: "Ja, die Evangelischen wieder." Dann lachen beide und meinen unisono: "Wir sind voll für die Ökumene, pflegen aber noch die Tradition des Frotzelns."

Diana Könitzer ist evangelisch und arbeitet für die Flüchtlings- und Integrationsberatung beim Diakonischen Werk Bamberg-Forchheim. Der Katholik Daniel Sauer war von 2016 bis 2018 Ehrenamtskoordinator bei der Caritas. Beide haben mit Ehrenamtlichen zu tun, die sich für Menschen mit Migrationshintergrund einsetzen. Deshalb wollen sie sich jetzt auch gemeinsam unterstützen - gelebte Ökumene an der Basis.

"Ich weiß ja, die Migrationsarbeit ist ein Fass ohne Boden. Da wäre es doch blöd, wenn wir nicht zusammenarbeiten", sagt Sauer und erklärt, dass er Diana Könitzer auch ein wenig entlasten will. "Wir haben gedacht, wir könnten die Arbeit ausbauen im ökumenischen Bereich und damit ein Zeichen nach außen setzen", betont der Integrationslotse. Sie wollen nicht getrennt auf Klientenfang gehen, sondern an einem Strang ziehen. "Denn schließlich sollte das gemeinsame Ziel sein, den Menschen zu helfen", sagt Sauer - und Könitzer ergänzt: "Leider gibt es in vielen Köpfen noch immer eine Trennung."

Sauers Fokus liegt auf den Ehrenamtlichen, die sich um geflüchtete Menschen im Landkreis Forchheim kümmern. Er besucht Ehrenamtsinitiativen, informiert und schult und leitet an. Hier soll angesetzt werden, mit einer Fortbildungsreihe "Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit" mit Themen wie interkulturelle Kommunikation oder Interaktion. "Viele Ehrenamtliche wollen mehr über die Kultur der Flüchtlinge erfahren", erklärt Könitzer. Hier werden unter anderem sogenannte "Türöffner" vermittelt, um Zugang zu den Menschen anderer Kulturen zu finden. "Zum Beispiel ist es wichtig, dass man in einer türkischen Familie erst den Mann, dann die Frau begrüßt. Und man sollte den Tee trinken, der einem üblicherweise angeboten wird", erläutert Könitzer.

Der Kurs "Recht im Ehrenamt" sei wiederum wichtig für Kümmerer. "Sie werden über Rechtsgrundlagen informiert, erfahren, welche Behörde wofür zuständig ist, welche Anträge ausgefüllt werden müssen und wie lange so etwas dauern kann." Könitzer berichtet, dass viele Flüchtlinge und ihre Betreuer auf die Anerkennung warten. Doch auch danach gebe es viel Papierkram, was den meisten gar nicht bewusst sei. "Man muss sich um eine Wohnung kümmern, Kindergeld beantragen, Lebensläufe erstellen und vieles mehr." Trotzdem fühlten sich die Ehrenamtlichen nach einem solchen Seminar sicherer und kompetenter. "Wenn ich etwas weiß, kann ich anders auf die Leute zugehen", bestätigt Sauer.

Natalie Uschold, Ehrenamtsbeauftragte der Diakonie, hat das Programm, das im Mai beginnt, zusammengestellt. Sie, Könitzer, Sauer und Diakonin Stephanie Prockl sind die Referenten der Fortbildungsreihe. Hier soll es Seminare zu Konfliktlösungsstrategien geben oder einen Vergleich von Christentum und Islam. Alle freuen sich auf die Zusammenarbeit, denn sie wollen zum Wohle der Ehrenamtlichen über den evangelisch-katholischen Tellerrand hinauschauen. Und sich dabei weiter gegenseitig liebevoll ärgern, denn Tradition muss sein.

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