Lichtenfels
Unser Thema der Woche // Grenzerfahrung

Helferin für 38 Flüchtlinge

Beruf und Familie miteinander in Einklang zu bringen, ist oftmals schon eine große Herausforderung. Nicole Gründel vom Krögelhof engagiert sich zusätzlich bei den Aktiven Bürgern und betreut Flüchtlinge aus Äthiopien.
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Abendroutine: Nicole Gründel liest abends ihre Whatsapp-Nachrichten von den Flüchtlingen durch, die sie betreut. Sie sucht nach Lösungen, hilft bei Verträgen, Briefen und weiteren Dingen.  Foto: Theresa Schiffl
Abendroutine: Nicole Gründel liest abends ihre Whatsapp-Nachrichten von den Flüchtlingen durch, die sie betreut. Sie sucht nach Lösungen, hilft bei Verträgen, Briefen und weiteren Dingen. Foto: Theresa Schiffl

Theresa Schiffl Es gibt Menschen, die Familie haben, mehrere Jobs, und es dann sogar noch zeitlich schaffen, sich sozial zu engagieren. So zum Beispiel Nicole Gründel aus Krögelhof. Montags und dienstags arbeitet sie als Bankkauffrau, mittwochs ist der Hofladen offen, donnerstags und freitags ist sie mit dem mobilen Hofladen unterwegs. Nicht zu vergessen ist ihre Rolle als Mama.

Aber sie kümmert sich nicht nur fürsorglich um ihre Tochter, sondern ist außerdem bei den Aktiven Bürgern Lichtenfels im Einsatz und betreut in diesem Rahmen 38 Flüchtlinge. Dabei hat sie in mehrerlei Hinsicht mit Grenzen Erfahrungen gemacht.

Vor allem Hilfe im Alltag nötig

Nachdem sie die ersten Nachrichten über die große Flüchtlingswelle 2015 gehört hatte, war ihr sofort klar: "Ich muss etwas machen." Zunächst half sie in der Kleiderkammer, dann in einer Unterkunft für junge Geflüchtete in Zapfendorf. "Da habe ich dann aber gemerkt, dass die Menschen vor allem eines brauchen: Alltagshelfer." Vom Einkaufen über die Mülltrennung bis hin zur Wohnungs- und Arbeitssuche, aber auch Arztbesuche oder der Abschluss von Verträgen: All das seien Dinge, bei denen Flüchtlinge ihre Hilfe brauchten, erzählt die Fränkin. Es seien 1000 Kleinigkeiten, über die Deutsche nicht nachdenken müssten, weil sie uns bekannt sind. Nachdem im Laufe der Zeit immer mehr Schützlinge hinzugekommen waren, fühlte sie sich selbst am Limit: Es wurde einfach zu viel. "Die Zeit hat ihre Grenzen", sagt sie.

Diese wurden ihr auch bei vielen der Probleme und Anliegen bewusst: Über vieles musste sie sich erst einmal selbst informieren und einarbeiten. Sie lernte zum Beispiel, dass es im Arbeitsamt eine extra Abteilung für arbeitsuchende Flüchtlinge gibt. Dort kennen sie die Mitarbeiter mittlerweile schon mit Namen.

Ihren Bekanntheitsgrad habe sie sich erst erarbeiten und manche der von ihr betreuten Flüchtlinge mitunter auch zur Ordnung rufen müssen. "Ich habe dann gesagt, so ein Verhalten geht nicht, und letztendlich fällt es auf mich zurück." Das hätten alle schnell verstanden. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wurde Nicole Gründel nicht enttäuscht. "Sie lernen aus ihren Fehlern." Die Wohnungs- und Arbeitssuche, die immer sehr zeitintensiv war, sei durch ihre Vermittlerrolle einfacher geworden: "Mich rufen mittlerweile viele an und fragen, ob von meinen Jungs und Mädels aktuell jemand etwas sucht."

Offenheit auch in Familie

Ihre Familie sei ebenfalls sehr offen gewesen. "Wir haben eine sehr große Verwandtschaft, ob da ein paar Leute mehr oder weniger da sind, ist egal. Einige Flüchtlinge waren schon bei einem Weihnachtsessen da." Andere haben bei ihr Zuhause mitgeholfen. Ein junger Mann, der sich sehr für Landwirtschaft interessiert, habe sogar auf dem Hof ein Praktikum gemacht. "Er ist dann jeden Tag mit dem Fahrrad hergefahren." Aber auch bei den Gesprächen hat sie immer mehr über Grenzen und Flucht erfahren: Je mehr Zeit sie mit den Flüchtlingen verbrachte, umso mehr Details erzählten sie. "Ich habe aber niemanden dazu genötigt, von seinen Erlebnissen zu erzählen."

Nun sind zwar alle volljährig, aber Nicole Gründel ist immer noch ihre erste Ansprechpartnerin: "Zum Glück lässt sich viel über Whatsapp klären, ohne das ginge es nicht so einfach. Abends sitze ich immer in meinem Sessel, beantworte Nachrichten oder übersetze etwas."

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