Scheßlitz

Heilende Wirkung der Kunst

Simone Wais lädt zur Finissage ihrer Ausstellung "Healing" in die Bereitschaftspraxis Juraklinik Scheßlitz ein.
Artikel drucken Artikel einbetten
"Gezeiten" - Malerei und Ritzungen: zu sehen in der Ausstellung von Simone Wais Fotos: p
"Gezeiten" - Malerei und Ritzungen: zu sehen in der Ausstellung von Simone Wais Fotos: p
+1 Bild

Am Donnerstag, 14. November, lädt die Künstlerin Simone Wais um 19 Uhr zum feierlichen Abschluss ihrer Ausstellung unter dem Titel "Healing" in der Bereitschaftspraxis der Juraklinik Scheßlitz ein.

Eingebettet in ein kleines Rahmenprogramm stellt die junge Kunstschaffende ihre aktuellen Werke vor und gibt Interessierten die Möglichkeit, bei einem Rundgang Fragen zu stellen.

Die 28-Jährige präsentiert Arbeiten, die sich thematisch mit dem Ort der Ausstellung, also dem Prozess der Heilung, befassen - jedoch nicht im medizinischen, sondern im künstlerischen Sinn. Wie kann Kunst, verschrien als Spielzeug der Reichen, zur "Heilwerdung" beitragen?

Vielleicht, indem sie einen neuen Blickwinkel auf Vertrautes, aber Missachtetes zeigt, Kaputtes und Zerstörtes zum Patienten erklärt: Ein zerrissenes Foto am Straßenrand, ein achtlos fortgeworfenes Metallstück, ein knorriger Ast auf dem Waldboden, die flüchtige Wahrnehmung einer verwitterten Mauer, aus dem Gedächtnis zu Papier gebracht ... Ein persönliches Archiv dieser scheinbar nutzlos gewordenen Relikte wird zur Quelle der Inspiration und steht doch nur stellvertretend für tote Winkel des menschlichen Bewusstseins.

In freien, experimentellen Werken beginnt die neue Existenz der Dinge, die ihr Leben schon hinter sich hatten. Langsam wachsen sie in einen neuen Kontext ein, werden zum Zentrum und gleichzeitig zum Teil einer neuen Ganzheit.

Ausgangspunkt

Die zerkratzten, rissigen, versehrten Gegenstände verschmelzen untrennbar mit dem Bearbeitungsprozess, werden unverzichtbarer Ausgangspunkt und Bestandteil der farbigen Kompositionen, die sich auf keine malerische Technik festlegen lassen. Auch die verschiedensten und einander oft fremden Mittel der künstlerischen Überarbeitung finden erst im Werk zueinander. Zwanglos trifft Ölmalerei auf Stickarbeit oder Schnitzerei.

Bearbeitung und Material interagieren, versuchen assoziativ freizulegen, was den Menschen mit seiner belebten und unbelebten Umwelt verbindet.

Kann die Transformation des materiellen Werks zum immateriellen Gedanken gelingen? Vermag es ein banaler Zufallsfund, das Nachdenken über Zyklen der Natur, im Jahr und im Leben in Gang zu bringen? Kann ein vergängliches Kunstwerk zeitlose Erfahrungen und Ideen evozieren?

Wenn die Ausstellung nichts anderes als die Projektionsfläche für weiterführende Assoziationen ist, ja, dann kann Kunst vielleicht auch heilen.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren