Oerlenbach
Gemeinderat

Gutachterin fordert mehr Mischbaumarten im Gemeindewald

Sigismund von Dobschütz Bereits im Dezember 2017 hatte der Oerlenbacher Gemeinderat beschlossen, zur Halbzeit des bis 2029 geltenden Forstwirtschaftsplans eine Zwischenrevision vorzunehmen und für das...
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Sigismund von Dobschütz Bereits im Dezember 2017 hatte der Oerlenbacher Gemeinderat beschlossen, zur Halbzeit des bis 2029 geltenden Forstwirtschaftsplans eine Zwischenrevision vorzunehmen und für das Ratsgremium ein entsprechendes forstwirtschaftliches Gutachten erarbeiten zu lassen. In der jüngsten Ratssitzung legte die vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF Bad Neustadt) beauftragte Sachverständige Gisela Wenig ihren Bericht vor: "Der Gemeindewald ist recht gut aufgestellt."

Der Gemeinderat war mit dem Gesamtergebnis zufrieden und beschloss deshalb einstimmig, den 500 Hektar großen Gemeindewald auf der Grundlage dieser Zwischenrevision bis zur turnusmäßigen Erstellung eines neuen Forstwirtschaftsplanes ab 2029 entsprechend zu bewirtschaften.

Zur Erstellung des Gutachtens hatte im Juni 2018 ein gemeinsamer Grundlagenbegang stattgefunden, bei dem Vorgehensweise sowie Ziele und Maßnahmen zur Zielerreichung festgelegt wurden. Neben den Vertretern der Forstverwaltung hatten Bürgermeister Franz Kuhn (CSU) und Vertreter des Gemeinderats teilgenommen.

Die daraufhin von der Sachverständigen erarbeiteten Analysen und Empfehlungen für die nächsten zehn Jahre wurden im März 2019 von der Koordinierenden Stelle für Forsteinrichtung und Standorterkundung (AELF Würzburg) fachlich geprüft und abgesegnet. Diese Ergebnisse wurden nun dem Oerlenbacher Gemeinderat übergeben und vorgestellt.

Grundsätzlich war Gisela Wenig mit dem vorgefundenen Zustand des Oerlenbacher Gemeindewalds zufrieden. Der Wald werde auf sehr hohem Niveau bewirtschaftet. Allerdings warnte sie den Gemeinderat, langfristig sei "eine Delle im Holzeinschlag zu erwarten."

Die zur Aufforstung genutzte Fläche sei mit 115 Hektar zu hoch angesetzt. Insgesamt sei der "rein investive" Jungbaumbestand mit 140 Hektar zu groß. Eine Gefahr angesichts anhaltender Trockenheit und Dürre sei zudem der überdurchschnittliche Anteil an Buchen. Die Gutachterin forderte dazu auf, mehr "klimatolerante Mischbaumarten" einzubringen, was allerdings eine intensivere Pflege zur Folge haben werde. Die Eiche sei dabei "ein sehr wichtiger Baum", weshalb der aktuell schleichende Rückgang am Eichenbestand im Gemeindewald gestoppt werden müsse. Nur Mischbaumbestände könnten auf Dauer der Trockenheit und dem dadurch begünstigten Schädlingsbefall ausreichend widerstehen.

Schädlingsbekämpfung nötig

"Trockenheit und hohe Temperaturen sind purer Stress für unsere Bäume", bestätigte Hubert Türich als zuständiger Forstdirektor im AELF Bad Neustadt. Die intensivere Baumpflege werde das AELF nicht mit eigenem Personal schaffen, weshalb man wie schon jetzt in Einzelfällen fachkundige Fremdfirmen beauftragen wird. Eindringlich appellierte Forstdirektor Türich an die Gemeinderäte, die Ablehnung zur Bekämpfung des Schwammspinners noch einmal zu überdenken und die Bürger der Gemeinde für die Notwendigkeit einer Bekämpfungsaktion zu sensibilisieren. An den Bäumen auf dem Ebenhausener Friedhof, nannte Türich als ein Beispiel, sei ein derart hohes Auftreten festgestellt worden, "das zu Kahlfraß führen kann".

Bei allem Verständnis für die Argumente jener, die eine entsprechende Schädlingsbekämpfung ablehnen, gab er diesen zu bedenken: "Dem Greifvogel nutzt ein kahler Baum auch nichts." Angesichts der akuten Schädlingsgefahr will Türich deshalb in absehbarer Zeit dem Gemeinderat aktuelle Ergebnisse vorlegen, um noch rechtzeitig eine Bekämpfungsaktion im kommenden Frühjahr anmelden zu können.

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