Lahm im Itzgrund

Heiße Diskussion an den Feuern

Die Landwirte im Coburger Land haben wie ihre Kollegen, die nach Berlin gefahren sind, brennende Sorgen. Mit Mahnfeuern erzeugten sie am Dienstagabend Aufmerksamkeit und fanden aufmerksame Zuhörer.
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Mit Mahnfeuern an markanten Punkten wie hier bei Lahm machten Landwirte aus dem Coburger Land auf ihre Probleme mit der Agrarpolitik aufmerksam.  Fotos: Michael Stelzner
Mit Mahnfeuern an markanten Punkten wie hier bei Lahm machten Landwirte aus dem Coburger Land auf ihre Probleme mit der Agrarpolitik aufmerksam. Fotos: Michael Stelzner
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Viele Landwirte aus der Region machten sich am Dienstag mit ihren Traktoren auf den Weg nach Berlin, um dort gegen die Agrarpolitik zu protestieren. Die Polizei zählte in der Bundeshauptstadt rund 5600 Trecker und über 40 000 Teilnehmer, einige von ihnen waren auch aus dem Coburger Land. Nicht alle Landwirte aus der Region konnten bei der Großdemonstration mitmachen. Um den Protest der Kollegen in Berlin zu unterstützen und die Bevölkerung auf ihre Situation aufmerksam zu machen, wurden am Dienstagabend im Landkreis Coburg mehrere Mahnfeuer an markanten Punkten entzündet.

Die Bevölkerung sensibilisieren

Zum Beispiel in Lahm, unweit der Bundesstraße 4, und auf dem Hummelberg zwischen Buchenrod und Scherneck, wo das Feuer weithin sichtbar war. "Wir wollen unsere Kollegen in Berlin damit aktiv unterstützen und die Bevölkerung für unsere Probleme sensibilisieren", sagten die Landwirte übereinstimmend. Sie wollten nicht mehr als Umweltsünder an den Pranger gestellt werden. Vielmehr möchten sie mit diesen Protestaktionen die Bevölkerung auf ihre Situation aufmerksam machen - und die sei alles andere als einfach.

"Wir machen die Leute satt"

An allen Mahnfeuern, die von Feuerwehren bewacht wurden, trafen sich die Landwirte. Interessierte stießen hinzu und es wurde bis in die späte Nacht diskutierten. Am wärmenden Feuer war das Hauptthema die Agrarpolitik der Bundesregierung, die von allen heftig kritisiert wurde. Auf Unverständnis stößt, dass die Landwirte und ihre Arbeit in der Gesellschaft einen schlechten Ruf haben. So meinte nicht nur Reinhard Grell aus Lahm: "Wir wollen nicht mehr als Buhmänner der Nation hingestellt werden. Denn es wird von uns eine gute Arbeit geleistet, wertvolle Lebensmittel werden produziert, die die Leute jeden Tag satt machen."

Schon seit mehreren Wochen gibt es von den Landwirten gegen die Agrarpolitik auch einen stillen Protest, wovon grüne Kreuze auf den Feldern zeugen. Im neuen Agrarpaket ist der Einsatz von verschiedenen Spritzmitteln geregelt, darunter die Einschränkung des umstrittenen Mittels Glyphosat. Oft bedeute das für die Landwirte einen erheblichen Mehraufwand.

Des Weiteren wehren sich die Bauern gegen die neue Düngemittelverordnung. Insbesondere im unteren Itzgrund wurden an zwei Messstellen, die relativ ungünstig liegen, zu hohe Nitratwerte im Grundwasser festgestellt. Deshalb wurde der untere Itzgrund zum Roten Gebiet erklärt. Aus diesem Grund haben die Landwirte dort erhöhte Auflagen zu beachten beim Düngen. "Viele Vorgaben aus diesen Verordnungen sind in der Praxis nicht umsetzbar", betonte Reinhard Grell.

Die Verordnungen seien ohne die Bauern gemacht worden. Weiterhin litten die Landwirte unter den vielen Kontrollen und dem hohen bürokratischen Aufwand.

Auch über ein Handelsabkommen mit den USA oder das Mercosur-Abkommen der EU mit Südamerikanern wurde an den Feuern gesprochen. "Ob es dort so strenge Kontrollen wie bei uns gibt", fragte sich nicht nur Reinhard Grell. Was die Mercosur-Länder betreffe, gebe es im Vergleich zur EU und Deutschland nicht so strenge Anforderungen, Klima und Umwelt zu schützen. Auch beim Einsatz von Antibiotika und Pflanzenschutzmitteln werde anders verfahren. Dies würde zu dramatischen Wettbewerbsverzerrungen führen. Grell: "Für viele Betriebe, die oft ganze Familien ernähren, bedeutet dies das Aus."

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