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Ebelsbach

"Harmonie" hat endlich ein Zuhause

Die Ebelsbacher Blaskapelle zog in das Gleisenauer Schloss ein. Der neue Dirigent Eduard Marpoder gibt jetzt den Takt vor.
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Das Blasorchester "Harmonie" in seinem neuen Probenraum im Gleisenauer Schloss und mit dem neuen Dirigenten Eduard Marpoder (links)
Das Blasorchester "Harmonie" in seinem neuen Probenraum im Gleisenauer Schloss und mit dem neuen Dirigenten Eduard Marpoder (links)
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Die Blaskapelle "Harmonie" hat seit Jahrzehnten weit über Ebelsbach hinaus einen guten Ruf. Die ursprüngliche Besetzung des 1948 gegründeten Ensembles bestand aus alten Militärmusikern, Aktiven aus dem Sudetenland und Vertriebenen. Sie fanden hier ihre zweite Heimat. Die Kapelle hatte lange in Schulräumen und im alten Warteraum des Bahnhofs geprobt. Nun durfte die "Harmonie" in passende Räume einziehen. Im Schloss in Gleisenau hat der Verein im Keller nahezu ideale Räume für die Proben und das Vereinsgeschehen (Archiv).

Vorsitzender Markus Reinwand ist über das neue Zuhause mehr als zufrieden. Die Akustik im Gewölbe des Schlosskellers ist akzeptabel; sie hatte vor dem Einzug durch Einbauten noch verbessert werden können. "Die Gemeinde Ebelsbach und ihr Bauhof haben uns dabei und auch beim Umzug dankenswerterweise sehr unterstützt, und darüber freuen wir uns sehr", betont der Vorsitzende.

Reinwand hofft, nach langem Suchen hoffentlich ein dauerhaftes Zuhause gefunden zu haben. Die neue Unterkunft ist nach seiner Darstellung dringend notwendig, denn der Musikverein setze seit Jahren auf die Nachwuchsarbeit und dazu brauche man die entsprechenden Proberäume. "Seit diesem Schuljahr haben wir zwei Bläserklassen mit 14 und zwölf Kindern in der dritten Jahrgangsstufe an der Grundschule laufen. Dazu kommt unser Nachwuchsorchester ,mir spieln zamm' unter der Leitung von Werner Lehrieder mit zurzeit 20 Kindern im Alter von neun bis zwölf Jahren. Im großen Orchester der ,Harmonie' sind bereits viele Jungmusiker integriert, so dass wir auch hier 35 Musiker haben, von denen die Hälfte jünger als 20 Jahre ist."

Noch eine zweite Baustelle hat die Kapelle mit Glück und großer Freude zu einem guten Ende geführt. Sie hat einen neuen Dirigenten.

Im September hatte der langjährige Kapellmeister Stefan Krines aus Sand überraschend seinen Abschied von seinem Dirigentenamt verkündet. Sofort hat ein Arbeitskreis mit erfahrenen Musikern überlegt, wer die Kapelle kurzfristig übernehmen könnte. "Dies hätte auch eine langwierige Sache werden können, aber Gott sei Dank hat unser Wunschkandidat spontan zugesagt, so dass wir bereits im Oktober einen neuen Dirigenten begrüßen konnten. Unsere Wahl ist auf Eduard Marpoder aus Obertheres gefallen; er bringt alles mit, um den Nachwuchs gut einzubauen und dem Orchester neuen Schwung zu geben", sagte der Vorsitzende.

Eduard Marpoder hat in Düsseldorf Musik studiert und war vor seiner Bundeswehrzeit an der Berufsfachschule in Bad Königshofen, die er als staatlich geprüfter Leiter im Laienmusizieren abschloss. Als Berufsmusiker spielt er im rund 60-köpfigen Heeresmusikkorps in Veitshöchheim. Einsätze führten ihn nach Afghanistan, in den Kosovo, nach Mali sowie nach Amerika und Frankreich.

Der Oberthereser ist stellvertretender Kreisvorsitzender des Nordbayerischen Musikbundes. "Eduard Marpoder ist eigentlich eine Parallele zu unserem langjährigen musikalischen Leiter Stefan Krines. So müssen sich unsere Musiker, zumindest was den militärischen Umgangston angeht, nicht allzu sehr umgewöhnen. Außerdem hat Eduard selbst drei Kinder und jede Menge Erfahrung in der Ausbildung von Jungmusikern, was bei uns sehr gut ins Konzept passt. Wir hoffen, ihn mittelfristig in die Ausbildung unserer Jungmusiker integrieren und langfristig an den Verein binden zu können", erklärt Reinwand.

Eduard Marpoder ist nach der kurzen Zeit schon voller Lob für seine neue Truppe in Ebelsbach. "Die machen ihre Sache gut und haben sich schon sehr auf den neuen Dirigenten eingestellt." Alle sind mit Begeisterung dabei, angefangen von dem zwölfjährigen Luis Busch aus Stettfeld, dem Jüngsten, bis hin zu dem 86-jährigen Willibald Reich aus Breitbrunn. Gerade er ist ein Musiker mit Leib und Seele. Er hatte seinen ersten Auftritt 1951 beim "Wasserfest" in Breitbrunn, als die Trinkwasserleitung die alten Brunnen ablöste.

Nach Ebelsbach kam er 1974, "weil sie einige Musiker verloren hatten und jemanden im tiefen Blech brauchten, aber auch weil ich so gerne böhmische Musik spielte." Seitdem fährt er jeden Montagabend zur Probe nach Ebelsbach und ist mit großer Leidenschaft auf seinem Tenorhorn dabei. Sein Alter sieht man ihm nicht an, er sprüht weiterhin vor Elan. "Mir macht die Blasmusik großen Spaß, und das hält mich auch körperlich und geistig fit. Es herrscht auch eine gute Kameradschaft."

Im Klangkörper ertönt in der Weihnachtszeit ein besonderes Instrument, das der ehemalige Schlosser selbst gebaut hat. Es ist ein Glockenspiel, das bei Auftritten in der Kirche vielen Stücken eine besondere Note gibt.

In der Weihnachtszeit ist die "Harmonie" sehr aktiv. Seit fast 20 Jahren fährt die Kapelle nach Skalna (Wildstein) bei Eger, um ein Weihnachtskonzert zu spielen. Schon zweimal wurde dies vom tschechischen Fernsehen aufgenommen und ausgestrahlt. Am Samstag, 7. Dezember, ist es wieder so weit. In Skalna ist die Verbundenheit zur alten Heimat und zur böhmischen Musik noch groß. Und auch das Sommerfest mit der "Harmonie" ist bei den Tschechen beliebt.

Zuvor gibt es am Samstag, 30. November, um 18 Uhr in der Pfarrkirche von Ebelsbach das eigene Adventskonzert.