Bamberg

Hand in Hand auf dem Weg

Die Lebenshilfe und der Alpenverein Bamberg bieten gemeinsame Wanderungen für gelebte Inklusion an.
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Menschen mit und ohne Handicap wandern gemeinsam. Foto: Peter Schmidt/Michael Hemm
Menschen mit und ohne Handicap wandern gemeinsam. Foto: Peter Schmidt/Michael Hemm

Einen ganz neuen Weg beschritt die Lebenshilfe Bamberg im Frühjahr 2018 mit dem Start ihres Inklusionsprojektes "Aktion - Bamberg inklusiv". Die Initiatoren wollen damit erreichen, dass Menschen mit Behinderung auch außerhalb der Lebenshilfe ihre Freizeit verbringen können. Die Verantwortung für Menschen mit Behinderung soll in Zukunft nicht mehr nur bei den Einrichtungen der Behindertenhilfe liegen, sondern auch bei den Vereinen, Kirchengemeinden sowie den Bürgern.

Bereits 2015 hat der Deutsche Alpenverein sein Positionspapier "Inklusion (er)leben" veröffentlicht, in dem man Menschen mit Behinderung zum Klettern, Wandern oder Schneesport motivieren möchten. Dazu schreibt der DAV in seiner Broschüre: "Wir wollen Angebote für alle machen. Ohne Hindernisse. Dabei sollen Menschen mit Behinderung gleich von Anfang an dabei sein. Jeder soll immer daran denken: Menschen mit Behinderung gehören dazu."

Auch der Alpenverein Bamberg will zu mehr Inklusion in der Region beitragen und hat sonntägliche Wandertouren für wanderfreudige Menschen mit Behinderung geöffnet. Durch Unterstützung von "Aktion - Bamberg inklusiv" der Lebenshilfe nehmen so bereits seit einem Jahr Menschen mit Behinderung an den Sonntagswanderungen teil.

Miteinander gefragt

Dabei sei es wichtig zu wissen, dass Menschen mit Behinderung genauso unterschiedlich sind wie Menschen ohne Behinderung, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung der Initiatoren. Während für die einen eine sechs Kilometer lange Strecke das Limit sei, würden andere locker zwölf Kilometer schaffen. Und es gebe auch unglaublich sportliche Menschen mit Behinderung, für die eine 25-Kilometer-Tour kein Problem sei. Entscheidend bei den gemeinsamen Wanderungen ist das Miteinander. Beim Wandern kommt man zusammen, ins Gespräch und wenn notwendig, hilft man sich gegenseitig.

Auch bei der jüngsten Wanderung im August auf dem Pretzfelder Kirschenweg kamen die 38 Wanderer untereinander in Kontakt, und auch diejenigen, die im Alltag bisher keinerlei Berührung mit Menschen mit Beeinträchtigung hatten, waren freudig überrascht, wie leicht beim Wandern ein Miteinander gelingt. Der Wanderleiter des Alpenvereins der Sektion Bamberg, Peter Schmidt, ist überzeugt, dass die Öffnung der bestehenden Angebote der richtige Weg des Alpenvereins ist, um Inklusion zu erzielen.

Schmidt: "Unsere Wanderung hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass Menschen mit Behinderung integriert werden. Wandern ist die Gelegenheit für Gespräche untereinander. Man erfährt so einiges aus dem Alltagsleben, lernt sich kennen und verstehen. Für mich war es ein toller Tag und der Blick in die zufriedenen Gesichter aller Teilnehmer ist die Bestätigung - wir sind auf dem richtigen Weg. Gemeinsam geht es besser!"

Wanderpaten gesucht

Ziel des Alpenvereins Bamberg und von "Aktion - Bamberg inklusiv" sei es nun, dass wanderfreudige Menschen mit Behinderung unabhängig von der Lebenshilfe selbstständig an Wanderangeboten des Alpenvereins teilnehmen können. Mit der Zeit soll es gelingen, Wanderpaten zu gewinnen, die interessierte Wanderer mit Behinderung zu Hause abholen und beim Wandern begleiten. Die Aufgabe des Wanderpaten ist dabei keine "Rundumversorgung" des Menschen mit Behinderung. Viele Menschen mit Behinderung sind sehr selbstständig und benötigen oftmals nur kleine Hilfen.

Der Wanderpate sorgt vor allem durch das Abholen und Nachhausebringen, dass der Wanderer mit Handicap überhaupt mitwandern kann. Ansonsten sind oftmals nur wenige Hilfestellungen notwendig, wie vielleicht mal eine Unterstützung, wenn es steil bergab geht, oder beim Bezahlen.

Michael Hemm von der Lebenshilfe Bamberg betont, dass natürlich alle, die sich als Wanderpate für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung bei Wanderungen des Alpenvereins ehrenamtlich engagieren wollen, die notwendige Einführung erhalten und im Rahmen ihres Ehrenamtes durch die Lebenshilfe versichert sind. red

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