Bamberg
Geburtstag

Heinrich Beck - das philosophische Weltenkind wird 90

Bei Philosophen denkt man gemeinhin an weltfremde Gelehrte, die in hohen Türmen zwischen dicken Büchern sitzen und auf ihren Laptopbildschirm starren, um dann und wann vorsichtig einige Tasten zu drüc...
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Heinrich Beck Foto: Archiv
Heinrich Beck Foto: Archiv

Bei Philosophen denkt man gemeinhin an weltfremde Gelehrte, die in hohen Türmen zwischen dicken Büchern sitzen und auf ihren Laptopbildschirm starren, um dann und wann vorsichtig einige Tasten zu drücken. Ein neues Wort, ein neuer Begriff wird dann einem tiefen Satz hinzugefügt, der die Welt des Denkens vielleicht aus den Angeln heben könnte - aber leider von kaum jemandem zur Kenntnis genommen wird. Meist stimmt das auch.

Ganz anders ist es bei Professor Heinrich Beck, dem großen Bamberger Philosophen, der heute seinen 90. Geburtstag feiern kann. Seit 1979 lebt der gebürtige Münchner in Bamberg, wo er zunächst an die pädagogische Hochschule berufen wurde, dann bis zu seiner Emeritierung einen Lehrstuhl für Philosophie an der Universität innehatte. Aber auf dem saß er selten, sondern er stand bei jeder Gelegenheit auf und reiste durch die Welt.

Liest man die lange Liste der Orte, an denen er durch Vorträge und brückenschlagende Gespräche gewirkt hat, oder schaut auf die Ehrungen, Ehrenprofessuren und Ehrendoktorate, die ihm von Buenos Aires bis Salzburg, von Madrid bis Rom zugetragen wurden, dann spiegeln sie die Weite seines Wirkens und Einsatzes.

Es war ihm ein Anliegen, mit seinem Denken praktisch in die Welt und zwischen Kulturen zu wirken. Denn seine wohl wichtigste philosophische Einsicht ist die Notwendigkeit eines Dialoges der Kulturen, um zu einem wirklichen, einem "kreativen Frieden" zu gelangen, wie er es nennt. Ein bloßes Nebeneinander unterschiedlicher Kulturen kann das ebenso wenig leisten wie das taube Beharren auf der eigenen Annäherung an die Wirklichkeit. Es braucht ein wirkliches Begegnen. Nur im gemeinsamen Ringen um das Verstehen anderer Standpunkte wird langfristig Frieden möglich sein. Aber auch nur so, das ist seine philosophische Einsicht, wird man die Wirklichkeit umfassend verstehen können. Und die Welt in ihrer Fülle und Reichtum, vom Menschen bis zu den Kulturen, von der Natur bis Gott zu verstehen, ja ihrem "Sinn" sich anzunähern, war schon seit Studienzeiten die ihn bewegende Grundfrage.

Dies führte ihn oft ungewöhnliche Pfade: So verfasste er schon 1974 eine Philosophie der Technik, dieser eigentümlichen, menschgemachten Wirklichkeit, die uns wesensfremd ist und doch immer umgibt - lange bevor das Thema umfassend entdeckt wurde.

In den letzten Jahren nähert er sich den wohl faszinierendsten Aspekten der Wirklichkeit: dem Denken selbst, indem er in einer selbstkritischen Autobiographie darüber nachdenkt, wie sein eigenes Denken sich entwickelte und entfaltete. Und vor allem stand die Gottesfrage immer im Zentrum dieses Nachdenkens, die in der gegenwärtigen Philosophie kaum Beachtung findet.

Von Papst Benedikt XVI. wurde er vor einigen Jahren zum Ritter des Silvesterorderns geschlagen - und darf seitdem mit dem Pferd die Freitreppe des Petersdomes hinaufreiten. Stellt man sich bei Rittern gemeinhin das Schwert schwingende Gestalten vor, so trifft das in gewissem Sinne auf Heinrich Beck zu: Er war und ist stets bereit, um die richtige Einsicht mit dem Schwert scharfer geistiger Unterscheidungen zu ringen und sich mit anderen Positionen auseinandersetzen.

Die Hinwendung zum Guten

Im letzten Jahr gipfelte sein Nachdenken dann auch in einem Buch zur Philosophie der Liebe. Er sieht sie als eine dialogische Hinwendung zum Guten - das sich mit dem konkreten Gegenüber, aber auch im großen Gegenüber Gottes als Klammer der ganzen Wirklichkeit findet. In der Liebe sieht er den letzten Grund der Wirklichkeit. Mit einem schöneren Gedanken kann man eigentlich ein philosophisches Lebenswerk nicht krönen.

Aber wenn man ihn fast beschwingt mit seinem Stab durch Bamberg schreiten sieht, dann kann man zugleich hoffen, dass es keinesfalls sein letztes Buch gewesen ist.

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