LKR Coburg

Güllefässer als Löschwassertanks

Feuerwehr und Landwirte arbeiten angesichts der immer größer werdenden Gefahr von Flächenbränden auf Feldern oder im Wald eng zusammen. Landmaschinen werden dabei zum schweren Gerät für die Brandbekämpfung.
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Linus (links) und Leon haben Spaß mit dem kindertauglichen Strahlrohr. Doch der Anlass ist ernst. Im Kampf gegen Flächenbrände auf Äckern oder Wäldern arbeiten Landwirte und Feuerwehren eng zusammen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Faltbehälter (rechts im Bild). Foto: Rainer Lutz
Linus (links) und Leon haben Spaß mit dem kindertauglichen Strahlrohr. Doch der Anlass ist ernst. Im Kampf gegen Flächenbrände auf Äckern oder Wäldern arbeiten Landwirte und Feuerwehren eng zusammen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Faltbehälter (rechts im Bild). Foto: Rainer Lutz
Bei der Hitze sind Linus und Leon sichtlich begeistert, dass ihnen die Feuerwehr ein echtes Strahlrohr überlässt. Sie sprühen eifrig in die Gegend. Der Hintergrund für ihren Spaß ist aber äußerst ernst. Feuerwehr und Landwirte suchen nach Wegen der Zusammenarbeit angesichts der drohenden Gefahr von Flächenbränden, die bei der Hitze und Trockenheit zurzeit schnell entstehen können.
Tatsächlich wurden auch spontan Lösungen gefunden, die so pragmatisch wie wirksam sind. "Wir ersuchen die Landwirte, ihre Güllefässer mit Wasser zu füllen und bereit zu stellen für den Fall eines Brandes", erklärt Kreisbrandrat Manfred Lorenz. Kommt es zu einem Alarm, können die Bauern so schnell vor Ort sein wie die Feuerwehr. Die ist auf schnelle Wasserversorgung angewiesen. "In wasserführenden Fahrzeugen haben wir vielleicht 2000 Liter. Güllefässer bringen dagegen 15 000 oder 20 000 Liter", rechnet er vor. Die Landwirte können dabei mit mehreren Fässern eine regelrechte Versorgungskette aufbauen.


Entnahme überall erlaubt

In einer solchen Gefahrensituation dürfen die Bauern ihre Fässer auch an jedem Gewässer füllen. Anders als sonst spielt es im Brandeinsatz keine Rolle, dass dabei möglicherweise geringe Güllereste vom Fass in einen Fluss oder See gelangen können. Nur so können die Fässer mit der nötigen Geschwindigkeit befüllt werden. Das Wasser aus den Fässern wird dann in große Faltbehälter geleitet, die die Feuerwehr nahe des Brandherdes aufbaut. Direkt an die Güllefässer können die Pumpen der Feuerwehr nicht angeschlossen werden. Aus diesen Faltbehältern fördern die Feuerwehrfahrzeuge das Wasser dann zu den Strahlrohren der Angriffstrupps. Laufen die Pumpen auf Volllast, ist auch ein 5000 Liter fassender Behälter in wenigen Minuten leer. Daher bleibt keine Zeit, die Güllefässer etwa mit Wasser aus Hydranten zu befüllen.
Bei Einsätzen in diesem Sommer hat sich die Zusammenarbeit schon bewährt. "Wir hatten an einem Tag drei Brände auf Feldern", sagt Manfred Lorenz. Da sei die Feuerwehr froh gewesen, als Landwirte zur Unterstützung anrückten - in diesen Fällen teilweise auch ohne Wasser. "In einem Fall kam ein Grubber zum Einsatz. Einmal mit Vollgas rund um den Brandherd herum und schon war das Feuer zumindest eingedämmt", beschreibt der Kreisbrandrat den Einsatz.


Kleine Wehren wichtig

Gerade bei Feld- oder Waldbränden sind die kleineren Ortswehren unersetzlich. Daran lässt Manfred Lorenz keinen Zweifel. Der Grund liegt in ihrer Ausrüstung. "Diese Wehren haben oft einen Hänger, der von einem Schlepper gezogen wird, damit erreichen sie im Gelände Stellen, an die normale Feuerwehrfahrzeuge nicht hin kommen können", erklärt Lorenz.
Martin Flohrschütz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Coburg, betont noch einen anderen Aspekt, der für die Dorfwehren ebenso spricht wie für den Einsatz der Landwirte mit ihren Güllefässern. "Die Ortsfeuerwehren kennen sich genau aus. Sie wissen wo Wasserentnahme möglich ist und kennen alle Wege in den Fluren oder im Wald", sagt er.


Wetter - Gefahr für Maschinen

Sorgen macht dem Bauernverband das heiße Wetter, wenn es um die Brandgefahr geht. Dabei denkt Martin Flohrschütz an die Maschinen für die jetzt anlaufende Maisernte. Der Mais selbst ist trocken. Aber vor allem drohen die Maschinen heiß zu laufen, wenn sie bei 35 Grad Außentemperatur und mehr im Einsatz sind.
Er sieht hier die geltenden Vorschriften mit als Gefahrenquelle. "Die selbstfahrenden Maschinen sind wenige Wochen im Jahr im Einsatz, aber sie müssen Abgasnormen erfüllen", erklärt er. Das führe dazu, dass die Triebwerke so konstruiert werden müssen, dass sie leichter heiß laufen. Dazu komme ein weiteres Problem. "Die Maschinen sind so gekapselt, dass sie nicht nur schneller heiß werden, wenn sie Feuer fangen, sind sie auch kaum zu löschen, weil der Schaum nicht an das Feuer heran kommt", sagt er.
Wenn sich für die kommende Maisernte das Wetter nicht ändert und die Temperaturen weiter deutlich über 30 Grad liegen, dann müsse darüber nachgedacht werden, verstärkt in der Nacht zu arbeiten, wenn es wenigstens ein wenig kühler ist, meint Martin Flohrschütz. Für den damit verbundenen Lärm müsse dann um Verständnis bei der Bevölkerung gebeten werden. Aber Sicherheit gehe dann eben einmal vor Lärmschutz, ist er überzeugt.


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