Coburg

Haftstrafe für Gewalt am Flugplatz

Ein 21-Jähriger aus dem Landkreis Coburg soll seine 17-jährige Bekannte sexuell missbraucht haben. Das Kronacher Jugendschöffengericht verhängte zweieinhalb Jahre Gefängnis.
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Es war eine gute Bekannte, mit der ein 21-jähriger Mann aus dem Landkreis Coburg im Juni bei Nacht gemeinsam in seinem Auto auf die Coburger Brandsteinebene zum Flugplatz fuhr. Zum angeblich nicht einvernehmlichen Geschlechtsverkehr kam es wenig später. Die 17-Jährige soll sich gegen die ersten Annäherungsversuche gewehrt haben und dann vergewaltigt worden sein.

Die Folgen der Nacht für den jungen Mann: Zweieinhalb Jahre muss er nun ins Gefängnis. Das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Kronach unter Vorsitz von Richter Jürgen Fehn verurteilte ihn am Freitag wegen Vergewaltigung und Körperverletzung.

Weitere Strafe für den Verurteilten: Er muss eine noch offene Resthaftzeit von 370 Tagen, die für ihn einst zur Bewährung ausgesetzt worden war, nun ebenfalls in vollem Umfang absitzen.

Eine Vielzahl von Zeugen waren für den Prozess am Freitag geladen, da sich der 21-Jährige während des Ermittlungsverfahrens nicht geständig zeigte.

Staatsanwalt Frank Dietze warf dem Angeklagten vor, dass er seine Bekannte in dem Wagen zuerst über und dann unter der Kleidung befummelt, geküsst und versucht habe, die 17-Jährige zu entkleiden. Sie habe ihn weggedrückt und ihm klargemacht, dass sie das nicht wolle. Als die 17-Jährige flüchtete, sei sie gestürzt. Der Mann soll ihr gefolgt sein, sich auf sie gelegt und gedroht haben: "Wenn ich einmal darf, passiert nichts. Wenn du es nicht zulässt, kille ich dich." Dann soll er seine Bekannte trotz vorheriger Gegenwehr vergewaltigt haben. Gemeinsam waren beide wieder nach Hause gefahren, einen Tag später zeigte die 17-Jährige ihren Widersacher an.

Ein nicht erwartetes Geständnis legte der Angeklagte dann doch im Kronacher Gerichtssaal über seinen Verteidiger Albrecht von Imhoff ab: "Es hat sich so zugetragen, es wird alles umfänglich eingeräumt."

Keine Fragen gab es bei der Verhandlung hinsichtlich der Beziehung der beiden. Ein Kriminalbeamter, der einst beide befragt hatte, sagte, der Angeklagte habe erzählt, dass die 17-Jährige schon einmal bei ihm übernachtet habe, es dabei aber zu keinem sexuellen Kontakt gekommen sei. Es sei von seiner Seite zu Annäherungen gekommen, er habe aber aufgrund ihrer Gegenwehr abgelassen. Der Beamte weiter: Im Handy des Angeklagten habe man eine Sprachnachricht nach der Tatnacht im Juni gefunden, in der der Angeklagte die 17-Jährige fragte: "Na wie wars?" Sie: "Nicht so prickelnd!" Während der Vernehmung habe sich die 17-Jährige sehr gefasst gezeigt.

Nur kurz wurde das 17-jährige Opfer vernommen. Es ging auch darum, welche psychischen Folgen die Vergewaltigung für sie habe. Die junge Frau sagte: "Habe schon wieder alles vergessen. Später habe ich nur hin und wieder schlecht geschlafen, jetzt ist aber gar nichts mehr."

"Die 17-Jährige hatte an den Folgen zu leiden und ist psychisch beeinträchtigt worden", meinte hingegen der Staatsanwalt nach der Beweisaufnahme im Gerichtssaal. Obwohl Täter und Opfer sich kannten, sei die Vergewaltigung kein minderschwerer Fall.

Belastend für den Angeklagten ist sein Vorstrafenregister. Er war schon einmal wegen versuchten Raubes und Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Mit einer Gesamtstrafe von zweieinhalb Jahren musste er im Jahr 2017 ins Gefängnis. Der Grund für die Aufstockung: Im Jahr 2016 war er zwei Mal in Coburg jungen Mädchen mit dem Rad gefolgt, hatte diese zu Boden gerissen und befummelt. Die Überfallenen, die dabei zum Teil auch mittelschwere Verletzungen erlitten, sollen heute noch an den psychischen Folgen der Überfälle leiden.

Bei künftigen ähnlich gelagerten Taten müsse der Angeklagte mit einer zusätzlichen Sicherungsverwahrung rechnen, sagte Staatsanwalt Frank Dietze. Er wollte eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Ein halbes Jahr Strafrabatt räumte er für das Geständnis ein.

Verteidiger Albrecht von Imhoff glaubte nicht, dass das Opfer nachhaltig unter der Vergewaltigung gelitten habe. Die 17-Jährige sei bei der Anzeigenerstattung gefasst und emotional unbewegt gewesen. "Da hatte ich schon andere Fälle", sagte der Verteidiger. Beide seien gemeinsam und einvernehmlich zum Tatort gefahren und von dort wieder gemeinsam zurückgekehrt. Zwei Jahre und drei Monate reichten als Strafmaß aus, sagte von Imhoff in seinem Plädoyer.

Dem kam das Gericht in seinem Urteil annähernd nach. Richter Jürgen Fehn erklärte die zweieinhalb Jahre Haft so, dass die 17-Jährige kein Zufallsopfer des Angeklagten gewesen sei, beide hätten sich gekannt. "Es gab schon mal eine sich anbahnende Beziehung." Zu seinen Ungunsten zähle, dass der Angeklagte bereits erhebliche Gewaltübergriffe ausgeübt hat. Die verhängte Strafe liege dennoch im untersten Bereich der Gesetzesvorgaben für Sexualstraftaten.

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