Herzogenaurach

Herzogenauracher ehren den Stadtpatron St. Sebastian

Im Jahr 1936, also vor 80 Jahren, wurde in Herzogenaurach eine St.-Sebastiani-Bruderschaft durch Pfarrer Franz Rathgeber ins Leben gerufen. Anlässlich der 1000-Jahr-Feier Herzogena...
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Diese Sebastiansfigur findet sich in St. Magdalena. Foto: Welker
Diese Sebastiansfigur findet sich in St. Magdalena. Foto: Welker
Im Jahr 1936, also vor 80 Jahren, wurde in Herzogenaurach eine St.-Sebastiani-Bruderschaft durch Pfarrer Franz Rathgeber ins Leben gerufen. Anlässlich der 1000-Jahr-Feier Herzogenaurachs wurde das Fest des Stadtpatrons Sebastian im Jahr 2002 wieder eingeführt.
Pfarrer Rathgeber ließ die Verehrung des Pestpatrons wieder aufleben, die von 1496 bis zu den Umbrüchen in der napoleonischen Zeit existiert hatte. Rathgeber hatte allerdings nicht mehr die Abwehr der Pest als Ziel, er wollte vielmehr die Reihen des Kirchenvolkes gegen das nationalsozialistische Regime und seine Vertreter in Herzogenaurach schließen. Denn am 26. Mai 1936 hatte das Bezirksamt Höchstadt (später in Landratsamt umbenannt) erklärt, dass Versammlungen und religiöse Veranstaltungen außerhalb der Kirche nicht mehr genehmigt werden könnten.
Auch der Druck auf die Kinder und Jugendlichen vonseiten der Machthaber nahm immer mehr zu. Ein Erlass des Gauleiters und der Schulbehörde nötigte die Schulkinder dazu, in das Jungvolk und in den Bund Deutscher Mädel (BDM) einzutreten. Es wurden sogar schriftliche Erklärungen von den Eltern verlangt, warum sie ihre Kinder nicht in die nationalsozialistische Jugendorganisation schicken würden. Unter Tränen kamen Kinder zu Pfarrer Rathgeber und klagten, dass sie dem Druck nicht mehr widerstehen könnten. So wurde beispielsweise der ganze Schuljahrgang 1926 zwangsweise ins Jungvolk überführt.
Da die Aktivitäten der katholischen Vereine bedingt durch die Zwangsmaßnahmen zurückgingen, war es für Stadtpfarrer Rathgeber wichtig, die religiös und apostolisch gesinnten Laien in einer rein religiösen Bruderschaft zusammenzufassen, in der die Teilnahme auch solchen Pfarrkindern möglich war, die in NS-Formationen standen. Mit Genehmigung des Erzbischöflichen Ordinariates erneuerte Rathgeber daher die alte Sebastiani-Bruderschaft, jedoch mit einer der Neuzeit entsprechenden Satzung.
"Es werden damit auch Gemeindemitglieder erfasst, die zu katholischen Standesvereinen nicht gehen dürfen. Die Zugehörigkeit zu einer religiösen Bruderschaft mit althistorischem Namen ist unverdächtig", schrieb er in der Pfarrchronik. Rathgeber hoffte auch, dass das tägliche Bruderschaftsgebet um die Gnade des Apostolates seine Wirkung nicht verfehlen würde. Die monatliche heilige Stunde, die für Naturstände getrennt gehalten wurde, gab Gelegenheit, den apostolischen Geist lebendig zu erhalten, und die Standespflichten, Standestugenden sowie Standesvorbilder aufzuzeigen. Die bisherigen heiligen Stunden hatten auf die Standesangehörigen gute Anziehungskraft gezeigt.
Beim Sebastianifest des Jahres 1936 waren zehn Beichtväter im Einsatz, der Tag "wies stärkste Beteiligung auf". Festprediger war Hochschulprofessor Ludwig Faulhaber aus Bamberg. Rathgeber wurde in Neuensorg geboren und am 26. Juli 1914 zum Priester geweiht. Den Ersten Weltkrieg über tat er Dienst als Feldgeistlicher, anschließend war er Kaplan in Bamberg (Maria Hilf) und in Ansbach. Am 1. November 1924 berief ihn der Bamberger Erzischof Jacobus von Hauck zu seinem Sekretär und verlieh ihm eine Dompräbende. Die Amtseinführung in Herzogenaurach war am 8. Dezember 1930. Rathgeber gestaltete in seinen zwölf Jahren als Stadtpfarrer das Leben der Pfarrgemeinde. Er hatte auch maßgeblichen Anteil daran, dass die nationalsozialistischen Vertreter in Herzogenaurach im Kirchenkampf keine leichten Erfolge erzielen konnten.





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