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Helga Siebert schlägt Rockröhre Gianna Nannini als weiblichen Papst vor

Trotz widriger Straßenverhältnisse hatten sich viele Besucher durch die teilweise glatten Straßen gekämpft, um dem kabarettistischen Jahresrückblick von Helga Siebert zu lauschen. Sie zog gerne über "...
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Die Kabarettistin Helga Siebert bei ihrem Jahresrückblick "Ultimo" im Stadtschloss Foto: Karin Sträßner
Die Kabarettistin Helga Siebert bei ihrem Jahresrückblick "Ultimo" im Stadtschloss Foto: Karin Sträßner

Trotz widriger Straßenverhältnisse hatten sich viele Besucher durch die teilweise glatten Straßen gekämpft, um dem kabarettistischen Jahresrückblick von Helga Siebert zu lauschen. Sie zog gerne über "Trumpel", eine ihrer Lieblingsfiguren, her.

"Ob er Geist hat, darf massiv angezweifelt werden" und: "Amerikaner scheinen auf Idioten zu stehen!" waren zwei spitze Anmerkungen über den amtierenden amerikanischen Präsidenten. Interessant fand Siebert zudem, dass eine Bushaltestelle an der Klagemauer nach Trump benannt wurde.

Nicht gut weg kam auch "Seehase", wie sie liebevoll den Bundesinnenminister betitelte. Einen interessanten Vergleich mit der Fischart Seehase zog die Kabarettistin auch. Sie orderte ein Stück dieses Fisches und war erstaunt über die Parallelen zu Seehofer. Er war dicklich, mit festem, störrischem Fleisch, außerdem ölig und tranig. Schließlich landete der Rest im Müll. Natürlich bekam auch Angela Merkel ihr Fett weg. Die Kabarettistin verglich den Verschleiß anderer europäischer Länder an Staatsoberhäuptern mit Deutschland. Frankreich, Italien und Großbritannien wechselten ihre Machthaber demnach des Öfteren. "Angi" überdauerte sie alle. Nach dem Motto: "Nur kleben heißt leben" wechselte der HSV 17 Trainer während ihrer bisherigen Amtszeit.

"Thomas, die Misere"

Von der Autokanzlerin zur Dieselaffäre. Problematisch sah die Kabarettistin die Umwege, die man beispielsweise in Hamburg wegen des Dieselfahrverbotes auf sich nehmen müsse. "So rauch' und stink' ich vor mich hin, weil ich ein treuer Diesel bin." Lustig anzuhören waren die Wortspielereien mit Politikernamen. Das reichte von "Friedrich dem Großen" (Friedrich Merz) über "Thomas, die Misere" (Thomas de Maizière), "Bescheuerle" (Verkehrsminister Andreas Scheuer) bis zum "Gauleiter" (Alexander Gauland). Treffend bezeichnet wurden auch das "Strichmännlein" Heiko Maas, Jens, der Spahn, Erzbengel (Sigmar) Gabriel und Olaf Scholz (Bundesfinanzminister), der eine schwarze Null schreiben will und nach Meinung der Kabarettistin eine rote Null darstellt.

Gedanken machte sich die Hamburgerin auch über Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Länge ihres Namens könnte zu Missverständnissen führen. Falls der türkische Präsident Erdogan etwa AKK mit PKK (die Arbeiterpartei Kurdistans) verwechseln würde.

Doch nicht nur politische Geschehnisse wurden betrachtet. Auch die Umwelt spielte in den Ausführungen von Helga Siebert eine Rolle. In Colmar im Elsass wollte man Müll in Hühnereier verwandeln. So wurde Biomüll an Hühner verfüttert, der Abfall reduzierte sich und inzwischen kann man auch Hühnerpatenschaften erwerben. 100 Tonnen Biomüll wurden also nicht verbrannt, sondern verfüttert. Die Bauern kritisierte die Kabarettistin: "Solange Subventionen winken, hört es niemals auf zu stinken!" Leider würde vermehrt auf Monokulturen gesetzt. Kaum wäre in irgendeiner Sparte der Landwirtschaft ein geringes Defizit, so würden die Bauern sofort Forderungen an den Staat stellen.

Kreativ und musikalisch begabt sang Siebert bekannte Melodien mit eigenen Texten. Das Vortragen von politischem Witz in Gedichtform erheiterte das Publikum ebenso wie ihre Erwägungen die digitale Telemedizin betreffend. So stellte sie es sich ungemein interessant vor, wenn der Mann ihrer Freundin Hertha vor dem Tablet herumtanze, um dem fernen Arzt ein urologisches Problem zu beschreiben.

Der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche regte die Schauspielerin ebenso zum Nachdenken an. Deshalb wäre in ihren Augen eine Päpstin wünschenswert. Konkret gefalle ihr der Gedanke, wenn Rockröhre Gianna Nannini im Papamobil durch Rom fahre.

Dieser umfangreiche Jahresrückblick mit viel Herz und Humor wurde vom Publikum mit anhaltendem Applaus gefeiert.

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