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Bad Kissingen

Haushalt auf Sparflamme

Seit 1. Januar ist Deutschland Weltmeister. Mit rund 31 Cent für die Kilowattstunde ist der Strompreis hier so hoch wie nirgendwo sonst. Im eigenen Haushalt steckt enormes Sparpotenzial.
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Ein heißes Eisen: der Strompreis. Foto: imago
Ein heißes Eisen: der Strompreis. Foto: imago
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Günter Flegel und Steffen Standke Man mag über die Energiewende denken, wie man will. Zwei Punkte sind unbestritten: Der Umstieg auf "erneuerbare" Stromquellen hat die Preise für elektrische Energie in die Höhe schnellen lassen. Knapp 31 Cent kostet die Kilowattstunde, damit hat sich der Strompreis in 20 Jahren mehr als verdoppelt. Ein zweites, und das ist (vielleicht) die gute Seite der Entwicklung: Über den Strompreis und das Stromsparen wird (endlich) geredet. Allerdings stecken die Stromkunden in einer Zwickmühle.

Wenn es ums Reduzieren der Stromkosten geht, kommt häufig der Vorschlag, den Anbieter zu wechseln. Für Georg Schramm von der Energiegenossenschaft Nüdlingen ist das kein guter Tipp. "Der Wechsel des Anbieters löst das Problem nicht", sagt er.

Denn die Strompreise bestehen nicht allein aus dem an der Leipziger Strombörse ausgehandelten Beschaffungspreis. Umlagen, wie die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zur Vergütung von Ökostrom (EEG-Umlage), treiben ihn in die Höhe. Gleiches gilt für die Entgelte fürs Durchleiten von Energie durch Stromnetze. Alle Stromanbieter geben diese Kosten an die Endverbraucher weiter, was die Preisunterschiede für diese überschaubar macht.

Schramms Vorschläge, um im eigenen Haushalt wirklich Energiekosten zu sparen: Entweder, man ersetzt Stromfresser durch sparsamere Elektro-Geräte. Oder man investiert in eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. So sei der Verbraucher weg von den Großkonzernen und bekomme garantiert "echten" Ökostrom.

Denn über den Handel mit Emissionszertifikaten werde der "Strom oft grün gewaschen". So könne sich ein Stromanbieter über die Zertifikate beispielsweise an einem norwegischen Wasserkraftwerk beteiligen, ohne dass der dort gewonnene "saubere" Strom ins deutsche Netz fließe. In Bayern gibt es laut Schramm nur vier wirkliche Ökostromanbieter.

Bei einer hauseigenen Photovoltaikanlage besteht laut dem Nüdlinger, der auch dem Bund Naturschutz angehört, ein großer Vorteil: "Nur der Überschuss, der nicht im eigenen Haus verbraucht wird, wird ins allgemeine Stromnetz eingespeist."

Von der Idee, sich an Windkraftanlagen zu beteiligen, rät der Vorsitzende der Nüdlinger Energiegenossenschaft ab - obwohl die selbst zwei Windräder betreibt. Doch erstens würden in Bayern kaum noch Windanlagen gebaut; zweitens seien die Hürden für genossenschaftliche Anlagen inzwischen sehr hoch. Und drittens gebe es in der Branche viele schwarze Schafe.

Wer es mit einem Wechsel zu einem anderen Stromanbieter oder/und Tarif versuchen möchte, kann sich bei Vergleichsportalen wie "Verivox" oder "Check 24" schlau machen. Das ist aber gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht, warnt die Verbraucherzentrale. Denn aufgrund der unübersichtlichen Tarifstrukturen und ganz unterschiedlicher Randfaktoren (Service, Kündigungsfristen etc.) lassen sich Strompreise nur bedingt vergleichen. Der Betrag pro Kilowattstunde alleine gibt nicht den Ausschlag.

Der einfachste Weg, der Strompreisfalle ein Stück weit zu entkommen, ist hausgemacht: Nicht nur in der Schwerindustrie, auch im eigenen Haushalt kann man mit relativ wenig Mühe relativ viel Strom sparen (analog zur Heizenergie), ohne dass man Verzicht üben muss.

Das Portal "Sonnenseite" von Franz Alt etwa hat jüngst eine Studie präsentiert, wonach in Deutschland 2019 Strom im Wert von neun Milliarden Euro verschwendet wurde - angefangen von der Festbeleuchtung im ganzen Haus bis zu Geräten, die rund um die Uhr unbenutzt in Betrieb sind oder permanent auf Standby laufen. "Sonnenseite" beziffert das Sparpotenzial pro Haushalt auf durchschnittlich 230 Euro pro Jahr.

Damit ist freilich die Preissteigerung der letzten Jahre nur zum Teil aufgefangen, und bei weiteren Aufschlägen ist bei den Sparmöglichkeiten irgendwann Ende Gelände, zumal sich auch nicht jeder im Land neue energiesparende Geräte leisten kann.

Vielleicht kann man, zumal in einem Haushalt mit nicht mehr ganz kleinen Kindern, so eine Art "Sport" daraus machen, Stromfresser zu identifizieren und Sparmöglichkeiten zu suchen. Bei vielen Stromanbietern kann man sich Messgeräte leihen, die, zwischen Steckdose und Gerät angeschlossen, den Verbrauch der Waschmaschine oder der Kühltruhe ermitteln. Online findet man eine Fülle von mehr oder weniger präzisen Stromverbrauchsrechnern, die Spartipps geben, unter anderem hier: www.stromspiegel.de

Im Folgenden ein kurzer und alles andere als vollständiger Überblick über die gängigsten Stromfallen im Haushalt: Elektronik Viele moderne Geräte, die mit einer (Zeitschalt-) Uhr versehen sind, laufen auch unbenutzt im Dauerbetrieb und verbrauchen Strom - Fernseher, DVD-Spieler und ähnliches. Zumindest bei längerer Nutzungspause sollte man die Geräte vom Netz trennen. Der Standby-Betrieb vieler Geräte geht übers Jahr auch ins Geld. Einfache Gegenmaßnahme: eine abschaltbare Steckdosenleiste. Küche "Im vorgeheizten Ofen backen ..." Jeder kennt diesen Satz aus Koch- und Backrezepten, der zur Energievergeudung animiert. Moderne Elektroöfen werden so schnell heiß, zumal bei Umluft-Einstellung, dass man sich das Vorheizen sparen kann. Extra sparen kann man mit dem Nachheizen: Eine Backröhre bleibt eine Zeitlang heiß, man kann also schon vor Ende der Garzeit abschalten. Waschen Enormes Sparpotenzial steckt auch in der schmutzigen Wäsche. Viele Waschmaschinen haben Sparprogramme, die mit weniger Wasser und Strom auskommen. Wichtig ist, die Waschtrommel immer ganz zu füllen, also auch mal ein paar Tage Wäsche zu "sammeln", weil zwei halbe Wäschen weit mehr Strom verbrauchen als eine ganze. Was kaum jemand weiß: Kochwäsche braucht bei modernen Maschinen und Textilien keine 90 Grad, sondern kommt mit 60 Grad aus. Heizung Das Heizen mit Strom, früher (und inzwischen ab und an wieder) propagiert (Nachtspeicherheizung), ist die teuerste Art, die Bude warm zu bringen. Bei den aktuellen Strompreisen erst recht. Aber auch eine konventionelle Heizung braucht Strom, und zwar nicht zu knapp. Herkömmliche Umwälzpumpen, die pausenlos laufen, brauchen in einem Einfamilienhaus für 100 Euro Strom im Jahr. Die Nachrüstung auf eine moderne Pumpe (300 Euro inkl. Montage, dafür gibt es Zuschüsse) spart richtig Geld, etwa 80 Euro, so dass sich die Investition schnell bezahlt macht. Licht Keiner will im Dunkeln sitzen. Aber muss es die Festbeleuchtung im ganzen Haus und im Hof sein, wenn man nur in einem Zimmer sitzt? Gut geplante Beleuchtung schafft nicht nur Behaglichkeit und Sicherheit, sie schont den Geldbeutel. Die inzwischen weit verbreiteten (weil billigen) LEDs mit ihrem grell weißen Licht sind nicht jedermanns Sache; nach neuen Studien sind sie auch nicht gut fürs Auge bei Dauerbestrahlung. Leuchtstoffröhren sind eine Alternative, ansonsten vor allem: Licht nur da und nur dann, wo und wann es wirklich gebraucht wird. Kleine pfiffige Helferlein: Zeitschaltuhr (schon für unter zehn Euro zu haben) oder Bewegungsmelder.

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