Lichtenfels

Handy-Verbot an Schulen lockern?

Smartphones werden auch im Landkreis zum Mobbing zweckentfremdet. In Bayern gibt es deswegen ein Gesetz. An Lichtenfelser Schulen sieht man die Sache sachorientierter.
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Tom Meißner (18), Niklas Löchle (20) und Lehrerin Lydia Friedrich (38) stellen die Nutzung von Smartphones im Unterricht nach.  Foto: Valerie Tordai
Tom Meißner (18), Niklas Löchle (20) und Lehrerin Lydia Friedrich (38) stellen die Nutzung von Smartphones im Unterricht nach. Foto: Valerie Tordai
In allen Bundesländern dürfen Mobiltelefone in der Schule eingeschaltet sein. In allen Bundesländern? Nein! In bayerischen Schulen leistet man Widerstand. Zumindest noch. Das Gesetz, das das Benutzen von Mobiltelefonen auf dem gesamten Schulgelände verbietet, droht zu kippen. Es soll bald vielleicht gelockert oder sogar abgeschafft werden. Schüler können dann, wie in anderen Bundesländern, ihr Handy kurz zwischen den Unterrichtsstunden und in den Pausen nutzen.


Gegen Cybermobbing gedacht

Ursprünglich sollte dieses Gesetz vor allem gegen Cybermobbing unter Schülern wirken. Es ermächtigt Lehrer "nach eigenem Ermessen" gegen Handys auf dem Schulgelände vorzugehen. Nadja Jakob (18), Berufsschülerin, berichtet allerdings, dass "jeder, den sie kennt", sein Handy in der Schule eingeschaltet hat. Anders als es das Gesetz vorschreibt. Sie ist sich wie Nico Sesselmann (20) und Alexander Wißmann (23) sicher, dass das Handyverbot seinen Zweck nicht erfüllt. Mobbing passiere außerhalb und innerhalb der Schule, mit und ohne Handy.
Der Leiter der Berufsschule, Hans-Jürgen Lichy, vertritt eine ähnliche Meinung. Er erinnert daran, dass die meisten seiner Schüler schon volljährig sind und oft mit ihren Arbeitgebern in Kontakt stehen. Für ihn sei es in Ordnung, dass die jungen Menschen zwischen dem Unterricht oder in den Pausen kurz aufs Handy sehen. Im Unterricht sind Mobiltelefone in der Regel verboten. Ab und zu dürfen sie aber sogar zur Recherche genutzt werden. Cybermobbing käme eher selten vor. "Wenn, sind die Grenzen zwischen dem Mobbing in der Schule oder in der Freizeit fließend", berichtet Lichy. Sinnvoll findet er daher präventive Maßnahmen.


"Nicht perfekt umzusetzen"

Oft habe sich in den Gesprächen mit den "Tätern" gezeigt, dass diese sich nicht klar sind, welche Auswirkungen ihr Verhalten haben kann. Direktor Lichy ist sich sicher, dass sich an seiner Einrichtung nicht viel durch eine Lockerung oder gar Aufhebung des Gesetzes ändern würde. Das alte Gesetz sei für seine Schule nicht perfekt umzusetzen und dazu stehe er auch.
Thomas Meier, Leiter des Gymnasiums Burgkunstadt, setzt ebenfalls auf Präventivmaßnahmen. Er entwickelte das ausgeklügelte Programm "Netzgänger", das Workshops, Elternabende und Lehrervorträge beinhaltet. Erfolgreich ist bereits seit drei Jahren die Zusammenarbeit mit Grundschulen. So lernen die Schüler beispielsweise, wie sie die Facebook Sicherheitseinstellungen richtig benutzen. Pausen stellen für Thomas Meier den größten Gefahrenbereich dar. Dort könnten Schüler andere unerlaubt fotografieren und anschließend die Bilder ins Netz stellen. Dennoch sei es laut Meier "illusorisch", zu glauben, dass man dies mit einem Handyverbot aufhalten könnte. Deshalb betont Meier eindringlich, dass es wichtig sei, "erst einmal ein Programm zu entwickeln, das Fehlverhalten verhindert, bevor ein Programm entwickelt wird, das gegen Fehlverhalten vorgeht".


Ab der dritten Klasse

Reinhard Gick-Prandell, Rektor der Gustav-Roßbach Grundschule, weiß, dass schon ab der dritten Klasse rund ein Drittel der Schüler ein Mobiltelefon besitzt. Im Unterricht haben Handys für ihn aber "in dem Alter" nichts zu suchen, und in den Pausen findet er sie überflüssig. "Da soll noch gehüpft und gesprungen werden", wünscht er sich. Cybermobbing sei noch kein allzu großes Thema, dennoch gab es schon Vorfälle, in denen Eltern in Whats-App-Gruppen über andere Kinder gelästert hatten, erzählt der Rektor. Das verdeutliche, dass die Vorbildfunktion bereits daheim anfängt.
Auch sei ihm aufgefallen, dass exzessiver Handykonsum zu Unselbstständigkeit führen kann. Er berichtet von Kindern, die in panikähnliche Zustände verfallen, sobald sie ihr Mobiltelefon nicht dabei haben und sie das Gefühl bekommen "alleine" zu sein. Der Lockerung oder möglichen Abschaffung des bayerischen Handyverbots steht er sehr kritisch gegenüber. Er befürchtet, dass die Schule die Rechte der anderen Kinder nicht wahren kann, wenn in der Pause oder im Flur Schnappschüsse aufgenommen werden und diese dann im Internet landen.
"Ja, ungefähr 30 Fälle jährlich", antwortet Jugendkontaktberater Christian Wagner von der Polizei Lichtenfels auf die Frage, ob es schon zu angezeigten Cybermobbingfällen im Landkreis gekommen sei. Nach der Anzeige wird den Tätern das Mobiltelefon abgenommen und von Spezialisten ausgewertet.
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