Rödental

Heimkehrer im Häslichgrund

Der Forstbetrieb Coburg der Bayerischen Staatsforsten siedelt in einem Teich bei Mönchröden wieder Edelkrebse an. Die Art war einst dort häufig. Heute steht sie auf der Roten Liste.
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Fabian Hecker bespritzt die Krebse zuerst mit etwas Wasser aus dem Teich, um sie auf das Aussetzen vorzubereiten. Fotos: Rainer Lutz
Fabian Hecker bespritzt die Krebse zuerst mit etwas Wasser aus dem Teich, um sie auf das Aussetzen vorzubereiten. Fotos: Rainer Lutz
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Zu Hunderten, seien früher die Edelkrebse in den Teichen im Häslichgrund gefangen worden. Die älteren unter den Fischern dort erinnern sich noch daran, sagt Fabian Hecker. Er ist als Revierleiter des Forstbetriebs Coburg der Bayerischen Staatsforsten für das Gebiet zuständig, das einst dem Coburger Hofstaat als Wildpark Jagdfreuden sichern sollte. Und er bringt jetzt die Krebse zurück, die seit Jahren aus den Gewässern im Häslich verschwunden sind.

"Man weiß nicht ganz genau, warum sie weg sind", sagt der Förster. Der Lebensraum ist ja vorhanden. Jetzt sind auch die Krebse wieder da - zumindest in einem der Teiche, der nicht verpachtet ist. "Damit haben wir im Griff, dass er nicht etwa ausgelassen wird oder Raubfische eingesetzt werden", sagt Fabian Hecker. Denn die könnten vor allem der Brut gefährlich werden, auf die er jetzt hofft. 1500 junge Krebse wurden in den vergangenen Tagen nach und nach ins Wasser gebracht. Dafür watet der Förster ein Stück ins ziemlich kalte Nass, um die Tiere langsam in die neue Umgebung zu entlassen. Einer nach dem anderen verschwindet im trüben Wasser. Manche sind sehr agil, andere scheinen noch nicht so recht zu wissen, wie sie die Freiheit finden sollen.

Die kennen sie bisher nicht. Sie stammen aus einer Zucht in der Oberpfalz. "Die wurde uns von der Fischereifachberatung für Oberfranken in Bayreuth empfohlen", sagt Fabian Hecker. Bei der Auswilderungsaktion arbeitete er außerdem mit den Kollegen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Lichtenfels zusammen.

Die Aktion nennt Albert Schrenker, Leiter des Forstbetriebs Coburg der BaySf, eine BGWL. Das steht für besondere Gemeinwohl-Leistung. Gemeint sind Dinge, die nicht der Waldbewirtschaftung sondern dem Nutzen der Bevölkerung gewidmet sind. In diesem Fall eben dem Naturschutz. "Der Edelkrebs ist eine Art, die auf der Roten Liste steht", sagt Albert Schrenker. Er hofft, dass die ausgesetzten Tiere sich gut vermehren und der Häslichgrund einmal wie früher zu einem Verbreitungsgebiet des Edelkrebses wird.

Er befindet sich in guter Gesellschaft im Teich des Forstbetriebs. "Die Teichmuschel als weitere Rote-Liste-Art ist schon da", sagt Fabian Hecker

Die Chancen, dass mit überschaubarem finanziellen Aufwand - die Auswilderung der 1500 Krebse kostet rund 2000 Euro - tatsächlich eine seltene Tierart auf Dauer wieder angesiedelt werden kann stehen gut. Raubfische, Otter oder andere Fressfeinde sind bisher nicht gesichtet worden. Die Wasserqualität passt. Nur die Wassertemperatur könnte noch einen Strich durch die Rechnung machen. "Wärmer als 25 Grad darf es nicht werden, das halten die Krebse nicht aus", erklärt Fabian Hecker. Doch der Häslichgrund hat reichlich Schatten. So warm waren die Teiche dort noch nie.

Ökologischer Helfer

"Der Krebs hat übrigens einen hohen ökologischen Nutzen", sagt Albert Schrenker. Die Tiere verzehren nämlich Pflanzenreste und Aas. Und sie selbst? Werden sie auch verzehrt? "Es ist sogar nötig in den Bestand einzugreifen, damit die Zahl der Tiere nicht zu hoch wird und es zu Kannibalismus kommt", erklärt Fabian Hecker. So werden wohl in den kommenden Jahren auch einmal Krebsreusen in den Teich gebracht. Beim Fang geht es vor allem um ältere männliche Krebse. Die müssen nämlich raus. Alle anderen dürfen wieder ins Wasser. Die großen Männchen werden dagegen zur Delikatesse, die es viele Jahre im Häslichgrund nicht mehr gegeben hat.

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