LKR Coburg

Handeln, weil es eben nötig ist

Schon vor dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" erkannte der Landschaftspflegeverband Handlungsbedarf und gewann Landwirte für die Anlage von Blühflächen in 29 Gemarkungen des Landkreises.
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Andreas Sollmann zeigt eine Infotafel, die an den Blühflächen Interessierte aufklärt, warum dieser Acker schon ein bisschen wild aussieht.
Andreas Sollmann zeigt eine Infotafel, die an den Blühflächen Interessierte aufklärt, warum dieser Acker schon ein bisschen wild aussieht.
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Eine Wildbiene landet auf der Blüte einer Ackerwinde und löst einen Schachbrettfalter ab, der vor ihr dort genascht hat. So hatten sich die Verantwortlichen des Landschaftspflegeverbandes Coburger Land (LPV) das vorgestellt, als sie im vergangenen Frühjahr ein Programm auflegten, das mehr Blühflächen in die Landschaft bringen sollte. Es hat geklappt, wie die Insekten zeigen, die über der Fläche zwischen Unterlauter und Esbach summen, brummen und flattern, die der LPV jetzt beispielhaft präsentierte.

Als sie im Januar 2018 beschlossen, aus eigenen Mitteln des Verbandes ein Blühflächenprogramm anzubieten, hofften die Verantwortlichen, zehn Landwirte dafür gewinnen zu können. "Zu diesem Zeitpunkt hatte selbst ich noch nicht vom Volksbegehren gehört", sagt LPV-Geschäftsführer Frank Reißenweber, der auch Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz in Coburg ist. Die Landwirte sollten eine Fläche zur Verfügung stellen. Saatgut und Feldbestellung würde der Verband übernehmen. Das war das Angebot.

"Es haben sich dann aber 21 Landwirte beteiligt und Flächen in 29 Gemarkungen zur Verfügung gestellt", sagt der weitere LPV Geschäftsführer Andreas Sollmann, der zusammen mit Olga Denscheilmann beim Maschinenring das Projekt organisatorisch und finanziell betreut hat. "Wir haben 15 500 Euro an eigenen Mitteln in das Projekt investiert", sagt Sollmann.

In Kombination mit weiteren

Insgesamt kam die Region auf diese Weise zu 19 Hektar blühender Flächen. "Daneben gibt es aber auch noch Flächen, die direkt über das Rebhuhn-Programm gefördert und angelegt wurden", sagt Frank Reißenweber. Die dort eingesetzte so genannte Göttinger Mischung wurde nun auch auf den LPV-Blühflächen ausgebracht. Sie enthält eine Reihe von Pflanzenarten, die wohl durchdacht ausgewählt wurden. "Es sind alles autochthone, also heimische Arten, wir wollen keine Neophyten einschleppen", erklärt Frank Reißenweber. Von Anfang Juni bis September blüht immer etwas in den Streifen, die mit der Mischung eingesät wurden.

Mehr als 70 blühende Hektar

Durch beide Programme zusammen wurden über 70 Hektar mit dieser Blühmischung bestellt. Für das LPV-Programm übernahm der Kreisobmann des Bauernverbandes (BBV) in Coburg, Martin Flohrschütz, die Aussaat. Auch damit sollte die Attraktivität für teilnehmende Landwirte gesteigert werden. "Es muss dann nicht jeder seine Sämaschine umstellen und die Arbeit auf dem Blühstreifen übernehmen", erklärt Flohrschütz. Wegen der sehr unterschiedlichen Korngrößen der Mischung sei die Arbeit nicht unkompliziert gewesen. Der BBV Kreisobmann betont, dass nicht unbedingt Landwirt sein muss, wer sich für das Programm interessiert. "Auch Privatleute, oder Firmen, die geeignete Flächen haben, können mitmachen", sagt er.

Interssierte können sich melden

Wer im kommenden Jahr wieder beim Blühstreifenprogramm mitmachen möchte, kann sich schon beim Maschinenring anmelden. Frank Reißenweber schließt nicht aus, dass nach der neuen Gesetzgebung für den Naturschutz auch staatliche Programme aufgelegt werden, die Anreiz für solche Flächen bieten. "Wie die Finanzierung dann aussieht, sehen wir, wenn es so weit ist", sagt er. Für den Maschinenring wäre es aber wichtig, rechtzeitig zu wissen, wie viele Flächen bearbeitet werden müssen.

Dass die Flächen ihren Sinn erfüllen, liegt für Frank Reißenweber auf der Hand. Beim Gang durch die Blühfläche weist er bald auf Schwebfliegen, bald auf Wildbienen, Hummeln oder unterschiedliche Schmetterlinge hin.

Damit sie alle etwas von den Flächen haben, bleiben diese teilweise zwei Jahre stehen. Wo sie einjährig angelegt sind, werden sie erst im Herbst umgebrochen. "Das Grüngut wird zerkleinert und eingearbeitet zur Bodenverbesserung", erklärt Frank Menzner, der die Fläche bei Unterlauter zur Verfügung gestellt hat.

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