Coburg

"Heile Welt" vor 60 Jahren

Am 3. September 1959 eingeschult - ein Grund zum Feiern und Erinnern. Roland Heeb organisiert das "letzte" Klassentreffen - leider ohne den hoch geachteten Klassenlehrer Fritz Günther. Er lebt in den Geschichten weiter.
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Vor 60 Jahren wurden die Jungs in der Pestalozzischule eingeschult. Bei der Wiedersehensfeier wird diesmal der ehemalige Klassenlehrer Fritz Günther (hinten links) nicht mehr dabei sein. Er ist seinen Schülern in guter Erinnerung geblieben. Foto: Roland Heeb
Vor 60 Jahren wurden die Jungs in der Pestalozzischule eingeschult. Bei der Wiedersehensfeier wird diesmal der ehemalige Klassenlehrer Fritz Günther (hinten links) nicht mehr dabei sein. Er ist seinen Schülern in guter Erinnerung geblieben. Foto: Roland Heeb
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Wenn Roland Heeb und Michael Breuer von ihrem ersten Klassenlehrer erzählen, werden die beiden Mittsechziger noch einmal zu siebenjährigen Buben, die im Klassenzimmer in der Pestalozzischule brav auf ihrer Bank sitzen. Die Erinnerung an ihre Schulzeit ist geprägt von Fritz Günther, "einer absoluten Respektsperson" und einem "ganz großem Vorbild".

Umso trauriger sind die beiden, dass Fritz Günther beim heutigen Klassentreffen nicht dabei sein kann. Im Alter von 93 Jahren verstarb er im Juni dieses Jahres. Vor zehn Jahren, als die Männer zusammen mit ihren ehemaligen Klassenkameraden und den Mädchen aus der Parallelklasse ihre "goldene" Schuleinführung feierten, war er noch dabei und händigte seinen ehemaligen Schülern sogar die Schülerbögen von damals aus. "Es war spannend zu lesen, wie uns der Lehrer eingeschätzt hatte", so Heeb.

Es sollte eigentlich die letzte gemeinsame Feier des Jahrgangs sein. Doch Roland Heeb ließ sich motivieren und so wird am heutigen Samstag die Schuleinführung vor 60 Jahren gefeiert. Diesmal sogar mit offiziellem Stadtempfang. Von den 80 Mädchen und Jungen, die am 3. September 1959 eingeschult wurden, kommen immerhin 30 zum Fest. Der erste, der begeistert zugesagt hat, war Niki Rolin, der seit 37 Jahren in Thessaloniki in Nordgriechenland lebt.

Roland Heeb freut sich, dass so viele seiner Klassenkameraden wieder einmal nach Coburg finden. In ganz Deutschland sind sie mittlerweile verstreut. "Und aus allen ist was geworden", ergänzt Michael Breuer.

Paddeln statt Pauken

Er sagt das mit Blick auf die heutige von Leistungsdruck geprägte Schulzeit. Als "puren Wahnsinn" bezeichnet Breuer den Schulalltag seines Enkels. Der Stress in der 6. Klasse am Gymnasium sei enorm.

"Wir hatten damals noch Zeit", erzählt er und schwärmt von den gemeinsamen Nachmittagsausflügen. "Manchmal hat uns Lehrer Günther sogar zum Paddeln an die Fischbacher Teiche eingeladen." Seine Schulzeit möchte er nicht missen - auch, wenn es streng und autoritär zuging. "Es kam schon mal vor, dass einer von uns eine Stunde lang in der Ecke stehen musste, Gesicht zur Wand", erzählt Breuer. "Im äußersten Notfall, wenn einer gar nicht hören wollte, gab's auch mal einen Schlag mit dem Rohrstock auf den Rücken oder eine Kopfnuss", weiß Heeb. Trotzdem sprechen beide von einer "heilen Welt", denn der Lehrer sei absolutes Vorbild gewesen, der "wunderbar mit uns umgegangen ist". Fritz Günther pflegte ein ausgewogenes Verhältnis zu seinen Schülern: fördernd und fordernd, konsequent und kulant.

40 Kinder in einer Klasse waren damals ganz normal. Probleme hätte es deshalb nicht gegeben. "Auffällig waren höchstens zwei Kinder, alle anderen konzentrierten sich und hörten ruhig zu", sagt Heeb.

Eine Erinnerung, die heute noch sehr lebendig sei und nach Schmätzchen und Bratwurst schmecke, sei das Gregoriusfest. Beim Erzählen vom KiKa-Katzenkopf, dem Sternmarsch aller Grundschüler zum Marktplatz und den Vorbereitungen in der Schule leuchten Heebs Augen: "Das war toll! Schade, dass es diese Tradition nicht mehr gibt!" Da sind sich die "siebenjährigen Buben" einig.

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