Lichtenfels

Gut aufgehoben in froher Runde

Der Stammtisch ist ein Ort, an dem sich viele Menschen wohlfühlen. Hier trifft man sich nur selten zum Politisieren. Es gibt Freundeskreise, die sich in lockerer Runde über Freizeit und Urlaub unterhalten.
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Am Stammtisch fühlen sich viele Männer wohl. Der Wirt sowie seine Kellnerinnen und Kellner tun alles, um den Stammtisch-Gästen viel Geborgenheit zu vermitteln - obgleich das wohl keiner so ausdrücken würde, weil es in Franken eine Selbstverständlichkeit ist. Die Herren dieses Stammtischs treffen sich jeden Mittwoch in einer Gastwirtschaft im Staffelsteiner Land. Archivfoto: Matthias Einwag
Am Stammtisch fühlen sich viele Männer wohl. Der Wirt sowie seine Kellnerinnen und Kellner tun alles, um den Stammtisch-Gästen viel Geborgenheit zu vermitteln - obgleich das wohl keiner so ausdrücken würde, weil es in Franken eine Selbstverständlichkeit ist. Die Herren dieses Stammtischs treffen sich jeden Mittwoch in einer Gastwirtschaft im Staffelsteiner Land. Archivfoto: Matthias Einwag
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Matthias Einwag Zwischen Gastwirten und den Tafelrunden ihrer Stammtischritter besteht eine besondere Beziehung. Wer am Stammtisch Platz nehmen darf, ist meist ritualisiert. Manche Stammtischbrüder gehören seit ihrer Kindheit zur Dorfgemeinschaft und wuchsen ganz natürlich hinein in den Kreis der bramarbasierenden Bierkrugstemmer. Andere mussten jahrelang geduldig warten, bis sie in die erlauchte Runde aufgenommen wurden. Aber wie eng ist das Verhältnis eines Wirts zu seinen treuen Stammgästen? Wir fragten zwei Gastronomen im Staffelsteiner Stadtgebiet.

"Die sind bei uns geborgen", antwortet Anton Geldner, der Seniorchef der Staffelberg-Bräu in Loffeld. "Ich setz' mich gern dazu und unterhalt' mich mit denen." Doch diese Sitte pflegt der 79-Jährige nicht nur mit den Stammtischbrüdern, sondern mit allen seinen Gästen: "Erst frag' ich die Leut', woher sie kommen, und dann sag' ich, wer ich bin." Ohne aufdringlich zu sein, macht Anton Geldner stets seine Runde im Bräustübl. Er kommt an jeden Tisch, wechselt mit den Gästen einige Worte und erkundigt sich nach ihrem Wohlergehen.

Das Frankenlied zum Abschluss

Im Loffelder Brauereigasthof fühle sich ein Stammtisch besonders geborgen, dem ein Dutzend Honoratioren angehören. Diese Männer kehren jeden Mittwoch in einer anderen Gaststätte im Staffelsteiner Land ein, unter anderem regelmäßig im Bräustübl. Eingebürgert hat sich der Brauch, dass der Wirt den Herren eine Runde Schnaps spendiert, wenn sie zum Abschied das Frankenlied anstimmen.

"Ich leg' Wert drauf, dass keiner meiner Gäste betrunken heimfährt, denn wenn man Alkohol trinkt, sollte man nicht mehr mit dem Auto fahren", sagt Anton Geldner. Lächelnd fügt er hinzu, es sei schließlich auch ein Stück Geborgenheit, wenn man jemanden habe, der sich ums Wohl der Mitmenschen kümmert. Anton Geldner: "Ein Taxi ist günstiger gegenüber dem Verlust des Führerscheins oder einem Verkehrsunfall."

Im Nedensdorfer Brauereigasthof Reblitz treffen sich gleich mehrere Runden. "Wir haben sonntags einen Frühschoppenstammtisch, der inzwischen leider auf drei Leute geschrumpft ist", erzählt der Braumeister und Gastwirt Reinhold Reblitz. Diese Frühschöppner reden mehr übers Kirchengeschehen als über große und kleine Politik.

Außerdem gebe es lose Freundeskreise, die sich am Sonntag- und am Donnerstagabend einfinden. Die Sonntagabendrunde bestehe aus älteren Herren, die kulturell sehr interessiert sind, sagt der Wirt. Während er am Zapfhahn steht, bekommt er mit, was die Herren am ovalen Stammtisch vor seinem Tresen miteinander reden: "Da kommen sehr gute Gespräche auf - die wissen viel, und die wollen auch viel wissen." An diesem Stammtisch sei der Informationsgehalt am höchsten, lobt Reinhold Reblitz.

Reisen und Urlaub als Topthemen

Die Besucher des seit etwa 35 Jahren bestehenden Donnerstagabendstammtischs gehören den mittleren Jahrgängen an. Sie sprechen nicht über Politik - wohl aber übers Motorradfahren und über Fahrradtouren sowie über Reisen und schöne Urlaubsregionen. "Früher blieben sie bis 1 Uhr nachts - aber nun, mit zunehmendem Alter, gehen sie eher", sagt der Wirt.

Und warum fühlen sich die Menschen am Nedensdorfer Stammtisch wohl? "Wir haben ein Stammtisch-Schild - die Leute wissen, dass da immer ein Platz für sie reserviert ist. Unsere Stammtischler müssen nie Platz machen für andere Gäste, so voll die Gaststube auch ist: Sie haben immer ihren angestammten Platz." Es sei ein Tabu, Stammtischler zu vertreiben, selbst wenn noch so viele andere Gäste kommen.

Interessen haben sich geändert

Die Schwerpunkte des gesellschaftlichen Lebens haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verschoben. Daraus resultiere, dass nur noch wenige den Frühschoppen am Sonntagvormittag besuchen. Reinhold Reblitz: "Die Alten sind weggestorben und Junge rücken leider nicht nach. Die jungen Leute haben heute andere Interessen, sie gehen in die Sauna, wandern zum Staffelberg oder unternehmen Fahrradtouren." Dafür kommen nun sonntags mehr junge Familien mit Kindern zum Mittagessen. Und noch einen Trend hat der Gastwirt beobachtet: "Viele der Leute, die früher zum Stammtisch kamen, treffen sich heute in Feuerwehrhäusern. Das ist zwar eine preisgünstigere Möglichkeit. Es beeinflusst aber die Wirtshauskultur negativ."

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