Kulmbach

Hendrik Czakainski und die Faszination zerstörter Architektur

MDF-Platten, Holz- karton, Mörtel und viel Farbe - aus diesen Basismaterialien entstehen die großformatigen, reliefartigen Werke von Hendrik Czakainski. Für die Schalterhalle der Kulmbacher Sparkasse ...
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Bilder von Hendrik Czakainski bestehen aus Zahlen und sollen etwa der Anzahl von Menschen entsprechen, die in der abgebildeten Stadt leben könnten. Foto: Uschi Prawitz
Die Bilder von Hendrik Czakainski bestehen aus Zahlen und sollen etwa der Anzahl von Menschen entsprechen, die in der abgebildeten Stadt leben könnten. Foto: Uschi Prawitz
MDF-Platten, Holz- karton, Mörtel und viel Farbe - aus diesen Basismaterialien entstehen die großformatigen,
reliefartigen Werke von Hendrik Czakainski. Für die Schalterhalle der Kulmbacher Sparkasse hat er eine begehbare Installation zusammengestellt, die den Betrachter in eine zunächst erdrückend scheinende Welt transportiert. Wie Slums muten die in Satellitenperspektive dargestellten Fantasiestädte auf den ersten Blick an. Doch beim näheren Hinsehen zeigt sich ein Wechselspiel aus Auflösung und Zerfall, das den Kunstinteressierten in seinen Bann zu ziehen sucht.


Ganz eigene Ästhetik

"Ich habe schon immer Architektur gemalt, und auf meinen vielen Reisen habe ich eine gewisse Faszination festgestellt, die zerstörte Architektur auf mich ausübt", sagte der Künstler Hendrik Czakainski bei der Vernissage am Freitagabend. Was etwa zwischen Umweltkatastrophen und von Menschenhand Gemachtem passiere, sei ein Spannungsfeld, dem man sich nur schwer entziehen könne. "Zerstörte Architektur hat eine ganz eigene Ästhetik", sagte Czakainski, der sich auch von Luftaufnahmen wie vom zerstörten Aleppo bei seinen Werken inspirieren lässt.
"Der Berliner Künstler beschäftigt sich mit der zunehmenden Urbanisierung der menschlichen Zivilisation im anbrechenden 21. Jahrhundert", sagte Laudator Günther Neuberger. Dabei entwerfe er Bilder der baulichen Zusammenrottung, des Zerfalls und des Aufbruchs gleichermaßen und stelle dabei auch die Frage nach der prekären Existenz außerhalb der glitzernden Ballungsräume.


Starke grafische Strukturen

Durch die starken, grafischen Strukturen und die zum Teil monochromen Kompositionen, so Neuberger, werde für den Betrachter der Versuch Czakainskis spürbar, eine erste Beschreibung eines neuen Zustands der Welt abzuliefern. "Schlagworte wie Überbevölkerung, Anonymität, Apokalypse drängen sich spontan auf."
Auf Oberbürgermeister Henry Schramm wirkten Czakainskis Werke gleichermaßen faszinierend. "Nichts kann existieren ohne Ordnung, nichts kann entstehen ohne Chaos", sagte er und dankte dem Künstler, dass er mit der Ausstellung nach Kulmbach zurückgekehrt ist. Denn bis zu seinem Schulabschluss 1996 lebte Czakainski in Oberfranken, verfolgte eine kurze Karriere als Skater und Sprayer, sammelte praktische Erfahrungen als Siebdrucker und schloss eine Tischlerlehre an. Ab 2000 absolvierte er eine Ausbildung an der ETAGE, Schule für darstellende und bildende Künste in Berlin, wo er seitdem lebt und arbeitet. Seit 2013 hat Czakainski einen Lehrauftrag an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin.


"Kunst schnuppern"

"Es ist schön, wenn ein Künstler von seiner Kunst leben kann", meinte Schramm und betonte: "Wir haben eine tolle Kunstszene in Kulmbach, das macht einen Teil unserer Lebensqualität aus." Täglich kämen viele Menschen in die Schalterhalle und hätten die Möglichkeit, "Kunst zu schnuppern".
Musikalisch wurde die Vernissage durch die T-Jazz Combo unter der Leitung von Eddy Stübinger bereichert. Die Ausstellung, die der Kulmbacher Kunstverein organisiert hat, ist bis zum 3. August in der Schalterhalle der Sparkasse Kulmbach-Kronach während der Öffnungszeiten zu sehen.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren