Bad Staffelstein

Hier geht's um Leben und Tod

Feuerwehrleute leisten einen verantwortungsvollen Dienst. Fakt ist jedoch, dass in Bayern bis auf sieben Großstädte mit Berufswehren ausschließlich Ehrenamtliche im Einsatz sind. Wie aber sieht es mit der Wertschätzung aus?
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Ausbildung im Staffelsteiner Feuerwehrhaus am Abend nach zwei echten Einsätzen: Bei der Übung geht es darum, die über Funk gestellten Aufgaben der fiktiven Leitstelle auszuführen und den Vollzug in korrekter Sprachregelung zurückzumelden. Fotos: Matthias Einwag
Ausbildung im Staffelsteiner Feuerwehrhaus am Abend nach zwei echten Einsätzen: Bei der Übung geht es darum, die über Funk gestellten Aufgaben der fiktiven Leitstelle auszuführen und den Vollzug in korrekter Sprachregelung zurückzumelden. Fotos: Matthias Einwag
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Matthias Einwag Es ist ein ganz normaler Montag für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Staffelsteiner Feuerwehr. Eigentlich wollten sie alle ihrer hauptberuflichen Arbeit nachgehen. Eigentlich. Doch es kommt anders.

Am Vormittag werden die Staffelsteiner zu einem Waldbrand zwischen Herreth und Draisdorf gerufen. Sie sind kaum zurück im Feuerwehrhaus, als am Mittag ein weiterer Alarm ausgelöst wird: Eine "Personenrettung am Staffelberg", wie es offiziell heißt. Tatsächlich aber hat sich jemand vom Berg herabgestürzt. Es geht um eine Leichenbergung.

Dritter dienstlicher Termin an diesem Tag ist eine Ausbildungsveranstaltung im Feuerwehrhaus am Abend, bei der es ums Auffrischen und Vervollkommnen der Funktechniken geht. Unterm Strich sind etliche der 65 Aktiven an diesem Tag somit von 10.30 bis 21 Uhr ehrenamtlich im Dienst.

Wie in einer großen Familie

Die Feuerwehrleute machen diesen Dienst gern. Sie sind Idealisten im wahrsten Sinn des Wortes. Die Verbundenheit untereinander ist ihnen sehr wichtig, denn sie fühlen sich wie eine große Familie. Frei nach dem Motto der drei Musketiere: Einer für alle, alle für einen. An diesem Tag mit zwei scharfen Einsätzen sind sie jedoch schon ein bisschen geschafft. Und sie freuen sich, dass an dem nasskalten Märzabend eine relativ einfache Übung im Gerätehaus angesetzt ist und keine im Freien.

Was sie umtreibt ist die Frage nach der Wertschätzung. Was sagt die Politik zum Ehrenamt? Und was würde der Freistaat Bayern, die Stadt Bad Staffelstein, machen ohne die zahlreichen Ehrenamtlichen? Immerhin gehört zum Feuerwehrdienst viel Verantwortungsbewusstsein. Es geht um Leben und Tod. Die Einsatzkräfte können ihren Dienst nicht nach Lust und Laune einrichten - sie müssen sich aber mit der Dienstplanung ihres jeweiligen Arbeitgebers arrangieren.

Nach den beiden Einsätzen an diesem Montag sind abends rund 30 Aktive der Staffelsteiner Wehr zur rund zweistündigen Funkausbildung gekommen. Nicole Trapper sowie Holger und Carsten Reinlein haben den Part der Leitstelle übernommen. Nach dem theoretischen Auffrischen der Regeln im Funkverkehr wird praktisch geübt. Die Leitstelle gibt Einsatzbefehle heraus, die kompetent abgearbeitet werden müssen. Im Ernstfall rettet das Leben. Deshalb gilt es, Fehlerquellen auszuschalten und nach einem langen Tag noch professionell zu agieren.

Doch wie verstehen die Staffelsteiner Feuerwehrleute ihren verantwortungsvollen Job? Michael Liebl sagt: "Ohne uns Ehrenamtliche würde überhaupt nichts laufen. Vieles würde zusammenbrechen. Hätten wir Berufsfeuerwehren, käme das sehr teuer." Die Feuerwehrleute, fügt er hinzu, machen diesen Dienst für die Bürger ihrer Stadt oder der Dörfer.

Christoph Ebertz ist in drei Feuerwehren aktiv - in Bad Staffelstein, Lichtenfels/Main und Grundfeld. "Man freut sich, Leuten in Not zu helfen", erklärt er seine Motivation. "Wenn's solche Leute wie uns nicht mehr gibt, hat die Gesellschaft ein großes Problem", ergänzt er.

Diese Arbeit ist positiver Stress

Heidrun Stengel aus Wolfsdorf, die den Maschinistenlehrgang absolviert hat, fühlt sich als Frau im Team der Feuerwehr längst nicht mehr als Exotin. Den Zusammenhalt der Feuerwehrleute findet sie gut. Es ist also kein Wunder, dass sie ihre beiden Kinder, die jetzt 22 und 26 Jahre alt sind, schon frühzeitig überzeugen konnte, bei der Feuerwehr mitzumachen. Dieser Dienst, sagt sie, sei positiver Stress.

30 Aufgaben hat jedes der Teams an diesem Abend zu bewältigen. In einer freien Minute telefoniert Sebastian Jörig mit seiner Freundin Inez. Sie ist Spanierin und kennt das System der deutschen Freiwilligen Feuerwehren so nicht. In Spanien gebe es in kleineren Städten zwar Leute mit normalen Jobs, die freiwillig Feuerwehrdienst leisten, doch in den größeren Orten sei einen Mix aus Freiwilligen und einer richtigen Berufsfeuerwehr die Regel. Anfangs sei Inez total begeistert gewesen von seinem Engagement bei der Feuerwehr, fährt Sebastian fort, doch inzwischen sehe sie, dass sie dafür zurückstecken muss. Der Schönbrunner, der unter der Woche in München arbeitet und auch dort ehrenamtlich Feuerwehrdienst leistet: "Das Ehrenamt gibt mir wahnsinnig viel zurück - da lerne ich Münchner Locals kennen, die ich sonst nie kennenlernen würde."

"Es werden mehr, die sich nicht mehr dem Ehrenamt verschreiben", sagt Nicole Trapper, die zusammen mit Stefan Liebl die Staffelsteiner Feuerwehr führt. "Solange es Ehrenamtliche gibt, ist's gut", fügt Stefan Liebl hinzu, wenn's keine mehr gibt, muss wohl eine Berufsfeuerwehr her." Christian Ziegler sagt: "Unsere Gesellschaft würde zusammenbrechen, weil das ihr Rückgrat ist."

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