Lichtenfels

Heimat bedeutet Verantwortung

Günter Dippold und Andreas Motschmann ergründeten, was sie unter dem vieldeutigen Begriff verstehen.
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Zwischen Obermain und Bolivien: Seine Lebenswirklichkeit schilderte Andreas Motschmann. Foto: Manfred Brösamle-Lambrecht
Zwischen Obermain und Bolivien: Seine Lebenswirklichkeit schilderte Andreas Motschmann. Foto: Manfred Brösamle-Lambrecht
Nicht mit "Heimatrauschen und Oberflächlichkeiten" leitete Günter Dippold die Projektwoche am Meranier-Gymnasium ein, sondern mit der Forderung, "...dass wir bei allem, worauf wir reagieren wollen, was wir tun wollen, was wir fördern wollen, wogegen wir streiten müssen, worauf wir reagieren wollen, die gleichen Fragen richten: Dient es dem Menschen? Fördert es Gemeinschaft, Bürgergeist, soziale Aktivität? Stärkt es die Region, nutzt es ihr auf lange Frist? Bleibt Bewahrenswertes bewahrt, bleiben Ressourcen geschont?".


Emotional bedeutender

Dippold führte aus, dass der Begriff "Heimat" immer mehr von seiner wahren Bedeutung verloren habe und heute in verschiedenen Zusammenhängen verwendet werde. Während das Wort "Heimat" ursprünglich Rechte wie "Anspruch auf Unterstützung in Not" versprach, habe es mit den Jahren immer mehr an emotionaler Bedeutung gewonnen, weshalb es ebenso wie Liebe und Freundschaft nicht definiert werden könne.
Gleichzeitig sei es möglich, mehrere Heimaten zu besitzen sowie eine neue Heimat zu finden, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Wichtig sei nicht mehr, wo man lebt, sondern die Gemeinschaft und das Miteinander stünden im Zentrum des Begriffs. Auch unsere Heimat sei nicht etwa nur für "Gestrige". Sie beträfe ebenso die jüngeren Generationen, denn "jeder trägt Geschichte mit sich herum" - sei es die der Familie oder die eigene Lebensgeschichte.


Ausgleich zur Globalisierung

Man solle die Vergangenheit begreifbar halten, denn wir würden durch sie geprägt werden und könnten aus ihr lernen. Darüber hinaus darf Heimat nicht als Widerspruch, sondern als Ausgleich zur Globalisierung verstanden werden. An dieser Stelle betonte Dippold, dass Heimat zu der Verantwortung verpflichte, dass man nicht nur über sie reden kann, sondern sie leben muss, das heißt, man müsse beispielsweise den Naturraum stärken und das Gewordene vor unpassenden Veränderungen bewahren. Gemäß dem Gedanken des Kirchenlehrers Augustinus "Dilige et quod vis fac" (übersetzt: "Liebe und tu, was du willst"), könne Heimat zu einem Lebensstil werden, der für sorgsames Vorgehen steht. Es würde auch bedeuten, sich selbst zu beschränken, um die kleinen Freuden des Lebens wieder hervorzuheben.
Schließlich wünscht sich Dippold, dass Heimat ein Ort des menschlichen Maßes und des Miteinanders ist, jedoch auch die unbehaglichen, schmerzenden Dinge nicht ausschließt. "Es ist Ihre Zukunft", sprach er die Schüler an, "Heimat ist nicht nur etwas für die älteren Menschen, sondern für alle. Sie liegt in Ihren Händen. Achten Sie auf sich, aber achten Sie auch auf Ihre Heimat", schloss der Professor.
"Heimat zwischen zwei Welten: Obermain und Bolivien" - diese seine Lebenswirklichkeit schilderte Andreas Motschmann und traf damit sehr schnell auch die Lebenswirklichkeit vieler Schüler, deren biografische Wurzeln nach Frankreich, der Türkei, der Ukraine, Mazedonien oder sogar China und Vietnam reichten.


Sagen und Geschichten

"Wer von euch ist schon einige Male umgezogen?" wurde von einem Drittel der Schüler mit "Ja" beantwortet. Die Frage nach der Bedeutung des Begriffes "Heimat" sei also gar nicht leicht zu beantworten. Von "Da, wo man sich wohlfühlt und akzeptiert wird", "Da, wo meine Familie und Freunde sind und ich mich verständigen kann" bis "Heimat ist da, wo mein Herz ist", reichten die Antworten. Dass auch Sagen und Geschichten Heimat verkörpern, machte die Schüler sehr nachdenklich.
Eine solche Geschichte ist zum Beispiel die über den Herzog von Burg Niesten in Weismain und seinen Diener Johann. Der Herzog besaß ein Zauberbuch, welches seinem Diener verboten war zu berühren. Als sein Herr auf Reisen war, öffnete Johann trotzdem das Buch und blätterte darin. Plötzlich kamen Krähen, die den ganzen Mist, der als Dünger benutzt wurde, aus der Burg stahlen. Am nächsten Tag kam der Herzog wieder, sah das Unglück und nachdem er im Buch geblättert hatte, brachten die Krähen das wertvolle Gut zurück. Der Diener rührte das Buch daraufhin nie wieder an. Wie diese Geschichte, hatten auch viele andere eine Lehre, die vor allem für die Kinder bestimmt war. Die Kinder wurden so gelehrt, Regeln einzuhalten - im Sinne von "Heimat bedeutet Verantwortung". red


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