Weißenbrunn

Helfer suchen jetzt selbst Hilfe

Die Weißenbrunner "Humanitäre Hilfe für Menschen in Not" ist auf weitere Unterstützer angewiesen. Gleichzeitig bittet der Verein Unternehmen darum, ihm B- oder C-Ware für Bedürftige zu überlassen.
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Das "Haus Lichtzeichen" der "Humanitären Hilfe für Menschen in Not". Hier werden Waren und Spenden entgegengenommen. Foto: Rainer Glissnik
Das "Haus Lichtzeichen" der "Humanitären Hilfe für Menschen in Not". Hier werden Waren und Spenden entgegengenommen. Foto: Rainer Glissnik

Die "Humanitäre Hilfe für Menschen in Not" hat im vergangenen Jahr allein mit Überbrückungshilfen von 25 007 Euro Menschen in Notsituationen in den Landkreisen Kronach, Kulmbach und Lichtenfels geholfen. Gleichzeitig sucht die Organisation Unterstützer für das "Haus Lichtzeichen".

Was leistete die "Humanitäre Hilfe"? Es gab Konfliktgespräche mit Spielsüchtigen. Immer wieder wurde Heizöl für Notleidende gekauft, einmal Gasflaschen für Betreute ohne Strom. Für einen Klienten wurde ein schwerlastgeeignetes Bett besorgt und aufgebaut. Eine Familie mit Erziehungsschwierigkeiten wurde beraten. Eine Rollstuhlrampe wurde unterstützt. Zwei Konfirmationen und eine Kommunion wurden musikalisch umrahmt.

Es wurde eine intensive Trauerbegleitung für eine Familie vor Ort geleistet: die Beerdigung des Familienvaters wurde organisiert und begleitet. Der Trauerfamilie wurde bei der Räumung ihres Hauses geholfen. Einem arbeitssuchenden jungen Mann wurde mit 100 Euro ausgeholfen. Einer Familie wurden Möbel besorgt. Es sind Beispiele wie diese, die Vorsitzender Tom Sauer aufzählt.

"Wir haben sehr viel Alleinerziehende, die sich schwer tun, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen", erklärt Sauer. Insgesamt habe er gelernt, dass der Begriff "unverschuldete Not" nicht anzuwenden ist. "Es gibt einfach ein Schicksal, oder viele bekommen ihr Leben nicht in Griff. Das ist eine harte Realität." Er stelle aber nie in Zweifel, dass es etliche gibt, die vom Schicksal schwer getroffen wurden. Die Hilfe müsse einfach umfassender sein als nur eine Hilfe in akuter Not. Versucht werde eine dauerhafte Lösung und Veränderung.

Gerade deshalb versuche die "Humanitäre Hilfe", Hilfe anzubieten, die auch länger wirksam ist und die dazu beiträgt, dass sich dauerhaft etwas an der Problemlage ändert, so Sauer.

Messi-Häuser als Problem

Der Verein hilft in allen drei Landkreisen. So wurden einer Kulmbacher Familie Möbel transportiert. Die Teilräumung einer Wohnung in Lichtenfels erfolgte und mit einem Überbrückungsgeld wurde geholfen. Eine Flüchtlingsfamilie erhielt ein Fahrrad und Lebensmittel. Es wurde auch Flüchtlingshilfe in Höhe von 300 Euro in Bosnien geleistet. Eine Frau erhält eine Busfahrkarte, die ihr die Fahrt zur Arbeitsstelle ermöglicht.

Und immer, so der Vorsitzende, half man beim Räumen von Messi-Häusern. Im vergangenen Jahr gab es hier sehr viele Aktionen, die den Helfern viel abverlangten. Aber: Sauer will in diesem Bereich nicht mehr helfen, weil ihn ein Ereignis noch heute tief erschüttert: "Ich räume kein Haus mehr aus." Die Belastung sei enorm. Bei einem Klienten, der vorher schriftlich zusicherte, die Helfer der Humanitären Hilfe könnten beim Ausräumen frei entscheiden, was wegkomme, gab es später erheblichen Ärger mit einem privaten Pflegedienst, der den Klienten jetzt in einer Einrichtung betreut. Es werde nun über einige fehlende Gegenstände geklagt. "Ich wurde in bodenloser Frechheit angegangen", bedauert der Vorsitzende.

Die "Humanitäre Hilfe" leistet Sauer zufolge Unterstützung, um Selbsthilfe und eine Änderung der Situation anzustoßen. Die jahrzehntelange Erfahrung mache den Helfern bisweilen aber auch klar, dass manche Hilfe nichts erreiche und nur für den Moment helfe. So lehnte man die Unterstützung eines drogensüchtigen Obdachlosen mit Kind wegen fehlender Kooperationsbereitschaft ab. Und ein anderer Klient lehnte es ab, bei einem Arbeitseinsatz in seinem vermüllten Haus auch selbst mitzuhelfen, weshalb hier keine Hilfe geleistet wurde.

Spenden und Aktionen

Die Vereinsmitglieder brachten im vergangenen Jahr durch eigene Aktionen 9189 Euro ein. Dazu gehörten der Verleih des Zirkuszeltes, eine Tombola auf dem Neuseser Weihnachtsmarkt und musikalische Auftritte von Tom Sauer sowie die Nikolausaktion. Spenden in Höhe von insgesamt 22 827 Euro gingen ein. Es wurde auch ein Überbrückungsgeld von 500 Euro zurückgezahlt.

Das "Haus Lichtzeichen" in Weißenbrunn wird heuer zehn Jahre alt. Das Jubiläum soll bei einem Herbstfest am 26. September gefeiert werden. Zu dem Haus der "Humanitären Hilfe für Menschen in Not" gleich neben dem Gasthaus Räther in Weißenbrunn kann jeder kommen, egal was der Geldbeutel hergibt. Hier werden neue Gegenstände - wie Kleidung, Schuhe, Spielwaren, Haushaltartikel - als Spende an die "Humanitäre Hilfe" abgegeben. Geöffnet ist Haus jeden Samstag von 9 bis 12 Uhr.

"Es ist gut, dass es unseren Verein gibt, aber es macht keinen Sinn, dass wir ein Rentnerverein werden", wünscht sich Sauer, dass auch jüngere Leute sich für die Bemühungen der "Humanitären Hilfe" interessieren. "Leute, die sich hier engagieren wollen, sind herzlich willkommen."

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