Kronach

Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen

Im Interview blickt der scheidende Diözesanjugendpfarrer Detlef Pötzl auf die letzten zwölf Jahre zurück, erinnert sich an seinen ersten Arbeitstag und gibt seinem Nachfolger wichtige Tipps mit auf den Weg.
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Nach zwölf Jahren im Amt als Diözesanjugendpfarrer im Erzbistum Bamberg und Leiter der Abteilung Jugendpastoral im Erzbischöflichen Ordinariat ist Detlef Pötzl am Samstag offiziell verabschiedet worden. Ab September übernimmt er als Pfarrer die Pfarreien Teuschnitz und Tschirn sowie als Kuratus die Kuratie Wickendorf. Zuvor stellte er sich dem Gespräch mit unserer Zeitung.

Fühlen Sie sich mit Ihren 41 Jahren zu alt für die Jugendseelsorge, oder warum geben Sie Ihr Amt ab?
Detlef Pötzl: Ich fühle mich keineswegs zu alt. Allerdings geht man nach zwölf Jahren eingefahrene Wege, und da sind neue Impulse gut. Bevor man mich aus dem Amt trägt, gehe ich also lieber, solange man noch deswegen Tränen vergießt (lacht). Ich habe mich nun für Teuschnitz entschieden, weil ich aus Nordhalben stamme und die Region kenne. Außerdem habe ich den Seelsorgeauftrag für das Jugendhaus Am Knock, kann also meine Erfahrungen einbringen.

Was hat Ihnen besonders Freude im Umgang mit jungen Menschen gemacht?
Ich habe mich darüber gefreut, mit engagierten und motivierten Leuten - ehrenamtliche wie hauptamtliche - zu tun zu haben. Beeindruckt hat mich auch die Erfahrung von Weltkirche an den Weltjugendtagen in Köln, Madrid, Rio de Janeiro, Krakau. In Zeiten wachsender Nationalismen ist es faszinierend, internationale Solidarität zu erleben und die Selbstverständlichkeit, mit der junge Menschen unterschiedlicher Herkunft und Nationalität miteinander beten, singen, feiern. Überhaupt können wir von jungen Leuten glauben lernen. Sie wollen sich reiben - gerade an den Moralvorstellungen der katholischen Kirche - und ihren eigenen Standpunkt finden.

Und was bleibt in weniger guter Erinnerung?
Die größte Niederlage war die Verhinderung einer Jugendkirche in St. Christophorus Fürth. Drei Jahre Standortsuche und Vorarbeit mit Zustimmung des Erzbischofs waren umsonst, weil letztendlich die Ordinariatskonferenz in geheimer Abstimmung das Projekt abgelehnt hatte.

Können Sie sich an ihren ersten Arbeitstag als Diözesanjugendpfarrer erinnern?
Natürlich. Pflichtbewusst bin ich in den ersten Tagen des September 2005 in die BDKJ-Diözesanstelle gekommen und habe mein Büro in Besitz genommen. Ich kann mich erinnern, dass die ersten Tage relativ langweilig waren, weil nicht viel zu tun war. Meine Mitarbeiterin hat mir dann erst einmal aus ihrem Erfahrungsschatz erklärt, was man als Diözesanjugendpfarrer so macht. Sie hat mich ermutigt, die ruhige Zeit zu genießen, denn "stressig wird's schon noch".

Wie sieht Ihre Gesamtbilanz nach zwölf Jahren aus?
Wir haben in Bamberg das Glück, dass der Erzbischof die Jugendarbeit sehr unterstützt. Das Jugendamt mit 120 Mitarbeitern inklusive der Dekanatsbüros ist personell wie organisatorisch gut aufgestellt. Unsere Angebote wie das Immerhin in Bamberg, der Struwwelpeter in Kronach oder das Beatship in Erlangen, unsere Programme in den Ganztagsschulen werden angenommen. Die Zusammenarbeit von BDKJ und Jugendamt läuft harmonisch ohne Grabenkämpfe und ohne Einschnitte. Positiv ist auch, dass wir internationale Partnerschaften mit dem Senegal, Tansania, Indien, Stettin gefestigt oder sogar neu aufgebaut haben.

Was waren und sind Ihre persönlichen Kraftquellen, Ihr Ausgleich von den beruflichen Herausforderungen und Anstrengungen?
Kraftquellen sind Zeiten der Stille, die es immer wieder gibt, und natürlich das feste Vertrauen in die Sinnhaftigkeit meiner Aufgaben, was auch mit meinem Glauben zu tun hat. Motivierend sind positive Rückmeldungen, konstruktive Kritik, ein freundliches Wort oder ein Augenzwinkern. In der Arbeit mit Menschen kommt oft mehr zurück, als man gibt. Ich bin interessiert an Geschichte und reise gerne. So sind also auch Reisen ein guter und willkommener Ausgleich.

Sie kommen aus dem Frankenwald und werden als Pfarrer und Kuratus dort wieder tätig sein. War es Ihr Wunsch, wieder zurück in die Heimat zu gehen?
Der Erzbischof hat verschiedene Vorschläge unterbreitet. Ich habe gerne für Teuschnitz, Tschirn, Marienroth und Wickendorf zugesagt. Die Menschen im Frankenwald sind besonders sympathisch, liebenswert und ein bisschen robust. Ich freue mich darauf, mit ihnen das Leben und den Glauben zu teilen.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger als Diözesanjugendpfarrer, Norbert Förster, mit auf den Weg?
Gelassenheit! Von Pater Paul Hünenberger, dem ehemaligen Spiritual des Priesterseminars, habe ich mir den Satz zu eigen gemacht: "Die Menschen müssen spüren, dass Du sie magst. Dann klappt das schon." Ich glaube, dass dies ein guter Tipp
für die Seelsorge sein kann. Ansonsten gilt natürlich immer der Rat des Heiligen Johannes Bosco: "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen."

Die Fragen stellte
Marion Krüger-Hundrup

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