Kloster Banz

Hemdsärmelig im Kaisersaal

Abseits vom kammermusikalischen Mainstream gab es folkloristische Klänge zu hören.
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Ein ungewohntes Bild: Hemdsärmelig präsentierte das Quinten-Quartett afrikanische Folklore (von links): Michael Hamann, Quinten de Roos, Njamy Sitison, Paulina Riquelme und Achim Melzer. Foto: Andreas Welz
Ein ungewohntes Bild: Hemdsärmelig präsentierte das Quinten-Quartett afrikanische Folklore (von links): Michael Hamann, Quinten de Roos, Njamy Sitison, Paulina Riquelme und Achim Melzer. Foto: Andreas Welz
"Folklore" ist der Titel der Kammermusik-Saison in Kloster Banz. In diesem Sinne begeisterte der Afrikaner Njamy Sitison (Gesang und Instrumentalist) gemeinsam mit dem Quinten-Quartett der Bamberger Symphoniker das Publikum.
Sitison stammt aus Kamerun und brachte für dieses Konzert eigene Kompositionen und eine große Bandbreite an afrikanischen Instrumenten mit. Abseits vom kammermusikalischen Mainstream erfüllten meditative Klänge, lebensfreudige Rhythmen und Melodien den Kaisersaal. Ausgestattet mit einem großen, von traditionell bis exotisch reichendem Instrumentarium, schuf Njamy Sitison Brücken zu den berührenden Gesängen seiner Heimat. Die oft abschnittsweise gestalteten Nummern beeindruckten durch ihren mitreißenden, dabei weichen Fluss, ihre tropische Farbigkeit und die Begegnung zweier Welten.


In wohlige Stimmung versetzt

Die warme Stimme des bekannten Musikers und Komponisten und ein einfühlsamer Sound versetzten die Zuhörer sofort in eine wohlige Stimmung. Schon nach wenigen Takten hatte er die Kammermusikfreunde auf seiner Seite. Hell und klar, mit sanfter Stimme, gestaltet er seine prägnanten Songs. Mit diversen Trommeln und Rasseln forderte er zum rhythmischen Mitklatschen und Mitsingen auf.
Mit der Ngoni, der afrikanischen Harfe, oder der Kalimba, einem beidhändig mit Daumen und Zeigefingern gespielten Holzbrettchen, gelang Njamy Sitison mühelos ein geradezu spiritueller Klang. Ruhig und zart verklangen die Töne, die im Raum zu schweben schienen. Mit dem Udu (übersetzt Krug), ein Schlagidiophon aus gebranntem Ton, das in Nigeria und Kamerun gespielt wird, lernten die Zuhörer ein neues Instrument kennen. Der Udu ist ein Schlagtopf in Form einer bauchigen Vase mit einer weiteren Öffnung an der Seite. Er wird traditionell überwiegend von Frauen zur Tanzbegleitung, zur rhythmischen Begleitung des eigenen Gesangs und in unterschiedlichen Orchesterformationen verwendet.


Die Stimmen ihrer Vorfahren

Die Eingeborenen glaubten, im Klang dieser Trommeln die Stimmen ihrer Vorfahren zu hören. Durch einen schnellen Schlag auf die seitliche Öffnung erzeugte Sitison einen tiefen Bassklang. Darüber hinaus bespielte er den gesamten Korpus mit den Fingern oder mit der ganzen Hand.


Multikulturelle Gesellschaft

Mit Kevin Volans (*1949 in Durban, Südafrika) "White Man Sleeps" brachte das Streichquartett afrikanische und europäische Ästhetik in Einklang. Die Musik reflektiert das Bild einer multikulturellen Gesellschaft, in der die Traditionen verschiedener Kulturen vertreten, geehrt und vor allem geteilt werden. In den fünf Stücken ahmten die beiden Violinen, die Viola und das Cello die Originalinstrumente wie die Mbra nach. Ob Nyungwe-Musik, Tiergangarten oder Tänze: Mit der ganzen Handfläche, mit zarten Fingerspitzen, dem Handballen oder Handrücken, einzelnen Fingerkuppen oder dem Ellenbogen zauberten die Streicher laut und leise, rasend schnell ihre "afrikanische" Musik.
Dazwischen ertönten barocke Klänge, die mit eisernen oder hölzernen Glocken und kleinen Perkussionsinstrumenten ein ungewohntes Klangbild boten. Klar, dass sich die Musiker nicht ohne zwei imponierende Zugaben unter der eifrigen Mithilfe des beschwingten Publikums davonstehlen konnten.
"Quinten-Quartett goes Afrika" hieß das 5. Konzert der Kammermusik auf Banz, und es war Folklore pur.
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