Forchheim

Hangrutsch im Hornschuchquartier

Während des Baus der Wohnanlage an der Bayreuther Straße ist der Untergrund in Bewegung gekommen. Dadurch sind Risse im Anbau des Seniorenzentrums Jörg-Creutzer entstanden. Der Wintergarten musste gesperrt werden.
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Bodenbewegungen während des Baus der Wohnanlage an der Bayreuther Straße haben zu Rissbildungen an dem oberhalb der Spundwände gelegenen Seniorenzentrum Jörg-Creutzer geführt.  Foto: Andreas Oswald
Bodenbewegungen während des Baus der Wohnanlage an der Bayreuther Straße haben zu Rissbildungen an dem oberhalb der Spundwände gelegenen Seniorenzentrum Jörg-Creutzer geführt. Foto: Andreas Oswald

Andreas Oswald Mitte Oktober erst ist Richtfest gefeiert worden in der Eigentums-Wohnanlage Hornschuch-Quartier, an der Bayreuther Straße 125, gegenüber der früheren Spinnerei. Doch das Glück, das die Scherben des vom Gerüst geworfenen Weinglases bringen sollte, war der Schultheiss Wohnbau AG in der bis dahin halbjährigen Bauphase nicht immer hold: Denn in Folge der Aushub- und Verbauarbeiten ist es zu Bodenbewegungen gekommen, die das oberhalb des Areals gelegene Jörg-Creutzer-Seniorenzentrum der Diakonie Bamberg-Forchheim in Mitleidenschaft gezogen haben.

Rissbildung im Wintergarten

Risse haben sich gebildet in dem vor cirka fünf Jahren eingeweihte Anbau des Seniorenwohnheimes. Der sogenannte "Wintergarten" wurde konzipiert, um mehr Fläche für Menschen zu schaffen, die beispielsweise auf Rollatoren angewiesen sind. Mitte September habe sich die Diakonie vorsichtshalber entschlossen, den Wintergarten zu sperren, bestätigt Vorstandsvorsitzender Dr. Norbert Kern auf Nachfrage unserer Zeitung: "Uns war es wichtig, dass Sicherheit vor Raumnutzung geht."

Lettenschicht kam in Bewegung

Bei der Hangbebauung des Hornschuch-Quartiers bestehe der geologische Untergrund aus einer Letten-Schicht, erklärt der Diakonie-Chef.

Dies habe beim Ausbaggern der Baugrube dazu geführt, dass oberhalb der Bayreuther Straße eine Hangbewegung eingesetzt habe. Infolgedessen sei es zu den Rissbildungen im Seniorenzentrum gekommen.

Im Auftrag der Diakonie und des Bauunternehmens Schultheiss sei durch Gutachter mittlerweile eine Schadenserhebung erstellt worden. Außerdem sei ein Sensor in den Boden eingebracht worden, der jede Hangbewegung registriert.

Der Untergrund ist jetzt stabil

In der letzten Woche habe eine Auswertung der Aufzeichnungen des Sensors ergeben, dass der Untergrund jetzt stabil sei, betont Vorstandsvorsitzender Norbert Kern. Es komme zu keinen Erdbewegungen mehr, weil die ursprüngliche Baugrube mittlerweile mit dem Baukörper ausgefüllt sei.

"Seit einer Woche ist der Wintergarten wieder freigegeben", freut sich Norbert Kern seitens der Diakonie. Im kommenden Frühjahr soll die Schadensbehebung vorgenommen werden. Die Schultheiss Wohnbau AG habe sich in der ganzen Angelegenheit sehr kooperativ gezeigt, betont der Diakonie-Verantwortliche.

Bauträger räumt Bedenken aus

In einer Stellungnahme der Schultheiss Wohnbau AG erklärt der technische Vorstand Thomas Gröne: "Was die Stabilität des Hanges betrifft, können wir jegliche Bedenken mit absoluter Sicherheit ausräumen." Wie Gröne weiter ausführt, würden die eigenen Fachleute Hand in Hand mit externen Experten arbeiten. "Das heißt, Statiker und Bodengutachter begleiten das Projekt kontinuierlich seit Projektbeginn."

Auf dem Grundstück sei ein Höhenunterschied von zwölf Metern zu überwinden, weshalb man auf zwei Terrassenebenen baue und als Gründungsmaßnahme im Vorfeld eine größere Anzahl an Bohrpfählen eingesetzt habe. Vor rund drei Wochen, so Thomas Gröne, sei bereits die Bodenplatte eingesetzt worden, "was noch einmal zusätzliche Stabilität gibt".

Die Ursachen für die Bodenbewegungen erklärt Thomas Gröne so: Die Bodenbewegungen seien bei den Aushub- und Verbauarbeiten erfolgt. "Damit wurde aufgrund der Untergrundbeschaffenheit bereits im Vorfeld durch mehrere durchgeführte Bodenuntersuchungen gerechnet", betont der technische Vorstand der Schultheiss Wohnbau AG. Für die Hangsicherung sei in der Planung eine Bohrpfahlwand mit Rückverankerung auf dem Grundstück der Diakonie vorgesehen und mit eingerechnet worden. Gröne unterstreicht: "Für diese Maßnahme bestehen Vereinbarungen mit der Diakonie, auch im Falle von möglichen Schadensfällen, die im Vorfeld nicht vollständig auszuschließen waren. Alle notwendigen Arbeiten wurden von mehreren Sachverständigen und Prüfsachverständigen (auch von der Diakonie) berechnet, geprüft und allen Beteiligten bekannt gegeben."

Auf die Frage unserer Zeitung, ob die Sicherung der Gründung zur Verteuerung des Projektes führe, erklärt Thomas Gröne, dass die Sicherung der Gründung von Anfang an bekannt und durch die Hinzuziehung von Sachverständigengutachten in die Baumaßnahme einkalkuliert worden sei. Die ausstehenden Maßnahmen an dem angebauten Gebäude (Wintergarten) der Diakonie, so Gröne, "sind pauschal einkalkuliert, die Wiederinstandsetzung ist sowohl in Ausführung als auch Kosten derzeit noch nicht bekannt und muss erst mit der Diakonie abgestimmt werden." Haben die Bodenprobleme zu Verzögerungen im Baufortgang geführt? Thomas Gröne versichert, dass es bezüglich der Hangsicherung und den Arbeiten keine merklichen Verzögerungen gegeben habe, "da die Gegebenheiten vor Kauf und Baubeginn bekannt waren".

Gesamtfertigstellung bis 2020

Zur Frage nach der Fertigstellung des Bauprojektes Hornschuch-Quartier erklärt Architekt Thomas Gröne, dass sich das Bauvorhaben in zwei Bauabschnitte teile. Der vordere, straßenseitige erste Bauabschnitt soll bis 31. Dezember 2019 und der Bauabschnitt zwei bis 30.Juni 2020 fertiggestellt sein.

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