Lichtenfels
Gericht

Häuslicher Tumult mit Polizisten kommt 36-Jährigen teuer zu stehen

Im Grunde hätte die Angelegenheit um Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vom Tisch sein können. Ein Strafbefehl mit Zahlungsaufforderung erging an einen Mittdreißiger ohne derzeitigen festen Wohnsit...
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Im Grunde hätte die Angelegenheit um Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vom Tisch sein können. Ein Strafbefehl mit Zahlungsaufforderung erging an einen Mittdreißiger ohne derzeitigen festen Wohnsitz. Doch der Mann legte Einspruch dagegen ein und so kam es zur Verhandlung. Und zu mehr als der Verdoppelung der von ihm zu zahlenden Geldsumme.

Der Tumult vom 19. November 2018 wird dem 36-jährigen Produktionshelfer noch lange in Erinnerung bleiben. Er entstand gegen 22 Uhr, als er sich gegenüber seiner damaligen Freundin weigerte, ein ihr gehörendes Handy rauszurücken. Die junge Frau verständigte die Polizei, und als diese die Herausgabe mit Nachdruck zu erwirken suchte, beleidigte und sperrte sich ihr Freund nach Kräften.

Im Saal 14 des Amtsgerichts sollte am Dienstag von Richter Alexander Zenefels der Versuch unternommen werden, die Hintergründe und Begleitumstände des damaligen Geschehens zu beleuchten. Dabei sollte sich der Eindruck ergeben, dass die damalige Beziehung des Paares womöglich schon längst Schlagseite hatte. "Sie ist ausgerastet und hat mich verdroschen", suchte der Angeschuldigte zu versichern und skizzierte eine damalige Freundin, die cholerisch und mit drei, vier eigenen Handys Leute anrief, um ihn bei diesen mit "erfundenen Geschichten" schlechtzumachen.

"Sie haben ein konfliktbeladenes Verhältnis - so viel habe ich jetzt rausgehört", sollte Zenefels dem entgegnen und ein wenig die Aufregung des 36-Jährigen dämpfen.

Polizeibeamten in Arm gebissen

Staatsanwalt Philip Pasch erkundigte sich an dieser Stelle, was eigentlich das Ziel des Einspruchs sei, denn im Grunde räumte der Mann den Kern des Geschehens ja ein. Ja, er habe der Frau das Handy abgenommen und ja, er habe es ihr an dem damaligen Abend nicht zurückgeben wollen. Vor allem aber biss er einem Polizeibeamten in den Arm, als dieser ihn zu Boden bringen wollte.

Bevor dieser in den Zeugenstand treten sollte, wurde auch die 24-jährige Ex-Freundin des Produktionshelfers vernommen. Sie erzählte, dass sie an jenem 19. November eine Freundin angerufen habe, damit diese den Mann dazu bewegt, die Wohnung zu verlassen. Zugebend, selbst an einer Borderline-Erkrankung zu leiden, skizzierte sie wiederum ihren damaligen Freund als schwierig. "Er wollte bei mir schon mal aus dem Fenster hüpfen." An dieser Stelle redete der ihr schräg gegenüber sitzende Angeschuldigte dazwischen und durfte sich von Richter Zenefels eine Ermahnung mit Hinweis auf ein bei Wiederholung zu verhängendes Ordnungsgeld gefallen lassen.

Dann trat der Polizist in den Zeugenstand, der am 19. November alle Hände damit zu tun hatte, das Handy einzufordern. Er konnte sich während seiner Vernehmung allerdings nicht an Beleidigungen entsinnen, das taten Kollegen für ihn. "Man konnte mit ihm sprechen, bis auf die Sache mit dem Handy", erinnerte sich der Beamte und gab zu Protokoll, dass der Angeschuldigte seinerzeit das Handy seiner Freundin nicht herausgeben wollte, weil er auf ihm "irgendwelche Datinggeschichten mit Männern" zu finden glaubte. Unter Alkoholeinfluss, das hatte man damals kontrolliert, stand der 36-Jährige während des Vorfalls nicht. Jedoch schilderte der Polizist das damalige Geschehen so detailiert, dass bald die Sprache darauf kommen sollte, von den 1050 Euro abzurücken und stattdessen ein höheres Strafmaß anzulegen. "Da wäre es ja besser gewesen, ich wäre mit dem Urteil vorher zufrieden gewesen - das war ja nicht der Sinn dahinter", bemerkte der Produktionshelfer dazu und untermalte diesen Gedanken auch mimisch durch Sorgenfalten.

Höherer Strafbefehl

"Sie können den Einspruch ja zurücknehmen", empfahl ihm Zenefels, wieder auf die ursprüngliche Höhe des Strafbefehls verweisend. Eine Hoffnung, die sehr schnell zerstob. "Aber ich würde hier nicht mehr zustimmen", erklärte nämlich dazu Staatsanwalt Pasch deutlich. Letztlich sollte der Strafbefehl von Richter Zenefels auf eine Höhe von 2400 Euro verändert werden.

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